Aktuelle Infos

Kreuzwertheimer Streuobstgebiet - Hotspot seltener Arten

Untersuchungen belegen außergewöhnliche Wertigkeit
Naturpark pflanzt Bäume

 

„Ehrlichsgärten“ lautet die Bezeichnung für das 45 Hektar große Streuobstgebiet direkt nördlich des Kreuzwertheimer Altortes. Einst haben Kreuzwertheimer Bürger und der BUND Naturschutz hier erfolgreich gegen eine Überbauung gekämpft. Heute zählt das Gebiet zum europäischen Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Maintalhänge zwischen Bürgstadt und Wertheim“ und der Wert dieser Streuobstwiesen wird zunehmend erkannt. Die Marktgemeinde, viele betroffene Eigentümer und Flächennutzer beteiligen sich bereits aktiv an Maßnahmen zum Erhalt dieses „Paradieses vor der Haustüre“. Ein echtes Vorzeigebeispiel angesichts der aktuellen Fragestellungen um den Rückgang der Biodiversität.

 

Gartenrotschwanz (Foto: H-Brönner)

 

Aktuelle Kartierungen

Zu dieser Wertschätzung tragen auch aktuelle Untersuchungen des Naturpark Spessart e.V. bei, mit denen der Vogelkundler Hartwig Brönner und der Käferspezialisten Dr. Jürgen Schmidl beauftragt wurden. Mehr als 50 seltene und gefährdetet Vogel- und Käferarten haben die beiden Experten im Gebiet nachgewiesen. Alle sind eng an den Lebensraum Streuobstwiese gebunden. „Wertvoller geht es nicht“, fasst Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter an der Regierung von Unterfranken die Ergebnisse zusammen. „Magere Wiesen, alte Bäume, großer Strukturreichtum und sanfte Nutzung“, benennt er das Rezept für diese Vielfalt.

 

106 Holzbewohnende Käferarten
Alleine 106 holzbewohnende Käferarten wurden mit Hilfe verschiedener Fallen aktuell nachgewiesen. Diese Artengruppe gilt als besonders guter Indikator für die gesamten Lebensgemeinschaften, denn sie reagiert sehr sensibel auf negative Veränderungen. So sind auch 43 der gefundenen Käferarten in Bayern als „gefährdet“ bis „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der bekannteste unter den aktuellen Käferfunden ist sicher der Hirschkäfer. Am spektakulärsten sind jedoch die Nachweise von gleich drei Urwaldreliktarten – extrem seltene Arten, die so anspruchsvoll sind, dass sie in bewirtschafteten Wälder fast oder ganz ausgestorben sind.

 

Hirschkäfer (Foto: Christian Salomon)

 

5 Spechtarten
Auch für die Vogelwelt sind die Ehrlichsgärten von herausragender Bedeutung. In der aktuellen Brutsaison wurden hier 57 Arten erfasst. 26 Arten brüteten direkt im Gebiet. Bemerkenswert sind hier insbesondere Klappergrasmücke, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper und Wendehals – eine von 5 Spechtarten im Gebiet. Weitere 31 Vogelarten suchten das insektenreiche Streuobstgebiet zur Nahrungssuche auf.

 

Fast 100 Apfelsorten

Die Regierung von Unterfranken hat parallel zu den Naturpark-Gutachten den Streuobstbestand an sich untersuchen lassen. Steffen Kahl von der Schlaraffenburger Streuobstagentur hat sich in den letzten beiden Jahren mit den gut 2700 Obstbäumen befasst. 93 Apfelsorten und 16 Birnensorten konnte er im Gebiet bereits bestimmen, darunter einige seltene Lokalsorten.
Doch seine Untersuchungen machen auch greifbar, was auch die Gutachter Brönner und Schmidl befürchten. Ohne gezielte Maßnahmen könnte der wertvolle Obstbaumbestand in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein – und mit ihm die große Tiervielfalt. Denn der Bestand ist stark überaltert. Nachpflanzungen sind selten und der weitgehend schlechte Pflegezustand der Bäume vermindert deren Lebensdauer erheblich. Nur etwa 10 % der Bäume werden derzeit als vital eingestuft.

 

Streuobstbestimmung durch Steffen Kahl
(Foto: Christian Salomon)

 

Pflegeschnitte und Nachpflanzung

„Wir haben jetzt eine hervorragende Datengrundlage und klaren Handlungsbedarf“, sagt Christian Salomon, der die aktuellen Naturschutz-Maßnahmen im Gebiet koordiniert. Außerdem gäbe es in Kreuzwertheim eine außergewöhnlich starke Allianz an Naturschutzpartnern und ein großes Interesse der Bevölkerung. Die Regierung von Unterfranken und der Naturpark Spessart fördern deshalb gerne die erforderlichen Bausteine:
Ein von der Regierung letzten Samstag angebotener Obstbaum-Schnittkurs wurde von über 30 hoch motivierten Privatleuten besucht. Krischan Cords, Geschäftsführer der MainStreuobstBienen eG erläuterte mit praktischen Übungen die wichtigsten Grundlagen der Erziehungsschnitte und der Altbaumsanierung.
Julian Bruhn vom Naturpark Spessart bereitet derweil einen weiteren Förderprojekt vor. Diesmal zur Nachpflanzung von 100 Obstbäumen und für Baumschutzgitter auf den Weideflächen. Rund 20 Privateigentümer möchten die geplante Maßnahme auf ihren Grundstücken unterstützen und sollen hochwertige Obstbäume alter Robustsorten zum „Sondersparpreis“ erhalten. Der Baumbestand soll so langfrsitig gesichert werden.

 

Obstbaumschnittkurs mit Krischan Cords
(Foto: Christian Salomon)

 

Weitere Infos bei:
Christian Salomon
Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart
Telefon +49 (0) 9352 606-4200
Mobil   +49 (0) 178 627 3351
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Vorzeigeprojekt: Naturpark Spessart legt erste Wiesen an

Seit diesem Sommer verfügt der Naturpark Spessart über eine Samenernte-Maschine „eBeetle“ (siehe anschließenden Bericht) und hat damit bereits einige der wertvollsten Wiesen in allen drei Spessart-Landkreisen beerntet. Ziel der Maßnahmen ist es, solche Blumenwiesen wieder zu vermehren und damit die Biodiversität im Spessart zu fördern. „Nur solches Saatgut kann den eigenen Charakter der Spessartwiesen wirklich abbilden – sowohl von der Artenkombination wie von der Genetik“, erläutert Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon, der das Projekt koordiniert. Außerdem könne man so gezielt die Arten verbreiten, die im Spessart heimisch, aber stark gefährdet sind.

 

Saatgut von der Weikertswiese für die Weikertswiese

 

Neuanlage statt Wiesenumbruch
Dieses „Natur-Saatgut“ wurde im vergangenen Sommer geerntet, getrocknet und eingelagert. Nun wurden die ersten Wiesen damit angesät. Die Flächen mussten hierfür teilweise mit großem Aufwand mähbar gemacht werden. Schließlich wurden hierfür bewusst keine vorhandenen Wiesen umgebrochen, sondern neue Mähwiesen angelegt, beziehungsweise wiederhergestellt. Ein Projekt, das viele Partner braucht und findet. Neben dem Naturpark sind daran Naturschutzbehörden, Gemeinden, Flächeneigentümer, Landschaftspflegefirmen und Landwirte beteiligt. Gefördert wird es vom Bayerischen Naturschutzfonds und dem WWF Deutschland.

 

Christian Salomon und Bewirtschafter Dominik Herteux bei der Ansaat

 

Auch Staatsforsten unterstützen
Im Naturschutzgebiet Weihersgrund und auf der angrenzenden Lorenzwiese wurden verbuschte Flächen und ehemalige Fichtenrodungen, die bisher durch starke Mulchgeräte offengehalten wurden, in Mähwiesen umgestaltet. Vor Jahrzehnten waren diese Flächen schon einmal Wiese gewesen. Revierleiter Frank Dauven stellte die Grundstücke des Staatsforstes gerne zur Verfügung und unterstützt das Projekt maßgeblich. „Der Sinn und die naturschutzfachliche Qualität dieser Maßnahmen sind offensichtlich. Davon profitieren die Landschaft, die Insekten und das Wild“, so der Förster. Die Gemeinde Bischbrunn stellte Oberboden zum Auffüllen von Geländesenken zur Verfügung. Das Saatgut für die neuen Wiesen stammt unter anderen von der Bischbrunner Gemeindewiese, die wegen ihres Artenreichtums und des Vorkommens der seltenen Kugeligen Teufelskralle 2019 zur „Naturparkwiese des Jahres“ gekührt wurde. Landwirt Andreas Bauer aus Remlingen wird die Wiesen künftig zur Heugewinnung im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms nutzen.

 

Angesäte Wiesenflächen im NSG Weihersgrund

 

Aus Liebe zur Heimat und zur Natur
Auch auf der Rechtenbacher Weikertswiese wurden aktuell zwei Flächen angesät. Es handelt sich hier um Grundstücke, auf denen der Wildwuchs von Pappel und Sträuchern gerodet wurde, sowie um Grundstücke, von denen im Vorjahr nicht mehr genutzte Stallungen und diverse Ablagerungen entfernt wurden. Letztere wird der Rechtenbacher Landwirt und Gartentechniker Dominic Herteux künftig mähen. Das Saatgut stammt hier von besonders artenreichen Teilflächen der Weikertswiese selbst. Die Vorbereitung der Ansaatfläche hat Herteux weitgehend selbst durchgeführt - „aus Liebe zur Heimat und zur Natur“, wie er sagt. Gemeinsam mit Gebietsbetreuer Salomon und Naturpark-Ranger Andreas Gries wartet er nun gespannt auf die Entwicklung der Wiese. Dabei brauchen sie etwas Geduld, denn ähnlich wie die Herstellung der Wiese braucht auch ihre Entwicklung etwas Zeit. „Wir verzichten auf die Beimischung sogenannter Akzeptanzblüher. Das sind Arten, die in gekauften Wiesenmischungen für ein buntes Blütenbild schon im ersten Jahr sorgen, die aber in unseren Wiesen eigentlich nichts verloren haben wie Klatschmohn, Kornblume oder Kornrade. Stattdessen hoffen wir in wenigen Jahren hier eine typische Weikertswiesen-Wiese zu sehen, vielleicht sogar mit Heidewicke, Knabenkräutern & Co“, so Salomon.

 

Weitere Infos gibt es beim Gebietsbetreuer Christian Salomon
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Bilder: Svenja Fischer und Christian Salomon

 

Natur-Entdeckertag in der Alten Fasanerie in Hanau

Unter dem Motto „Natur erleben“ führte der Naturpark Spessart e. V. am 1. November für 18 Kinder der Klasse 1e der Goetheschule Offenbach einen Entdeckertag in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim durch. Ermöglicht wurde dieser Tag durch die Kooperation des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) mit dem Unternehmen CosmosDirekt, das die Naturentdecker-Tour der Schulklasse finanzierte. Im Auftrag des Naturpark Spessart e. V. organisierte und begleitete Naturparkführerin Melanie Weippert den Tag.

 

 

Klassenlehrerin Laura Frank begrüßte Melanie Weippert zur ersten Stunde im Klassenzimmer. Die Naturparkführerin stimmte die Kinder auf den Tag ein. Sie sammelte ihre Erwartungen und Kenntnisse rund um den Lebensraum Wald und erarbeitete abschließend die wesentlichen Verhaltensregeln für einen Tag im Wald und gegenüber den Tieren im Wildpark. Dann wurde es Zeit, in den Bus zu steigen, der die Kinder samt Betreuer zu ihrem Ziel brachte. Dort wurden sie bereits von Wildparkführerin Getrud Müller empfangen, die die Kinder für eine Tour als Waldindianer bestens vorbereitete. Gemeinsam bastelten sie Indianer-Kopfschmuck und wurden dabei in das Leben der alten Naturvölker eingestimmt. Anschließend stand alles im Zeichen der Spurensuche: die acht Jungen und zehn Mädchen erkundeten hautnah und spielerisch den Wald und die zahlreichen Tiere in der Alten Fasanerie. Ein besonderer Höhepunkt für die Gruppe war der Besuch der Wolfsgehege, in dem die Bewohner die Kinder bereits erwarteten – und mit den Kindern (natürlich in gebührendem Abstand) ihren Spieltrieb auslebten: Sie rannten mit den kleinen Waldindianern um die Wette, heulten ihr Wolfsheulen und alle hatten sichtlich Spaß.

 

 

Die Gruppe lernte spielerisch viel Wissenswertes über die Tiere im Park, unter anderem wie schlecht Wildschweine sehen können, welche Tiere was fressen, wie die Urtypen von Ziegen oder Bisons heißen und aussehen. Sie stemmten Elchgeweihe und durften über Fuchs- und Waschbärfell streicheln. Dass die Kinder dabei und natürlich auch beim Füttern einiger Tierarten ihre Berührungsängste verloren, war deutlich spürbar. Wie die Indianer früher konnten die kleinen Gäste die Natur mit allen Sinnen erleben, und nicht einmal das nasskalte Wetter trübte ihre Euphorie und Wissbegierde.

 

 

Kinder aus einem städtischen Umfeld haben oft wenig Gelegenheit, Naturerfahrungen zu sammeln. Ziel des Entdeckertages war es daher, diesen Kindern den Zugang zur Natur zu ermöglichen, um Wertschätzung für Pflanzen und Tiere zu wecken und ihnen darüber hinaus die Wichtigkeit des Naturschutzes erlebnisorientiert zu vermitteln. Dafür bot die Alte Fasanerie die optimale Umgebung: alte Baumbestände sowie das weiträumige Wildparkgelände mit naturnah gestalteten Tiergehegen, in denen man die Tiere noch unter weitgehend natürlichen Lebensbedingungen beobachten kann. Dieser Ort gibt den Kindern gleichzeitig eine Idee für ein nahe liegendes Ausflugsziel in die Natur mit der ganzen Familie.

 

Bilder: Melanie Weippert

 

Ein „eBeetle“ soll die besten Spessartwiesen vermehren

Naturpark-Ranger Andreas Gries beim Mähen mit dem eBeetle

 

Seit gut einem Monat besitzt der Naturpark Spessart e.V. einen Samenernter „eBeetle“. Die Anschaffung erfolgte im Rahmen eines mehrjährigen Naturschutz-Projekts mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den WWF Deutschland. Nun werden damit besonders wertvolle Spessartwiesen, das heißt: Wiesen mit hohem Arten-/Blütenreichtum oder seltenen Pflanzenvorkommen beerntet. Ziel ist es, mit diesen Samen neue wertvolle Wiesen anzulegen, verarmte  Wiesen aufzuwerten und seltene Pflanzen zu fördern. Botanische Begleituntersuchungen dokumentieren den Erfolg der Maßnahmen.
Der rund 25.000 € teure eBeetle ist ein schweizer Elektrofahrzeug, das die reifen Samen aus den Wiesen bürstet, ohne dabei den Aufwuchs zu mähen. Für Landwirte ist somit eine Heu- oder Weidenutzung nach der Samenernte möglich.

 

100 % heimische Wildpflanzen
„Wir ernten damit autochthones Saatgut“, erläutert Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart). Es besteht zu 100 % aus heimischen Wildpflanzen, die genetisch an die regionalen bis lokalen Bedingen angepasst sind. Viele Wildinsekten brauchen genau solche Wildpflanzen, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen. Bunte Blühflächen mit großblütigen Kulturformen oder nicht-heimischen Arten, wie sie derzeit vielerorts an Verkehrswegen angelegt werden und für das menschliche Auge toll aussehen, nützen zwar Ubiquisten wie der Honigbiene, sind aber für hochspezialisierte Schmetterlinge, Wildbienen & Co ungeeignet. Im schlimmsten Fall fürchten Fachleute sogar eine negative Veränderung der heimischen Flora durch die Einbringung neuer Pflanzenarten oder –züchtungen. Die individuellen Eigenschaften der Spessartwiesen könnten so verloren gehen.

 

Judith Henkel (Gebietsbetreuerin für Grünland)
ist zufrieden mit dem Ertrag

 

Zahlreiche Maßnahmen geplant
In den letzten vier Wochen haben Naturpark-Ranger bereits in allen drei Spessart-Landkreisen wertvolle Wiesen beerntet. Das Saatgut wird zunächst getrocknet und eingelagert. Erste Aussaaten sollen im Herbst stattfinden. Allerdings werden dafür in der Regel keine bestehenden Wiesen umgebrochen. Stattdessen will man auf entbuschten Bracheflächen, Äckern oder „entrümpelten“ Grundstücken wieder Grünland herstellen. Auch zur Nachsaat von Schwarzwild-Schadensflächen kann das Saatgut künftig genutzt werden – anstelle von gebietsfremden Grassamen. Im Einzelfall sollen stark verarmte Wiesen wieder mehr Blütenreichtum erhalten, und schließlich sollen seltene Pflanzenarten wie Kugelige Teufelskralle, Arnika und Heidewicke gezielt vermehrt werden. Der Naturpark habe neben eigenen Initiativen bereits zahlreiche konkrete Anfragen erhalten, sagt der Gebietsbetreuer. Sie kämen von Gemeinden, Landwirten, Privateigentümern und Forstbetrieben bis zum Solarparkbetreiber.

 

Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland)
bei der Qualitätskontrolle

 

Blühflächen sind keine Universallösung
Nach Salomons Einschätzung muss man mehr Geduld mitbringen als bei klassischen Blühäckern. „Eine gute Wiese kann man nur über Jahre entwickeln“, so der Vegetationskundler. Beispielsweise bräuchten viele Wildpflanzen Jahre bis zur ersten Blüte und es müsse sich erst ein Gleichgewicht einstellen. Viele Arten, die für Wildinsekten wertvoll sind, bleiben zudem klein und unauffällig.
Entscheidend für die biologische Vielfalt im Spessart sei sowieso die Landnutzung. „Wenig düngen, nicht spritzen, kleinräumig mähen und Weidetiere halten“, das sind laut Salomon die Schlüssel für Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Durch Blühflächen alleine könne man diese Faktoren niemals ersetzen, weshalb ein Überdenken der Landnutzung und Flächenpflege immer der erste Schritt vor Ansaaten sein sollte.

 

Moorschnucken fördern seltene Arten

 

Seit 2011 weiden Moorschnucken und Ziegen auf einer fünf Hektar großen Weide im Kaltenbachgrund bei Mespelbrunn. Die vom Naturpark Spessart eingerichtete und von den örtlichen Tierhaltern Ernst Bilz und Edgar Lamster betreute Beweidung soll in erster Linie das schmale Wiesental am Oberlauf der Elsava offenhalten. Die robusten und genügsamen Landschaftspflege-Schafe aus der Diepholzer Moorniederung präsentieren sich zunehmend auch im Spessart als erfolgreiche Artenschützer. Dies zeigen jüngste Untersuchungen von Christian Salomon und Judith Henkel, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart:

 

Im beweideten Kaltenbachgrund hat sich das Fuchs´sche Knabenkraut von wenigen Einzelpflanzen zu einem größeren Bestand entwickelt und gleich zwei Arten der Ameisenbläulinge profitieren offensichtlich von der Beweidung. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist deutlich zahlreicher geworden, und dieses Jahr konnte zum ersten Mal der in Bayern stark gefährdete Thymian-Ameisenbläuling nachgewiesen werden. Beide Schmetterlingsarten besitzen ein hochspezialisiertes Fortpflanzungs­verhalten. Aufgrund von Duftsignalen werden ihre Raupen von bestimmten Ameisenarten adoptiert. In deren Nestern leben die Schmetterlingsraupen dann ein oder zwei Jahre lang räuberisch von der Ameisenbrut, bevor sie sich verpuppen. Während ihrer kurzen Flugzeit als fertig entwickelter Schmetterling legen sie ihre Eier nur auf speziellen Blüten ab – eben auf Blüten des Großen Wiesenknopfs bzw. des Arznei-Thymians. Damit diese Fortpflanzung funktioniert, müssen Landwirte ihre Wiesen oder Weideflächen so managen, dass zur Flugzeit der Schmetterlinge auch ein entsprechendes Blütenangebot vorherrscht. Dies scheint auf der Morrschnuckenweide bei Hessenthal hervorragend zu gelingen.


Wer die Moorschnucken im oberen Elsavathal besuchen möchte, kann von Hessenthal (Wanderparkplatz nahe der Wallfahrtskirche) zur Elsavaquelle wandern (ca. 2 km, Markierungszeichen "roter Querstrich"). Eine Infomationstafel macht unterwegs auf das Beweidungsprojekt aufmerksam. Beim Naturpark Spessart ist zudem ein Faltblatt zum Projekt mit Wandervorschlag erhältlich. Das fettarme Fleisch der Moorschnucken hat einen wildartigen Geschmack und ist saisonal im Gasthaus "Zur Schönen Aussicht" in Hessenthal erhältlich.

 

 

Umweltbildung an Naturparkschule Partenstein mit Themenschwerpunkt „Bienen“

 

Bei der Naturpark-Spessart-Grundschule in Partenstein drehten sich gleich mehrere Umweltbildungsaktionen rund um das Thema „Wild und Honigbienen“.

 

Am 15. Juni war der Umweltexperte Albrecht Trenz im Rahmen der „Umweltaktionstage“ zu Gast in der Partensteiner Grundschule. Dieses neue Umweltpädagogik-Programm hat das Handelsunternehmen Kaufland 2018 gemeinsam mit dem Verband Deutscher Naturparke gestartet. Albrecht Trenz besucht in diesem Rahmen von April bis Oktober mehr als 80 Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland und bringt Kindern und Jugendlichen die faszinierende Welt der Bienen näher. Albrecht Trenz erläuterte den knapp 100 Partensteiner Schülerinnen und Schülern der Klassen 1 bis 4 in unterhaltsamen und informativen Präsentationen unter anderem, wie die Bienen Honig herstellen, welche verschiedenen Aufgaben Bienen haben, und was es mit Propolis auf sich hat. Dabei thematisierte Trenz natürlich auch die Gefährdung und den Schutz der wichtigen Bestäuber und zeigte ökologischen Zusammenhänge auf.

 

 

Die Kinder brachten dabei schon einiges an Vorwissen mit, denn die Grundschule Partenstein hat das Thema Biene bereits mit einem eigenen Bienenprojekt aufgegriffen. Die erste Klasse begleitet bereits seit einigen Monaten ein Bienenvolk des ortsansässigen Imkers Ingo Steigerwald. Die Schülerinnen und Schüler verfolgen regelmäßig die Entwicklung des Bienenvolkes während eines Bienenjahres und lernen die einzelnen Aufgaben einer Arbeiterbiene kennen. Die kleinen Nachwuchsimker haben unter Anleitung von Herrn Steigerwald bereits den ersten Honig fachgerecht geerntet und abgefüllt. Dieser kommt beim gesunden Frühstück natürlich dann auf´s Brot. An der Schule wurde weiterhin ein Wildbienenhotel gebaut, an dem die Kinder Wildbienen und andere Insekten beobachten können.

 

Aufbauend auf den „Umweltaktionstagen“ fanden in den letzten Tagen Exkursionen statt. Die erste Klasse war mit der Gebietsbetreuerin des Naturparks Judith Henkel auf den Wiesen rund um Partenstein unterwegs und nahm diesen Lebensraum genauer unter die Lupe. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler neben Wildbienen auch viele andere heimische Tiere und wichtige ökologische Zusammenhänge kennen.


Hintergrund: Naturpark Spessart Grundschule Partenstein
Die Grundschule der Gemeinde Partenstein ist seit über 10 Jahren als sogenannte „Naturparkschule“ anerkannt und seit letztem Jahr auch offiziell vom Verband Deutscher Naturparke zertifiziert. Die Themen Natur und Umwelt sowie Naturpark sind in besonderem Maße im Unterricht und Schulleben verankert, zum Beispiel im Rahmen von Exkursionen, Lehrerfortbildungen und den „Umweltaktionstagen“.

Naturpark-Spessart-Grundschule Partenstein

 

 

Informationsbroschüre Naturpark Spessart
Bayerns ältester Naturpark stellt sich vor

[PDF] Informationsbroschüre Naturpark SpessartDer Naturpark Spessart e.V. hat für Einheimische und Besucher seine Informationsbroschüre neu aufgelegt. Diese präsentiert auf 68 Seiten mit zahlreichen schönen Bildern und kurzen, informativen Texten den Naturpark, den Naturparkverein und seine Arbeit sowie die Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten in der Region.

 

Informationsbroschüre ansehen

 

 

 

 

Einweihung Streuobstpfad Schöllkrippen

 

Schöllkrippen, Sonntag 3. Juni 2018, 14:00 Uhr

 

Der Naturpark Spessart e.V., die Marktgemeinde Schöllkrippen und die Ehrenamtlichen des Äbbelwoistammtischs Schöllkrippen haben in den letzten Monaten mit Unterstützung der Agentur UNIKATUM einen neuen Streuobst-Erlebnispfad in Schöllkrippen realisiert. Dieser umfasst 14 überwiegend interaktive Stationen und bringt dem Besucher den Lebensraum und das Kulturgut Streuobstwiese auf unterhaltsame und spielerische Art und Weise näher.

Am Sonntag, den 3. Juni wollen wir den Streuobst-Erlebnispfad im Rahmen der Wiesenmähertage des Äbbelwoistammtisches offiziell eröffnen und der Öffentlichkeit übergeben. Zu dieser Feierlichkeit laden wir alle Interssierten herzlich nach Schöllkrippen ein. Um 14:00 wollen wir die erste Lehrpfadtafel feierlich enthüllen. Nach einigen kurzen Grußworten folgt eine gemeinsame Begehung des Erlebnispfads (Länge ca. 2,5 km) mit Erläuterungen. Dannach gibt es am Bauwagen der Äbblewoistammtisches heimischen Apfelsaft und weitere Erfrischungen.
Die Veranstaltung findet beim Startpunkt des neuen Erlebnispfads oberhalb des Schützenhauses „Hubertus“ in Schöllkrippen statt (Zufahrt über Häfner-Ohnhaus-Straße und Straße „Am Sportgelände“ in Richtung Schützenheim). Parkmöglichkeiten sind am Sportgelände an der Häfner-Ohnhaus-Straße vorhanden (etwa 500 m vom Startpunkt des Erlebnispfads entfernt).

Das Naturparkteam freut sich auf Ihr Kommen!

 

 

300. Geburtstag von Johann Adam Hasenstab

 

Die Wälder des Spessarts sind Schauplatz zahlreicher Räuber- und Wilderer-Geschichten. Hunger und Not trieben in der Vergangenheit so manchen Spessartbewohner zu Raub und Diebstahl und der Wildreichtum der Wälder lockte nicht nur Adlige. Auch Vertreter des einfachen Volkes griffen zu Flinte oder Fallen und erlegten illegal das für die Obrigkeit reservierte Wild. Sicherlich der berühmteste Wilderer des Spessarts war Johann Adam Hasenstab. Er wurde genau vor dreihundert Jahren, am 21.9.1716 in Rothenbuch als Sohn eines Holzknechts geboren.

 

Schon in jungen Jahren verdiente sich der „Hannadel“, wie Johann Adam Hasenstab auch genannt wurde, als Mainzer Jagdgehilfe. Seinen kargen Lohn bessert er mit Wilddiebstahl auf. Als sein Nebenerwerb aufflog, verließ er den Dienst der Kurmainzer und tauchte unter. Als Wilderer lebte Hasenstab jahrelang im Spessart und Taubertal, wo er seine Jagdbeute auf Märkten oder sogar an Pfarrer verkaufte. Er gab sich u.a. als Heilkundiger aus und wechselte sehr oft seinen Aufenthaltsort. 1749 erklärte ihn der Mainzer Hofrat als vogelfrei und setzte ein Kopfgeld von 30 Reichstalern aus. Um 1750 wurde der Wilderer angeschossen, gefasst und verurteilt. Als Strafgefangener arbeitet er vermutlich bis 1757 am Festungsbau in Mainz.

 

Danach kehrte er in den Spessart zurück, wo er vom Volk unterstützt die Wilderei wiederaufnahm. Um 1770 wurde er erneut gefangen genommen und auf Lebenszeit verbannt. Zwei Jahre später tauchte Johann Adam Hasenstab jedoch wieder im Spessart auf und wurde erneut für vogelfrei erklärt. Am 3. Juni 1773 erschoss ihn Johann Sator, ein kurmainzischer Revierjäger im Kropfbachtal bei Schollbrunn. Sator erhielt dafür „15 Gulden Schuss- und Fanggeld“. An der Todesstelle steht heute ein Gedenkkreuz aus Sandstein mit den Initialen J A H St und der Jahreszahl 1773. Begraben wurde der „Erzwilddieb“ des Spessarts auf dem Friedhof in Breitenbrunn.

 

Wer mehr über den Erzwilddieb des Spessarts erfahren möchte, dem sei das Buch von Heinz Staudinger empfohlen. Staudinger erzählt in seiner unterhaltsamen Biografie das Leben des berühmten Wilddiebs und beleuchtet historische Hintergründe. Das Buch ist beim Naturpark und im Buchhandel für 12,95 € erhältlich.

 

Weitere Infos in unserem Buchshop unter dem Tab "Sachbücher, Romane, DVD".

 

 

 

 

 

Zu Ehren des Erzwilddiebs gibt es einen Rundwanderweg, der auf ca. 65 Kilometern die Stellen seines „Wirkens“  miteinander verbindet. Er führt vom Geburtsort Rothenbuch über Lichtenau und das Forsthaus Sylvan bis nach Schollbrunn. Von dort geht es über Dammbach, den Echterspfahl und Weibersbrunn zurück nach Rothenbuch. Der Naturpark hat zu dem Wanderweg ein Faltblatt herausgegeben.

 

Das Faltblatt können Sie bestellen.

 

 

 

 

 

 

Neues Logo für den Naturpark Spessart

Der Spessart wird seit über 50 Jahren von zwei Naturparkverwaltungen betreut. Auf bayerischer Seite kümmern wir vom Naturpark Spessart e.V. uns um die zahlreichen Aufgaben, auf hessischer Seite sind es die Kolleginnen und Kollegen vom Zweckverband Naturpark hessischer Spessart. Trotz einer engen Abstimmung und gemeinsamer Projekte wie der Erstellung des Jahresprogramms gestaltet sich die grenzüberschreitende Arbeit leider nicht immer einfach. Bürokratische Hürden, knappe personelle und finanzielle Ressourcen auf beiden Seiten und unterschiedlichen, nicht kompatible Förderprogramme erschweren die Zusammenarbeit.

 

Umso erfreulicher ist es, dass sich beide Naturparkverwaltungen dafür ausgesprochen haben, sich zukünftig mit nur einem gemeinsamen Logo zu präsentieren und so den Grundstein für eine Dachmarke zu legen, die den gesamten Spessart umfasst. Zukünftig werden sich beide Naturparkverwaltungen unter dem Logo und dem Motto “Spessart - Naturpark im Herzen” präsentieren. Das Logo ist eine Fortentwicklung des bisherigen bayerischen Naturparklogos und zeigt den Wappenvogel und Namensgeber des “Spechtswalds”.

 

Maßgebliche Impulse und Unterstützung kommen von der Firma Engelbert Strauss aus Biebergemünd im hessischen Spessart, die den Prozess und die Logoentwicklung als Sponsor begleitet. Firmeninhaber Henning Strauss liegt viel an seiner Heimatregion und er möchte mit seinen Aktivitäten dazu beitragen, dass der Spessart sich als attraktive Region nach außen repräsentiert. Denn ein professionelles Standortmarketing hilft auch ihm und seiner Firma bei der Gewinnung neuer Fachkräfte. Die beiden Naturparkverwaltungen freuen sich über diese fruchtbare und zukunftsweisende Zusammenarbeit und werden diese weiter ausbauen.

 

Informationen

Weitere Informationen

Oliver Kaiser

Frankfurter Str. 4
97737 Gemünden am Main
Tel. 09351 603446
Fax 09351 602491
Oliver Kaiser

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