Ökologische Aufwertung des Kaibachs in Lohr a.Main
Im Zuge eines Projekts „Auf zu lebendigen Bächen“ des Sachgebiets Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken berät der Naturpark Spessart e.V. seit August 2025 Mitgliedsgemeinden bei der ökologischen Entwicklung der Gewässer dritter Ordnung. Das sind die kleineren Gewässer, für deren Unterhalt die Kommunen zuständig sind.
2026 werden erste Maßnahmen umgesetzt, u.a. am Kaibach in Lohr a.Main. Der Kaibach gehört zum Gewässersystem des Rechtenbachs und bildet dessen Unterlauf im Bereich der Stadt Lohr. Der Kaibach ist ein stark vom Menschen verändertes Gewässer. Hier sollen in den nächsten Jahren Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustands und der Hochwassersituation durchgeführt werden.

Das Bachsystem des Rechtenbachs bzw. Kaibachs wird vom Bischbornbach gespeist, der auf der Rodungsinsel des Bischborner Hofes seinen Ursprung hat. Hinzu kommen Zuläufe aus den bewaldeten Hängen südlich und nördlich der Gemeinde Rechtenbach. Insgesamt hat das Bachsystem ein Einzugsgebiet von 25 Quadratkilometern.
Von der Ortschaft Rechtenbach fließt der Bach als Rechtenbach durch ein schmales Wiesental bis nach Lohr. Auf dem Weg dorthin hat er früher mehrere Papier- und Walkmühlen angetrieben.
Am Ortsbeginn von Lohr ändert sich der Name in Kaibach. Der Kaibach fließt am südlichen Rand der Altstadt durch bebautes Stadtgebiet und mündet schließlich nach eine Lauflänge von insgesamt ca. 11 Kilometern in den Main.
Der Kaibach (oder wie die Einheimischen sagen: „die Käbich“) ist im Stadtgebiet aufgrund der jahrhundertelangen Wasser(kraft)nutzung sehr stark verbaut. Der Bach fließt meist in einem betonierten bzw. gemauerten Bachbett. Auch die Gewässersohle ist oft gepflastert oder betoniert. Die Lebensraumqualität für Fische und wirbellose Wassertiere wie Insektenlarven oder Krebse ist entsprechend schlecht. Zudem erschweren Querbauwerke wie Sohlabstürze und Sohlschwellen die Wanderung von Wassertieren entlang des Gewässers. Ganz anders sieht es in den naturnahen Bachabschnitten zwischen Lohr und Rechtenbach aus, die zahlreichen Gewässerarten eine Heimat bieten.
Der stark verbaute Unterlauf des Kaibachs soll jetzt schrittweise aufgewertet werden. Damit wird nicht nur die Lebensraumqualität des Kaibachs und seine Längsdurchgängigkeit für Wasserorganismen verbessert. Auch sein Erscheinungsbild in der Stadt und die Aufenthaltsqualität für die Menschen sollen aufgewertet werden. Die Maßnahmen entsprechen auch den Zielvorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.
Am Kaibach wird im Spätsommer 2026 ein für Gewässerorganismen kaum überwindbarer Sohlabsturz im Mündungsbereich am Main mit einer sogenannten rauen Rampe durchwanderbar gemacht. Dazu werden am und unterhalb des Sohlabsturzes Buntsandsteinblöcke und Kies verschiedener Größe in das Bachbett eingebaut. Für wandernde Fische und Kleinlebewesen entsteht so eine Rampe, auf der sie bachaufwärts wandern können. Oberhalb des Absturzes werden größere Buntsandsteinblöcke in regelmäßigen Abständen auf die gepflasterte bzw. betonierte Bachsohle befestigt Diese sogenannten Störsteine bremsen bzw. lenken die Strömung stellenweise ab und ermöglichen so die Ablagerung von Kies und Sand. Es entstehen naturnahe Strukturen und Rückzugsräume für Tiere am Bachgrund, ohne dass die versiegelte Bachsohle aufwändig und teuer geöffnet werden muss.
Etwa 300 m oberhalb der Mündung des Kaibachs in den Main auf Höhe der Vorstadtstraße kommen im Spätsommer 2026 ebenfalls Störsteine zum Einsatz. Auch hier werden etwa 20-40 Zentimeter lange Buntsandsteine auf die betonierte bzw. gepflasterte Bachsohle geschraubt. Damit soll in diesem Abschnitt die Ablagerung von natürlichem Kies und Sand gefördert werden. Mittels größerer Steine soll zudem eine etwa 10 Zentimeter hohe Sohlschwelle für wandernde Tiere besser passierbar gemacht werden. Die Störsteine sollen zunächst auf einer Länge von etwa 40 Metern angebracht werden. Die Entwicklung des Gewässers soll dann beobachtet werden.
Projektträger beider Maßnahmen ist die Stadt Lohr a.Main. Die Gesamtkosten belaufen sich voraussichtlich auf ca. 28.000 Euro. Es gibt dazu einen Zuschuss in Höhe von 75% der Kosten vom Freistaat Bayern über die Förderrichtlinie RZWas.
Angesichts des derzeitigen naturfernen Zustands des Kaibachs sind die oben beschriebenen beiden Maßnahmen nur ein erster Schritt. In den kommenden Jahren sollen weitere Einzelmaßnahmen am Kaibach durchgeführt werden, um seine Lebensraumqualität für Gewässerorganismen sowie die Aufenthaltsqualität für die Menschen insgesamt zu verbessern und die Hochwassersituation abzumildern.
