Naturschutz und Landwirtschaft im Einklang – Ein Blick hinter die Kulissen der „wilden Weiden“ bei Rieneck
Wenn man durch die weitläufige Talaue im Naturschutzgebiet Sinngrund geht, merkt man sofort: Hier ist und passiert etwas Besonderes. Der Naturpark Spessart e.V. zeigt seit Jahren, wie Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können.
Bei einer Führung am 17. Mai 2026 durften Besucherinnen und Besucher hautnah erleben, wie insbesondere Rinderhaltung und Artenvielfalt zusammenwirken. Der Gebietsbetreuer für Grünland Christian Salomon führte über eine „wilde Weide“. Er berät die Familie Knüttel und andere Landwirtinnen und Landwirte in der Region und unterstützt sie, Naturschutz auf ihren Grünlandflächen umzusetzen.

„Große Weidetiere, gerade Rinder gehören in das Ökosystem der Flussauen“, erklärt Salomon bei einem naturgeschichtlichen Rückblick. Im Sinngrund bei Rieneck zeigt sich, warum: Die extensiv beweideten Flächen bieten einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter Ameisenbläulinge, Schachblume und Neuntöter – ein typischer Weidevogel, der hier optimale Bedingungen zum Jagen und Brüten findet. Auch die Orchidee Breitblättriges Knabenkraut wächst mitten auf Florian Knüttels Rinderweide.
Die Besucherinnen und Besucher durften letztlich sogar selbst aktiv werden: Denn auf der Weide breitet sich die giftige Herbstzeitlose aus. Gemeinsam zogen sie mehrere Müllsäcke voller Pflanzen aus der Erde. „Wenn Euch das so Spaß macht – meldet Euch gerne wieder. Ich stell’ Euch auch einen Kasten Bier bereit“, meinte Landwirt Florian Knüttel scherzhaft und betonte zugleich die Bedeutung freiwilliger Unterstützung.

Deutlich ernster wurde es bei der Schilderung eines dramatischen Ereignisses auf derselben Weide: Vor einigen Jahren im August stieg der Wasserstand im Sinngrund innerhalb weniger Stunden massiv an. „Die Kälber sind fast ertrunken und konnten nur noch mit erhobenem Kopf atmen“, erinnert sich Florian Knüttel an diesen Schockmoment. Dank schneller Rettungsmaßnahmen konnten alle Tiere gerettet werden – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie extreme Wetterereignisse auch die Spessartregion bedrohen.
Nachdem Christian Salomon auf der Rinderweide in kürzester Zeit rund 50 verschiedenen Pflanzenarten präsentiert hatte, fiel es beim Zurücklaufen zum Parkplatz vielen auf. „Hier wachsen wesentlich weniger unterschiedliche Pflanzen“, so eine Teilnehmerin. „Wir brauchen aber auch solche Mähwiesen für das Winterfutter“, erklärte Florian Knüttel. Genau diese Vielfalt aus Mähwiesen, Weiden, Gehölzbereichen und Fließgewässer zu erhalten, ist auch Ziel des Naturschutzschutzgebiets Sinngrund, zitierte Salomon aus der zugehörigen Schutzgebietsverordnung.