Pressemitteilungen

 

Fortbildungsfahrt des Naturpark Spessart in den Steigerwald

25.10.2021


Am 16.10.2021 unternahm der Naturpark Spessart e.V. eine Fortbildungsfahrt in den Steigerwald. Unter den 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Mitarbeitende der Naturpark-Geschäftsstelle, zwei Ranger und ehrenamtliche Naturparkführerinnen und -führer.

 

„Wir haben dort tolle Einblicke in die Region Steigerwald und die Arbeit eines anderen Naturparks bekommen“, so Oliver Kaiser, Geschäftsführer vom Naturpark Spessart. Der Steigerwald habe einiges mit dem Spessart gemein: Auch dort sei viel darüber diskutiert worden, ob ein Nationalpark entstehen solle oder nicht. „Ähnlich wie im Spessart hat dieses Thema die Region gespalten und  tiefe Wunden hinterlassen“, sagt Kaiser.

 

Gruppenbild der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildungsfahrt (Foto: Barbara Baumann)

 

Dies bestätigte Barbara Ernwein, Leiterin des Staatsforstbetriebs Ebrach, welche die Gruppe am Baumwipfelpfad begrüßte. „Der Riss geht durch Dorfgemeinschaften und Familien, vielfach sind die Fronten verhärtet. Da geht es oft leider nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip.“
Daran hat auch die Einrichtung des Baumwipfelpfads im Jahr 2016 nichts geändert, der von einigen als „Trostpflaster“ für die Region gesehen wird, sich inzwischen jedoch zu einem beliebten Ziel für Besucherinnen und Besucher entwickelt hat. Vom gut 40 Meter hohen Aussichtsturm des Baumwipfelpfads bot sich der Exkursionsgruppe ein fantastischer Blick auf die umkämpften Laubwälder; herbstlichen Farben im Morgennebel.

 

Dass diese Laubwälder ebenso wie die Wälder des Spessarts unter dem Klimawandel leiden, wurde sowohl bei der Führung über den Baumwipfelpfad als auch beim anschließenden Besuch des Steigerwald-Zentrums in Handthal deutlich. Andreas Leyrer, forstlicher Leiter des Steigerwald-Zentrums verweist auf Trockenschäden, die man in den Kronen der Rotbuchen sieht: „Hierbei handelt es sich nicht um herbstlichen Laubwurf, sondern um Spätfolgen der letzten Hitzesommer.“ Auch das von einer eingeschleppten Pilzart verursachte Eschentriebsterben macht den Forstleuten hier Sorgen. „Es wird aktuell durchaus kontrovers diskutiert, welche Baumarten noch zukunftsfähig sind“, so Leyrer.

 

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen auch Winzerin Barbara Baumann und Kolleg:innen im Steigerwald. Sie erläutert der Gruppe bei einer Führung durch die Handthaler Weinberge, dass vermutlich Rebsorten wie der Riesling mittelfristig ausfallen werden: „Denen wird es hier zu heiß, die Trauben vertrocknen vor der Ernte“. Entsprechend suche man neue Sorten und Lösungen, um die Rebstöcke zu bewässern.

 

Jana Popp, Geschäftsführerin des Naturparks Steigerwald begleitet die Gruppe aus dem Spessart am Nachmittag und berichtet von der Arbeit des Naturparkvereins, der aktuell sein 50-jähriges Jubiläum feiert und in den nächsten Jahren ein eigenes Besucherzentrum einrichten will. Popp zeigte sich angetan von den Aktivitäten der ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und -führer im Spessart. Man merke, so Popp, wie gut die Arbeit des Naturpark-Spessart Vereins im Hinblick auf die Unterstützung der Ehrenamtlichen sei. „Der Spessart ist hier für uns ein Vorbild“, sagte sie.

 

Am Ende der Exkursion hatten alle Teilnehmer:innen viel Neues erfahren und zeigten sich  zufrieden mit Ablauf und Organisation der Tagesfahrt. Der Ausflug diente zugleich der Weiterbildung, denn ein Teil der Naturparkführerinnen und -führer sind zertifizierte Natur- und Landschaftsführer. Kaiser: „Voraussetzung für den Weiterbestand der Zertifizierung sind sechs Stunden Weiterbildung pro Jahr.“ Und auch für ihn und sein Team sei es gut, einmal über den Tellerrand zu blicken.



 

Streuobstwiesen-Rettung und Feier in Heimbuchenthal

11.10.2021


Erfolgreicher Aktionstag zu Streuobstpflege in Heimbuchenthal

 

Jubiläum, Spendenscheck-Übergabe, Pflege von Streuobstwiesen — gleich drei Gründe gab es für die Grill-Feier des Naturpark Spessart e.V. am 9. Oktober in Heimbuchenthal.

 

Etwa 20 Ehrenamtliche waren dem Ruf des Naturparkvereins gefolgt. Ihr Ziel an diesem Aktionstag: Die Reaktivierung von Streuobstwiesen am Planweg in Heimbuchenthal zu unterstützen. „Wann hier das letzte Mal was gemacht wurde?”, überlegt einer der Helfer, „das ist bestimmt mindestens zehn Jahre her.” Der Grund für die Vernachlässigung und damit die Verbuschung der Fläche: Für Traktor oder andere große Maschinen ist der Hang zu steil. Die Fläche glich daher vor der Aktion einem Dornröschen-Schloss: Brombeeren und Wildgehölze drohten die für die Natur wertvollen Streuobstbäume zu ersticken.

 

Die Helferinnen und Helfer des Aktionstages zur Rettung der Streuobstwiese (Foto: Jennifer Weidle)

 

Um den Baumbestand zu retten und den Wiesenhang Stück für Stück wieder herzustellen, koordiniert Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon seit gut zwei Jahren entsprechende Pflegemaßnahmen. Mit einer Mulchraupe und in mühsamer Handarbeit wurden zahlreiche eingewachsene Apfelbäume aus dem Brombeerdickicht befreit. Außerdem wurden fast 100 verwilderte Obstbäume  letzten Winter fachgerecht ausgeschnitten. Ein Großteil der entbuschten Flächen wird seit diesem Sommer mit Ziegen beweidet.

 

Die Ehrenamtlichen hatten trotz der Vorarbeiten viel zu tun. Motorsägen, Sensen, Astscheren, Rechen und viele Hände in dornenfesten Handschuhen waren im Einsatz, um die Streuobstwiese fit für die zukünftige Bewirtschaftung zu machen.

 

Viele helfende Hände in dornenfesten Handschuhen halfen die Obstbäume zu retten (Foto: Jennifer Weidle)

 

 Unter den Helferinnen und Helfern, die aus dem ganzen Spessart kamen, war auch der 13-jährige Maxi. „Früher habe ich zu viel am PC gesessen”, sagt er. Jetzt gehe er lieber raus und packe mit an. Seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter gaben ähnliches als Motivation an: Sinnvolles Arbeiten in der Natur, die Gesellschaft von Gleichgesinnten und hinterher ein gemütliches Beisammensein.

 

„Wir sind froh, dass diese Steilflächen nun gepflegt werden”, so Heimbuchenthals Bürgermeister Rüdiger Stenger. Das sei nicht nur wichtig für die Natur, sondern habe auch einen positiven Nebeneffekt: „Es sieht ordentlich aus und das ist gut für unseren Tourismus.”

 

Der 13-jährige Maxi packt lieber draußen mit an, statt vor dem PC zu sitzen (Foto: Jennifer Weidle)

 

Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland, will das Projekt die nächsten Jahre weiter begleiten und entwickeln. Er sei vor allem froh, mit dem Heimbuchenthaler Daniel Hefter einen Ziegenhalter für diese Flächen gefunden zu haben. Salomon: „Ohne Ziegen ist die Entbuschung hier eine Sisyphusarbeit.“ Laut Salomon soll auch die Obstbaumpflege in den nächsten Jahren weitergehen. „Viele Heimbuchenthaler interessiert das Projekt, viele machen engagiert mit. Das motiviert natürlich“, so der Naturschützer. Der Bürgermeister freut sich indes auf die zu erwartenden jungen Zicklein: „Das sieht doch jeder gerne, da geht einem das Herz auf.”

 

Wie bekommt man als Gemeinde Unterstützung und Beratung für solche Aktionen? „Das ist gar nicht schwer”, so Stenger, „man muss nur Mitglied beim Naturpark Spessart und dem Landschaftspflegeverband sein, so wie wir.” Ein gewisser finanzieller Anteil bleibe zwar bei der Gemeinde hängen, „aber das ist überschaubar”, so der Bürgermeister.

 

Sabine Kauffmann, Kuratorium der Stiftung "natur mensch kultur" überreicht einen Spendenscheck an Oliver Kaiser vom Naturpark Spessart (Foto: Jennifer Weidle)

 

Die Helferinnen und Helfer konnten sich mittags mit regionalen Leckereien vom Grill stärken. Zum gemeinsamen Mittagessen waren auch die Akteurinnen und Akteure sowie Gäste der Aschaffenburger Stiftung „natur mensch kultur” gekommen. Sie feierten das 20-jährige Bestehen der Stiftung und überreichten symbolische Spenden-Schecks.

 

Über einen Scheck in Höhe von 6.275 Euro freute sich Oliver Kaiser, Geschäftsführer vom Naturpark Spessart. „Ein Teil des Geldes fließt in die Pflege der Streuobstwiesen hier, der a

ndere in einen neuen Pavillon, den wir als mobilen Messe- und Infostand nutzen werden”, erläutert Kaiser.

 

Stiftungsvorstand Ronald Steinmeyer räumt ein, dass die Spende für den Pavillon ein eher ungewöhnlicher Zweck sei, aber durchaus Sinn mache. Steinmeyer: „Die Menschen vom Naturpark Spessart engagieren sich für die heimische Natur. Wir verhelfen ihnen mit unserer Spende zu einer guten Arbeitsumgebung.” Der Pavillon mache nach außen sichtbar, was intern geleistet werde. Einen weiteren Spendenscheck vergab die Stiftung schließlich an Alexander Vorbeck von der Schlaraffenburger Streuobstagentur für die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen derer Streuobstprojekte.


 

Neuer Ranger im Naturpark Spessart

11.10.2021


Seit 1. Oktober ist das Ranger-Team des Naturparks Spessart wieder komplett. Felix Kühne (23) wird ab sofort mit Rangerin Victoria Schuler und Ranger Andreas Gries als Mittler zwischen Mensch und Natur im Naturpark unterwegs sein.

 

Auf die Stellenausschreibung, so Kühne, sei er zufällig gestoßen: „Meine Eltern wurden in Alzenau von unserem Förster angesprochen, der meinte: Da gibt es eine Stelle, die ist was für den Felix.” Der hatte in Freiburg seinen Bachelor im Studienfach Waldwirtschaft und Umwelt gemacht, um danach als Forstrevierassistent in Lüdenscheidt zu arbeiten. Das Arbeitsprofil des Naturpark-Rangers habe dem jungen Mann gleich gefallen. „Nach dem Bewerbungsgespräch folgte ein Tag Probearbeit. Der hatte es in sich”, so der 23-Jährige.

 

Das Ranger-Team des Naturpark-Spessart: Andreas Gries, Felix Kühne und Victoria Schuler (Foto: Jennifer Weidle)

 

Auswahlverfahren mit Rollenspielen

„Wir wollten, dass die Bewerber einen realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag des Rangers erhalten”, so Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks Spessart. Bei den Bewerbungsgesprächen und einem Praxistag wurden daher kurze Rollenspiele eingebaut. Zum Beispiel die Ansprache von Besucher:innen im Gelände oder die Gestaltung einer Naturführung.

Das Naturpark-Team erhielt so einen Eindruck, wie die Bewerber:innen alltägliche Arbeitssituationen meistern. Kühne beschreibt eine gespielte Szene, in der Wandersleute ihren Hund im Naturschutzgebiet frei laufen ließen. „Ich durfte sie dann freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen, dass der Hund an die Leine gehört.”


Autoritäre Ausstrahlung, aber auch Kommunikationsgeschick waren gefragt. Rangerin Victoria Schuler: „Felix hat uns mit seinem ruhigen, aber bestimmten Auftreten nachhaltig darum gebeten, den Hund anzuleinen. Ich wäre seinen Worten in freier Wildbahn gefolgt.” Auch bei der Aufgabe, sich spontan eine 15-minütige Führung auszudenken, konnte der 23-Jährige überzeugen. „Der Tag war facettenreich und sehr anspruchsvoll. Es hat mir nochmal bestätigt, dass ich hier richtig bin.”

 

Was macht eigentlich der Naturpark-Ranger?

Besonders freut sich Kühne auf die Arbeit mit Gästen in der Region. „Die wichtige Lenkung von Besucherinnen und Besuchern in Naturschutzgebieten und auch Dinge zu erläutern hat mir in meinem bisherigen Job total gefehlt”, sagt er. Und auf ihn kommen noch weit mehr Aufgaben zu.

 

 „Ranger… Viele kennen die noch aus den Kinder-Comics: Uniform und, ganz wichtig, der Hut”, sagt Andreas Gries. Er ist seit zwei Jahren Ranger im Naturpark Spessart. Er kam erst nach Umwegen zu seiner Traumstelle; 17 Jahre arbeitete er als Forstwirt, bildete sich dann weiter zum geprüften Natur – und Landschaftspfleger. Gries: „Das ist sozusagen die Ranger-Ausbildung; dann kam natürlich der Wunsch auf, irgendwann mal Ranger zu sein.”


2018 kommt seine Chance: Im Kabinett wird beschlossen, dass alle 19 bayerischen Naturparke Rangerstellen bekommen — Gries bewirbt sich sofort beim Naturpark Spessart.

 

Aber was macht man da den ganzen Tag?

Gries: „Teilweise tun wir das, was man sich vorstellt.” Ein bisschen wie Fähnlein Fieselschweif: Viel draußen sein, Gebietskontrollen in Naturschutzgebieten, Lenkung und Beratung von Besuchenden, Pflege von Infotafeln und Wegweisern und Naturschutzarbeit. Auch Umweltbildung ist ein großes Thema. Die Ranger:innen gehen an Schulen — einige davon zertifizierte Naturpark-Schulen — und bringen den Kindern die Natur näher. „Dann gibt es da noch den anderen Teil des Ranger-Daseins”, sagt Gries: Die Büroarbeit. „Etwa die Hälfte der Zeit verbringt man leider am Schreibtisch.”

 

Und auch Draußen läuft nicht immer alles rund. „Ich ärgere mich besonders”, so Gries, „wenn so genannte Naturgenießer ihren Müll in der Landschaft hinterlassen.” Das komme leider immer häufiger vor. „Da ist in manchen Köpfen noch ein großes Defizit”, meint Gries. Er suche immer den Dialog mit den Leuten. Die meisten, die er anspricht, seinen einsichtig. „Aber es gibt auch viele, die einfach so weitermachen, wenn keiner hinschaut.”

 

Ranger im Naturpark Spessart: Ein Traumjob

Andreas Gries schwärmt von der traumhaften Kulisse des Spessarts: Ein Waldmeer, jahrhundertealte Buchen- und Eichenbestände, artenreiche Wiesentäler. Sein Steckenpferd sind die großen Säugetiere. „Die Rückkehr von Luchs und Biber faszinieren mich. Mit denen habe ich gerne Berührung und hoffe jeden Tag darauf, einen Luchs zu sehen.” Biber hingegen könne man häufig sehen: „die Architektur, die er schafft, ist unglaublich.” Sein Appell an die Menschen im Spessart: „Bleibt neugierig, geht raus und geht respektvoll mit Eurer Natur um.”

 

Felix Kühne wird nun in den nächsten Wochen von seiner Kollegin und seinem Kollegen eingewiesen. „Ich lerne den Spessart und seine Naturschutzgebiete näher kennen.” Und auch danach wird es spannend bleiben. Seine Kollegin Victoria Schuler macht es vor: „Ich bin gerade auf vielen Schulungen und Weiterbildungen.” Der Ranger-Job sei vielseitig und es gebe laufend neue Erkenntnisse und Herausforderungen.

Erst im September trafen sich 40 Rangerinnen und Ranger aus den bayerischen Naturparken zur Jahrestagung im Bayerischen Wald. Schuler: „Solche Treffen sind sehr wichtig für den Austausch und zur Entwicklung gemeinsamer Ideen.” Als Gast wurde Michael Großmann, der Leiter der Nationalparkwacht im Nationalpark Bayerischer Wald, eingeladen und gab Einblicke in die Arbeit der Nationalpark-Ranger: „Wir müssen mit dem Naturschutz die Mitte der Gesellschaft erreichen! Unsere Aufgabe als Ranger ist es, die komplexen Zusammenhänge verständlich zu machen“.


 

Treffen der Ehrenamtlichen vom Naturpark Spessart

21.09.2021


Nach langer Corona-Pause fand Anfang September erstmals wieder ein persönliches Treffen der Naturparkführer:innen des Naturpark Spessart e.V. statt. Etwa 20 Ehrenamtliche waren der Einladung des Naturpark-Teams zum Besucherbergwerk „Grube Wilhemine“ in Sommerkahl gefolgt.

 

(Foto: Sandra Nees)

 

Bei strahlendem Sommerwetter nutzten die Naturparkführer:innen und das Team des Naturparks die Gelegenheit zum Austausch von Gedanken und Erfahrungen, sowie  zum Pläneschmieden. Mitglieder des Bergwerkvereins Sommerkahl boten informative Führungen durch das ehemalige Kupferbergwerk an. Ann-Kathrin Popp von der Lokalen Aktionsgruppe Main4Eck stellte die neue Bildungsplattform „Fabuly“ vor, die demnächst online geht. Zwischendurch gab es regionale Spezialitäten vom Grill zur Stärkung.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Geschäftsführer Oliver Kaiser freute sich über den Austausch mit den Ehrenamtlichen: „Wir haben uns fast anderthalb Jahre nicht treffen können. Alle haben die sonst regelmäßigen Treffen und das persönliche Gespräch sehr vermisst.“ Eine Videokonferenz könne das nicht ersetzen.


Die meisten Naturparkführer:innen blicken vorsichtig-optimistisch ins neue Jahr; viele wollen wieder Naturführungen anbieten. Auch wurde besprochen, dass es 2022 wieder ein gedrucktes Programmheft mit den Veranstaltungen geben soll –  nicht so umfangreich wie bisher, sondern als kurze Übersicht.


Zum Abschluss wurde die Neugestaltung der Homepage des Naturparks besprochen. Aktuell findet eine komplette Überarbeitung von Design und Inhalten statt. Bis Anfang 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.


 

Burg Rothenfels wird neuer Standort für Entdeckerwesten des Naturparks Spessart

23.08.2021


Die Entdeckerwesten für Kinder kann man ab sofort auch auf der Burg Rothenfels ausleihen. Am 30.7. wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Burg Rothenfels und dem Naturpark Spessart e.V. geschlossen. Die Burg erhielt 18 Entdeckerwesten, darunter zwei für Erwachsene, als Dauerleihgabe; sie kann diese in ihrer Umweltbildung einsetzen und kostenlos an Gäste verleihen.

 

Oliver Kaiser übergibt der wirtschaftlichen Leiterin der Burg Susanne Stöhr und Phillip Fuhrman 16 Entdeckerwesten des Naturparks Spessart (Foto: Evi Müller)

 

Phillip Fuhrmann ist Referent für Erwachsenenbildung der Burg Rothenfels und Leiter des Bildungsbüros. „Wir bieten für Schulklassen sogenannte Burgtagemodule mit verschiedenen Schwerpunkten an“, so Fuhrmann: Musische, kreative und nachhaltige Bildung seien einige der Möglichkeiten. Gerade das Thema Nachhaltigkeit sei sehr präsent und die Nachfrage groß.


„Das kommt uns entgegen“, so Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks Spessart e.V. Er freut sich, dass der Naturpark Spessart die Macherinnen und Macher der Burg Rothenfels als weitere Verleih-Station für die Entdeckerwesten gewinnen konnte. Der Einsatz der Westen biete sich hier ganz besonders an, meint Kaiser, denn die naturnahe Umgebung liege direkt vor der Burgtür. „Die Schäferei Tausch, sowie Wald und Wiesen bieten viele Ansatzmöglichkeiten für Umweltbildung.“ Die Entdeckerwesten sieht er als hervorragende Kombination zum bereits vorhandenen Angebot.


Bereits vergangenes Jahr hatte die Burg Rothenfels beim Familienkräutertag die Entdeckerwesten im Einsatz gehabt. Fuhrmann: „Die Kinder waren mit der Naturparkführerin unterwegs. Die Westen kamen unglaublich gut bei den Kindern an. Wir sind froh, dass wir sie nun direkt vor Ort haben.“


Die Burg Rothenfels wird so die bereits vorhandenen zehn Ausleihstationen ergänzen. „Mit 40.000 Übernachtungen im Jahr ist die Burg ein ganz großer Player“, so Kaiser. Neben den Übernachtungen bietet sie ihren Gästen ein umfangreiches Freizeit- und Bildungsprogramm.


 

Höchster Baum Bayerns in Collenberg

13.08.2021


63,33 Meter – so hoch ist der höchste Baum Bayerns. Er steht im Collenberger Forst. „Eine Douglasie, vermutlich um 1907 gepflanzt“, weiß Albert Steffl, zweiter Bürgermeister von Dorfprozelten. Er ist leidenschaftlicher Wanderer, Mountainbiker und ehrenamtlicher Naturparkführer beim Naturpark Spessart e.V.

 

Zunächst, so Steffl, sei nicht klar gewesen, ob der Baumriese auf dem Gebiet von Dorfprozelten oder Collenberg wächst. Im Jahr 2018 hatte die bayerische Forstverwaltung aus München Luftbilder von diesem Gebiet gemacht. Auf denen war nicht klar erkennbar, wo der Baum zuzuordnen ist. Bei einer Begehung wurde festgestellt: Die Douglasie steht auf Collenberger Gemarkung. Mitarbeitende der bayerischen Forstverwaltung nahmen nach den Luftbildern die genaue Vermessung von Hand vor: Von mehreren Messpunkten am Boden wurden mittels Laser die 63,33 Meter festgestellt. Somit ist der Baum nur zwei Zentimeter höher als der zweit-höchst gemessene Baum in Neuhütten.

 

Steffl hat sich, zusammen mit den freiwilligen Helfern Herbert Dümmler und Hermann Ullrich, einige Mühen für diese Natur-Attraktion gemacht. „Wir haben hier am Weg Treppenstufen und Geländer gebaut, damit man leichter hinkommt.“ Holzschilder weisen die Richtung. „Nach dem Baum kann man obenraus weitergehen. So muss ich bei meinen Führungen nicht den gleichen Weg zurücklaufen.“

 

Der ehrenamtliche Naturparkführer Albert Steffl zeigt Interessierten gerne den mächtigen Baumriesen (Foto: Victoria Schuler)

 

Barrierefreie Schutzhütte des Naturparks Spessart in der Nähe

 

Etwa dreieinhalb Kilometer weiter kann man sich dann in der neuen Schutzhütte des Naturparks Spessart niederlassen. Diese hat Steffl mitgeplant und auch den Vorplatz – mit Hackschnitzeln und Sitzklötzen aus dem heimischen Wald – gestaltet. Eine Besonderheit dieser Hütte ist deren Barrierefreiheit: „Wir wollen niemanden ausschließen“, so Steffl.
Das Gebiet, auf dem der Baumriese steht, gehört zum Naturpark Spessart. Dessen zweiter Geschäftsführer Julian Bruhn meint „In Nordamerika, wo die Douglasie ursprünglich herkommt, werden diese Bäume noch viel größer.“

 

„Douglasien“, erklärt er, „sind sehr robust“. Sie haben eine dicke Borke, die wie eine Isolier-Schicht wirkt; so können sie sogar Waldbrände überstehen. Sie wachsen rasant– fast doppelt so schnell wie  Fichten – und vermehren sich rasch über weit fliegende Samen. Außerdem haben die Bäume gute Standorteigenschaften: durch die Herzwurzel steht sie stabiler als die flach-wurzelnden Fichten. Ihr witterungsbeständiges Holz ist hervorragend für den Außenbereich geeignet.

 

Julian Bruhn, Albert Steffl und Naturpark-Rangerin Victoria Schuler brauchen alle sechs Arme um den Stamm zu umfassen (Foto: Jennifer Weidle)

 

Die dunkle Seite der Douglasie

 

Doch Bruhn kennt auch die dunkle Seite der Douglasie. „Als ich damals meine Ausbildung machte“, sagt der gelernte Forsttechniker, „wurde die Douglasie in den Vorlesungen in den Himmel gelobt, danach machte der Dozent eine Pause und dann kam das große Aber.“
Die Douglasie ist kein bei uns heimischer Baum. Entsprechend habe sie, so Bruhn, keine Funktion für die Natur. „Sie hat vergleichsweise wenige Schädlinge, was für die Forstwirtschaft ein Vorteil ist.“ In zu dichten Beständen können jedoch Pilzinfektionen an den Nadeln auftreten, die sogenannte Douglasienschütte.

„Auf der anderen Seite bringt sie unserer heimischen Insekten- und Tierwelt nicht viel“, so Bruhn über den Nachteil der Douglasie. Einzig die Rehböcke markieren ihr Revier liebend gerne durch das "Fegen", bei dem sie die Jungpflanzen zwischen ihr Gehörn streichen und so Duftmarken für ihre Artgenossen setzen.

 

Julian Bruhn: "die dicke Borke lässt die Douglasie sogar Waldbrände überstehen." Doch die Art hat auch ihre Schattenseiten (Foto: Jennifer Weidle)

 

Douglasien könnten unsere Buchen verdrängen

 

hen Baumarten durch ihr schnelles Wachstum verdrängen. „Das kann zum Nachteil für unsere Natur werden“, so Bruhn. Langfristig könne es zu  unvorhersehbaren Auswirkungen in den Buchenbeständen kommen. „Ich bin mir jedoch sicher, dass viele Forstkolleginnen und -kollegen mit der Douglasie als Waldbaum verantwortungsvoll umgehen" so Bruhn.


„Sehen Sie: In den späten 90er Jahren wurde in Deutschland gegen Tropenholz demonstriert, vielleicht ist irgendwann die Douglasie an der Reihe“, meint Bruhn. Schon im Jahr 2014 sagte Greenpeace in einem Factsheet zur Douglasie: „Im Rahmen einer naturnahen Waldwirtschaft ist das Pflanzen von Douglasien fehl am Platz.“ Und weiter: „Der Anbau der Douglasie statt der Buche ist mit Blick auf den Klimawandel nicht zu rechtfertigen.“

 

Alles Experimente

 

„Mit den neuen Baumarten das sind letztendlich alles Experimente“, meint Albert Steffl, „aber was will man machen?“ Im Collenberger Forst laufen jetzt Versuche mit Edelhölzern: auf Esskastanie, Elsbeere, Roteiche, Wildkirsche und Tanne liegt jetzt die Hoffnung vieler.


 

Fledermäuse in Main-Spessart, diesjährige Zählung in Wolfsmünster

09.08.2021


Schlechtes Jahr für die Main-Spessarter Mausohren

 

Die Kirche in Wolfsmünster beherbergt eine der größten Fledermaus-Kolonien des Großen Mausohres (Myotis myotis) im Landkreis Main-Spessart. Seit 1987 wird hier die Anzahl der Tiere  dokumentiert. Im Juli fand die jährliche Zählung statt; das traurige Ergebnis: Viele Jungtiere haben es heuer nicht geschafft.

 

„Wir als Region haben gemeinsam eine ganz besondere Verantwortung für die Mausohren“, so Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks Spessart e.V. Denn: Main-Spessart hat so viele Kolonien dieser Fledermausart, wie kein anderer Landkreis in Bayern. Im Juli kontrollierten Expertinnen und Experten das Quartier in Wolfsmünster und zählten die Tiere. Dazu waren Matthias Hammer, Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern und Mitarbeiter:innen der Naturschutzbehörden in Karlstadt und Würzburg gekommen. Unterstützt wurden sie dabei vom örtlichen Kirchenpfleger, der den Fledermausschutz seit vielen Jahren unterstützt.

 

Die Wälder in Main-Spessart machen die Mausohren satt: Sie fangen Laufkäfer im langsamen Flug dicht über dem Boden (Foto: Dr. Tilmann Ditting)

 

2021: ein schlechtes Jahr für Fledermäuse
Einer der Gründe für den Erfolg im Spessart sei, so Hammer, dass die Mausohren gerne in Laubwäldern nach Laufkäfern jagen. „Da ist der Spessart sehr ergiebig, er kann viele große Kolonien sattmachen.“ Leider sei 2021 ein eher schlechtes Fledermausjahr; nur 300 Tiere konnten in Wolfsmünster erfasst werden.


Ein Grund sind die regnerisch-kalten Nächte, in denen es nur wenige Insekten gab. „Die Fledermausmütter haben dann zu wenig Milch, die Jungen werden schwach und kommen nicht durch“, so der Experte. In den vergangenen trockenen Sommern hingegen waren die Temperaturen zu hoch. „Die Tiere verglühen dann fast hinter den Ziegeln in den Kirchendächern, auch das schwächt sie.“ Daher sei es wichtig, dass die Fledermäuse vorübergehend auf andere Quartiere ausweichen könnten.

 

Fledermäuse brauchen ein Netzwerk aus Quartieren
Die Mausohrweibchen sind eigentlich geprägt auf den Dachstuhl, in dem sie geboren wurden. Dorthin kommen sie immer wieder zurück – bis zu 15 Jahre lang – und ziehen jeweils ein Junges auf. „Es gibt jedoch Phasen“, so Hammer, „da weichen sie auf ein anderes Quartier aus.“


Doch woher kennen die Tiere überhaupt andere Unterkünfte? „Es wird vermutet, dass die Weibchen sich beim Jagen mit Tieren anderer Kolonien vermischen und dann auch mal anderswo den Tag verbringen.“ Sie besuchen sozusagen Verwandte und schaffen sich eine Rückversicherung für Zeiten, in denen das eigene Quartier nicht aufgesucht werden kann.


Eulen im gleichen Quartier, so der Biologe, könnten zum Beispiel zum Problem werden; genauso wie nicht abgestimmte Baumaßnahmen oder andere Hindernisse. „Auf der Scherenburg in Gemünden stand im Jahr 2000 ein Scheinwerfer der Festspiele in der Einflugöffnung.“ Die Tiere seien nach Wolfsmünster ausgewichen. „1.600 Tiere wurden da in Wolfsmünster gezählt“, so Hammer. Je mehr Quartiere einer Fledermausart es gebe, desto stabiler werde das Netzwerk.

 

Mausohr-Kolonie: der Landkreis Main-Spessart hat so viele wie kein anderes Land in Bayern (Foto: Dr. Andreas Zahn)

 

Gute Zusammenarbeit, doch zu wenig Stellen

„Fledermausschutz in Bayern ist überwiegend eine Leistung des Ehrenamtes“, so Hammer; ein Grund sei, dass die amtlichen Naturschutzfachkräfte viel anderes zu tun hätten. Oliver Kaiser meint, die Zusammenarbeit im Naturschutz in Main-Spessart sei sehr gut, auch wenn es immer noch zu wenige Stellen im behördlichen Umwelt- und Naturschutz gebe. „Es wäre schön, wenn die Behörden personell so weit ausgestattet wären, dass sie ihre vielfältigen Aufgaben erfüllen können.“


Kirchen als Vorbilder
Auch die Rolle der Kirchen beim Fledermausschutz sei wichtig. „Diese haben eine Vorbildfunktion“, so Hammer. Im Landkreis Main-Spessart wurden heuer über 50 Kirchen erstmals auf Fledermäuse und andere geschützte Tierarten untersucht. Diese Erfassung wurde durch die untere Naturschutzbehörde (UNB) in Karlstadt in Auftrag gegeben. Kirchenpfleger und Messner stünden den Fledermäusen positiv gegenüber.


Wichtig sei, so Hammer, immer im Gespräch zu bleiben. „Die Erfahrung zeigt: wenn man die Kolonien über Jahre nicht betreut, kann sich schnell etwas zum Negativen wenden.“ Es gebe manchmal Missstimmungen, die man im Gespräch fast immer klären könne. Auch geplante Sanierungen oder Umbauten seien dann ein Thema.

 

Sanierung ist möglich
Wer Fledermäuse am Haus hat, darf die Tiere nach Naturschutzgesetz nicht vertreiben oder gar das Quartier zerstören. Jedoch: „Fledermäuse verhindern notwendige Sanierungsmaßnahmen nicht“, so der Biologe. Man könne beide Belange immer unter einen Hut bringen, solle sich aber frühzeitig mit Expertinnen und Experten in Verbindung setzen. „Erster Ansprechpartner sind die UNB in Karlstadt und der Fledermausfachberater des Landkreises Uwe Scheurich.“


Umweltbewusstsein immer noch zu theoretisch
Hammer bedauert, dass das Umweltbewusstsein der Menschen in der Praxis leider nicht ausreichend sei. Viele meinten noch immer, sie könnten auf eigenem Grund tun und lassen, was sie wollten. „Das ist nicht richtig“, so der Fledermaus-Experte, denn es gebe Gesetze für den Naturschutz, die für alle gelten. „Vergleichen Sie es mit dem Straßenverkehr: Sie fahren mit dem eigenen Auto, dennoch müssen Sie sich an die Regeln halten.“ Viel wäre erreicht, wenn alle in ihrem privaten Bereich der Natur Platz einräumen würde. Dazu gehöre auch ein Fledermausvorkommen zu tolerieren und als Bereicherung wahrzunehmen.


„Wer Fledermäuse am Haus hat, kann sich glücklich schätzen“, so Hammer. Die Tiere fressen viele Insekten, wie beispielsweise Stechmücken; ihr Kot ist ein guter Dünger. „Viele mögen Schwalben und Hausrotschwänzchen als Frühlingsboten und Stimmen des Sommers. Die Fledermäuse sind sozusagen die Nachtschicht, leider haben sie einen schlechteren Ruf.“


Ein naturnaher Garten, alter Baumbestand, Fledermauskästen und möglichst geringe nächtliche Beleuchtung helfen den Fledermäusen. Wer die Tiere unterstützt und vielleicht sogar schon welche beherbergt, hat sich die Plakette „Fledermäuse willkommen“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt für sein Haus verdient. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer können sich bei Interesse an die UNB des Landkreises in Karlstadt wenden.

 

 

 

10 Jahre Moorschnucken Beweidung im Kaltenbachgrund

27.07.2021


„Finanziell lohnt sich das nicht,“ so Ernst Bilz, „Doch, was es mir gibt, ist unbezahlbar.“ Der 67-Jährige zeigt auf die Wiese im Kaltenbachgrund bei Mespelbrunn. Hier weidet seine Herde Moorschnucken und Burenziegen im Wiesental, während auf der Straße nebenan die Autos gen Wochenende rasen.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Vom Lokführer zum Moorschnucken-Halter

Zur Weidetierhaltung ist der pensionierte Lokführer zufällig gekommen. Vor zehn Jahren wurde die viereinhalb Hektar große Fläche von Fichten und Wildgehölzen befreit, um die Artenvielfalt und strukturreiche Landschaft zu fördern.


„Wir haben einen Tierhalter gesucht, um die Fläche freizuhalten“, so Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland vom Naturpark Spessart e.V.  Doch zuerst habe es keiner machen wollen, so Salomon. „Es ist finanziell nicht gerade lukrativ, und außerdem braucht man für solche Feuchtflächen geeignete Weidetiere.“

 

Dann übernahm Ernst Bilz, Natur- und Landschaftsführer des Naturparks Spessart, zusammen mit seinem Schwager Edgar Lamster die Weide. Gebietsbetreuer Salomon kümmert sich um den Naturschutz: Diesen Sommer ist die Neuanlage von Tümpeln geplant, um Amphibien und Libellen auf der Weide zu fördern.

 

Die Moorschnucken, so Bilz, seien die idealen Landschaftspfleger: sie fressen Segge, Disteln, Weiden und nährstoffarmes Gras; was übrig bleibt, fressen die Burenziegen. „Ohne meinen Schwager, der Landwirt ist, könnte ich das nicht stemmen“, sagt er. Einmal am Tag müsse er nach den Tieren schauen, impfen und entwurmen, füttern und sich kümmern, wenn eines krank sei.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Kontrollieren, freischneiden, reparieren

Vor allem aber die Instandhaltung des Zaunes mache viel Arbeit. Dieser habe 10.000 Euro gekostet, denn ein gewöhnliches Weidenetz wäre direkt an der Bundesstraße nicht denkbar gewesen. „Dieser Zaun ist außerdem wild-durchgängig“, erklärt Bilz, „das Wild kann durch, Schafe und Ziegen aber nicht.“ Es falle immer mal wieder ein Baum auf den Zaun und einmal sei ein Auto von der Straße abgekommen und habe dann auf der Weide gestanden.

 

„Diese ganze Arbeit sieht niemand“, so Bilz. An schlechten Tagen fragt er sich, warum er das überhaupt macht. „Dann aber wieder gehe ich hier raus und sehe, was alles wächst.“ Er zeigt auf Stöcke in der Wiese: „Hier stand überall das Fuchs-Knabenkraut.“ – eine seltene Orchideenart, die es vor der Beweidung nicht gab. Die Fläche sei seit der Beweidung artenreicher geworden, bestätigt Salomon; auch der Thymian-Ameisenbläuling habe hier ein Zuhause gefunden.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Es braucht mehr Idealistinnen und Idealisten

Der Naturpark Spessart und die untere Naturschutzbehörde unterstützen Bilz bei Umbauten des Zaunes und beim Gehölzschnitt. Außerdem bekomme er eine Honorierung der Beweidung im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms. „Dennoch“, meint Bilz, „bräuchte es viel mehr Idealisten, die auch Dinge tun, die kein Geld bringen.“ Er würde sich freuen, wenn sich öfter Freiwillige fänden, die ihn bei Arbeitseinsätzen unterstützen. „Es geht aber nicht nur um die Arbeit, sondern auch darum, dieses Projekt nach außen zu tragen, damit die Leute verstehen, warum es wichtig ist.“

 

Distelfinken, der Wiesenknopf-Bläuling, Schmetterlinge und Orchideen. „Diese Bilder“, so Bilz, „habe ich im Kopf. Das ist meine Belohnung.“ Er findet, dass sich die Menschen zu wenig Zeit für die kleinen Dinge nehmen und anderes immer wichtiger sei. „So alleine in der Natur sitzen, das bringt natürlich auch gesellschaftlich nichts.“


Oft werde er gefragt, warum er sich die ganze Arbeit antue und was denn werde, wenn er nicht mehr kann. „Aber wenn doch jeder erst anfängt, wenn die Nachfolge geklärt ist, dann tut doch niemand was!“


Deshalb packt er weiter mit an, auch wenn er oft belächelt wird, und behütet nicht nur seine Tiere, sondern auch dieses kleine, artenreiche Wiesental.

 

 

Freiwillige bekämpfen Wasserkreuzkraut im Naturschutzgebiet Sinngrund

22.07.2021


„Mein Neffe hat selbst Kühe, deshalb helfe ich mit“, sagt Hilde Larösch (73) aus Mittelsinn. Die Mittelsinnerin und fünf weitere Freiwillige trafen sich am 20.7. mit Torsten Ruf, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Auf den berühmten Schachblumenwiesen im Sinngrund rückten sie dem Wasserkreuzkraut mit Unkrautstechern zu Leibe. Ein paar interessierte Radfahrer schließen sich spontan der Aktion an.

 

„Um die Wurzel zu erwischen, suchen Sie die Blattrosette, stechen ein und ziehen mit Hebelwirkung wieder raus“, erklärt Ruf den Vorgang. Die Pflanze kommt dann in einen Müllsack, der später als Restmüll verbrannt wird. Nur so wird sichergestellt, dass keine Samen ausreifen können. Die Pflanze ist derzeit gut an den kleinen gelben Blüten erkennbar.

 

Gruppe (Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Über zwei Kubikmeter Wasserkreuzkraut

„Wir haben 240-Liter-Müllsäcke. Zehn werden wohl mindestens voll werden“, sagt Ruf. Er hat die Wiesen im Naturschutzgebiet (NSG) Sinngrund im März kartiert. Acht Tage lang ist er in Schleifen über die Wiesen gestapft, hat im Abstand von zwei Meter seine Bahnen gezogen.

 

Die betroffenen Wiesen hat er auf einer Karte eingeteilt: Gibt es nur wenige Pflanzen, werden sie von Hand ausgestochen. Dichte Bestände werden vor der Samenreife gemäht – dann kommt das Mähgut nach Burgjoss in die Biogasanlage. Weil die Pflanze neue Blüten nachtreibt, muss dies mehrfach durchgeführt werden. Während Torsten Ruf heute das Ausstechen leitet, koordiniert sein Gebietsbetreuer-Kollege Christian Salomon auf anderen Teilflächen die Mäharbeiten.

 

Gruppe (Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Giftig, aber bei Insekten beliebt

Das Wasserkreuzkraut ist gefährlich für Rinder, Pferde und Schafe - besonders im Heu, wo die Tiere es nicht von ungiftigem Futter unterscheiden können. Dass sich das Kreuzkraut so stark ausgebreitet hat, haben die Naturpark-Mitarbeiter 2020 festgestellt. „Es dürfte am Klimawandel liegen, aber genau wissen wir es noch nicht“, so Ruf.

 

Der Grünlandbetreuer erhebt erneut den Unkrautstecher, dann zögert er. Einige Tagfalter und Käfer haben sich auf dem Blütenstand des Wasserkreuzkrauts versammelt. „Da schlagen schon zwei Herzen in meiner Brust“, meint er, denn für viele Insekten erfülle es durchaus eine Funktion.
Die Blüten werden gerne angeflogen und wenn es nicht um die Tiere ginge, könne man es für die Insekten sogar stehenlassen, meint er. Allerdings sei das Gift auch in den Blütenpollen und in geringen Mengen sogar im Honig nachweisbar.

 

Gebietsbetreuer für Grünland Torsten Ruf (Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Blutbär ist spezialisiert auf das Kreuzkraut

Ein Schmetterling hat sich sogar auf die giftigen Kreuzkrautpflanzen spezialisiert. Die Raupen des Blutbärs (Tyria jacobeaea) fressen die Blüten von Kreuzkrautarten und lagern das Gift als Fraßschutz ein; ihre orange-schwarze Zeichnung warnt vor ihrer Giftigkeit. Christian Salomon hat dieser Tage erstmals die Raupen des Blutbären im NSG Sinngrund gefunden. Eine große Unterstützung bei der Rückdrängung des Kreuzkrautes erwartet er von den Schmetterlingen aber nicht. „Der Einfluss dürfte leider zu vernachlässigen sein“, meint Salomon.

 

Was die Freiwilligen motiviert

Die Helfenden an diesem Tag eint, dass sie alle etwas gegen die Ausbreitung des Wasserkreuzkrautes tun möchten. „Ich war schon öfter dabei“, sagt Moni Steger (58) aus Schaippach, „weil ich es wichtig und richtig finde.“ Am Anfang habe sie sich schwergetan, „irgendwann hat man es dann raus.“

 

Peter Voss (65) aus Mittelsinn möchte sein hier erworbenes Wissen nutzen, um in seiner Gemeinde aktiv zu werden. Es gebe einen Biobauern im Ort, der voraussichtlich eine ebensolche Aktion organisieren. „Außerdem ist es eine sinnvolle Betätigung in der Natur“, meint er.

 

Die gemeinschaftliche Aktion macht den Teilnehmenden sichtlich Spaß. In der Mittagspause sitzen die Helferinnen und Helfern im Schatten der Bäume und machen Mittagspause.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

 

Beweidung ist möglich

Nach der Pause gehen die Engagierten weiter zu den nächsten Flächen. „Die Bullenweide fehlt dann auch noch“, sagt Ruf.
Trotz Wasserkreuzkraut können die Flächen nämlich beweidet werden – auf der Weide fressen die Tiere um die giftigen Pflanzen herum. „Dort finden wir die Pflanzen auch am leichtesten und die Bullen waren bisher immer brav.“

 

23. Schutzhütte des Naturpark Spessart in Waldaschaff eingeweiht

16.07.2021


Waldaschaff hat eine neue Schutzhütte für Wandernde und Naturbegeisterte. Das mit LEADER-Mitteln durch die EU geförderte Schutzhütten-Projekt des Naturparks Spessart e.V. fand so in der Einweihung am 14.7. seinen Abschluss. Viele Akteur:innen waren gekommen, darunter auch Landrat Alexander Legler und Karsten Klein, Mitglied des Bundestages.

 

„Man sieht hier: Wenn man zusammenhält, kann man gemeinsam etwas bewegen.“ So begrüßte Waldaschaffs Bürgermeister Marcus Grimm sichtlich erfreut seine Gäste. Etwa 30 Personen waren zur Einweihung der neuen Schutzhütte gekommen.

 

In den vergangenen Wochen wurden bereits die Schutzhütten in den Landkreisen Main-Spessart und Miltenberg eingeweiht. „Die erste Einweihung fand noch fast klammheimlich statt“, so Julian Bruhn, zweiter Geschäftsführer vom Naturpark Spessart. Corona lasse nun wieder einiges zu, so auch diese Einweihung im größeren Kreis.

 

Bruhn sprach mehrfach seinen Dank aus: „Es sind die Partnerinnen und Partner des Naturparks, die solch ein Projekt ausmachen.“ Ohne visionäre Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Kommunen, Forstleute, Menschen von den Bauhöfen, und den engagierten Wanderfreund:innen vom Spessartbund wäre so ein Vorhaben nicht möglich.

 

Goldener Hammer für den Zimmermann (Foto: Jennifer Weidle)

 

Goldener Hammer für den Zimmermann

 

Einen besonderen Dank richtete Bruhn an Zimmermann Ralph Herchet aus Flörsbachtal. Dabei überreichte der Naturparkler eine Auszeichnung in Form eines goldenen Hammers. Herchet habe nicht nur die Pilothütte mit viel Herzblut fachlich verbessert, sondern auch Wort und Preis gehalten.  Bruhn: „Die Holzpreise sind in letzter Zeit immens gestiegen, doch Ralph Herchet hat den ursprünglichen Angebotspreis gehalten. Wir wären sonst in arge Bedrängnis gekommen.“

 

Etwa 19.000 Euro kostet eine der Schutzhütten; bei den Kommunen verbleibt ein Anteil von 8.000 Euro. Den Rest übernehmen Fördermittel der Europäischen Union, die aus dem LEADER-Topf kommen; 260.000 € Leadermittel sind so in die Region geflossen.

 

„Damit ist dies unser zweitgrößtes Förderprojekt der letzten sieben Jahre“, so Peter Niehoff.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Er war für die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Spessart, sein Kollege Philipp Wollbeck für die LAG Main4eck zur Einweihung gekommen. Dabei sind die beiden LAGs der einzige Weg zu den LEADER Mitteln, denn nur eine LAG kann diese Gelder beantragen. „Diese Hütten“, so Niehoff, „sind Werbung dafür, was man mit Fördergeldern machen kann.“

 

Ganze 23 neue Schutzhütten hat der Spessart nun. „25, wenn man die beiden Pilothütten mitzählt“, so Julian Bruhn. Dabei liegen viele Hütten an neuralgischen Punkten. Helmut Schuster, Wegemanager vom Spessartbund erklärt: „Hier laufen gleich drei Premium-Wanderwege zusammen: Kurfürstenweg und Spessartweg 1 und 2.“
Die Hütten seien ein tolles Projekt, so Schuster, und wichtig für den Wandertourismus.

 

Foto: Jennifer Weidle)

 

Durch die touristische Brille betrachtete Michael Seiterle vom Tourismusverband Spessart-Mainland das Projekt: „Mit diesen Schutzhütten spielen wir jetzt deutschlandweit in der Champions-League.“ Die Schutzhütten seien ein weiterer Baustein, der die Attraktivität der Region steigere.

 

Aschaffenburgs Landrat Alexander Legler meinte, genau so ein Projekt zeichne den Spessart aus. Gemeinden, Verbände, Vereine und der Staatsforst: Man halte und arbeite zusammen, auch über Landkreisgrenzen hinweg.

 

Legler nutzte die Gelegenheit auch, um Werbung für den Weg zum Biosphärenreservat Spessart zu machen.

 

Zum Abschluss spendierte Bürgermeister Grimm Wildbratwürste und Getränke am Sportheim. Die Akteur:innen nutzen die Gelegenheit zum Fachsimpeln über Wanderwege, mögliche neue Projekte und für den persönlichen Austausch. Außerdem wurde gemutmaßt, was den dubiosen Schildersammler wohl motivieren möge, der oder die seit Monaten Standortschilder an Wanderpfosten illegal entfernt.

 

 

Freiwillige des Bergwaldprojekts bekämpfen im Naturpark Spessart giftiges Wasser-Kreuzkraut

09.07.2021


Vom 11. bis 17. Juli 2021 engagieren sich insgesamt 18 Ehrenamtliche für das Naturschutzgebiet Sinngrund im Naturpark Spessart. In dieser Zeit arbeiten die Freiwilligen mit dem Bergwaldprojekt schwerpunktmäßig auf verschiedenen Flächen, auf denen das Wasser-Kreuzkraut wächst. Ziel des Einsatzes ist, die Vorkommen der giftigen Pflanze zu reduzieren, um damit das Vorkommen anderer seltenen Pflanzenarten zu schützen. Daneben sensibilisiert der Einsatz die Freiwilligen für eine nachhaltige Lebensweise in ihrem Alltag.


Nachdem das Bergwaldprojekt e.V. aufgrund der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2021 noch keine Projektwochen mit Ehrenamtlichen durchführen konnte, startete der deutschlandweite Projektbetrieb erst am 4. Juli.

 

Arbeitseinsatz (Foto: Julian Bruhn)

 

Unter der Anleitung von Henning Rothe vom Bergwaldprojekt e.V. und unter der Regie von Christian Salomon vom Naturpark Spessart werden die Freiwilligen auf zahlreichen Wiesenflächen im Naturschutzgebiet Sinngrund manuell bzw. mit Unkrautstechern das Wasser-Kreuzkraut entfernen. Die sich – vermutlich aufgrund der Erderwärmung – immer mehr ausbreitende Pflanze ist im Tierfutter giftig. Da aber eine Mahd oder Beweidung der Flächen wichtig ist, um die artenreichen Spessartwiesen mit ihren seltenen Schachbrettblumen und Ameisenbläulingen zu erhalten, muss das Wasser-Kreuzkraut auf diesen Wiesen entnommen werden.


Neben der praktischen Arbeit ist wie bei allen Projektwochen ein Exkursionsnachmittag vorgesehen, um die Bedeutung von FFH-Flächen und die notwendige Landschaftspflege für den Schutz seltener Arten näher zu beleuchten und deren Bedeutung verständlich zu machen.

 

Wasser-Kreuzkraut Pflanzenrosette (Foto: Julian Bruhn)

 

„Die konsequente und schonende Entfernung des Wasser-Kreuzkrauts auf so großen Flächen ist ohne motivierte Ehrenamtliche undenkbar. Diese unscheinbar wirkende Handarbeit ist enorm wichtig, weil erst sie das nachhaltige System „Naturschutz durch Nutzung“ am Laufen hält.“ (Christian Salomon, Gebietsbetreuer Naturpark Spessart)

 

„Indem sich Freiwillige aus ganz Deutschland aktiv für ihre Umwelt engagieren, entwickeln sie neue Beziehungen zur Natur. Die positiven Erfahrungen aus den Projektwochen bestärken sie oftmals darin, auch den eigenen Alltag naturverträglicher und ressourcenschonender zu gestalten. Sie beteiligen sich damit aktiv am gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft.“ (Henning Rothe, Bergwaldprojekt e.V.)

 

„Naturschutz und Landwirtschaft arbeiten hier Hand in Hand, freut sich Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer des Naturpark Spessart e.V. „Ohne die tolle Hilfe der Freiwilligen könnten wir das durch die Regierung von Unterfranken geförderte Projekt im Sinngrund nicht realisieren.“ So Bruhn weiter.

 

Untergebracht ist die Gruppe im Sternenhof in Seifriedsburg. Die Woche über kümmert sich ein Koch um die vegetarische, biologische und möglichst regionale, saisonale Verpflegung.

 

Arbeitseinsatz Schaippach (Foto: Berit Arendt)

 

 

Bergwaldprojekt e.V.

Das Bergwaldprojekt e.V. mit Sitz in Würzburg organisiert deutschlandweit Freiwilligen-Wochen mit jährlich mehr als 3.000 Teilnehmenden und über 140 Projektwochen an mehr als 70 Einsatzorten in Deutschland. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme zu erhalten, den TeilnehmerInnen die Bedeutung und die Gefährdung unserer natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und eine breite Öffentlichkeit für einen naturverträglichen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu bewegen. Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden.
www.bergwaldprojekt.de

 

Pressekontakte

Julian Bruhn
Stellvertretender Geschäftsführer Naturpark Spessart
Tel.: 09351 603 421
julian.bruhn@naturpark-spessart.de

 

Henning Rothe
Projektleiter Bergwaldprojekt
Tel.: 0151 222 50 207

 

Peter Naumann
Pressesprecher Bergwaldprojekt e.V.
Tel.: 0831 512 7635
pn@bergwaldprojekt.de

 

 

Mitgliederversammlung unterstützt Weiter-Entwicklung des Naturparkvereins

07.07.2021

 

Abstimmungen über Beitragserhöhungen, ein Rückblick ins Jahr 2020 und das Thema  Biosphärenreservat Spessart standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Naturparks Spessart e.V.


Diese fand am 7.7.2021 unter Corona-Auflagen in der Scherenberghalle, Gemünden statt. 56 Mitglieder und Partner:innen des Naturparks waren der Einladung gefolgt.

 

Jahreshauptversammlung des Naturparks Spessart e.V. in der Scherenberghalle, Gemünden

 

Sie wurden von Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Naturparks Thomas Zöller begrüßt. Zöller erinnerte sich: „Vor gut 20 Jahren hatte der Verein nur einen ehrenamtlichen Geschäftsführer und ein kleines Budget.“
Heute gäbe es – auch dank der Förderungen für Ranger:innen und Gebietsbetreuer – eine leistungsstarke Geschäftsstelle mit neun Mitarbeiter:innen.

 

Zöller warb mit diesen Worten gleichzeitig für die Beitragsanpassung um fünf auf 26 Cent – diese wurde am Ende der Veranstaltung einstimmig angenommen, wie auch der Beschluss zur dynamischen Anpassung der Beiträge: Ab 2023 werden diese alle zwei Jahre um zwei Cent angehoben.

Die Kommunen und die Stadt Aschaffenburg leisten mit dieser Zahlung, die pro Einwohner:in an den Naturpark geleistet wird, ihren Beitrag zu Naturschutz, Umweltbildung und Regionalentwicklung. „Die einstimmige Annahme der Beschlüsse ist ein Beweis, dass wir Ihre gute Arbeit unterstützen“, so Zöller.

 

Was zu den Aufgaben des Naturpark-Teams gehört, wurde im Laufe der Veranstaltung vorgestellt.
Zweiter Geschäftsführer Julian Bruhn präsentierte einige Arbeitsschwerpunkte: Errichtung 23 neuer Schutzhütten, Betreuung der Wanderwege gemeinsam mit dem Spessartbund e.V., und Instandhaltung der Infotafeln und Wanderwegweiser – seit Monaten sabotiert von einem noch unbekannten Schildersammler, oder einer Sammlerin. Bruhn: „Alle paar Tage fehlt irgendwo ein Schild, das kostet Geld und Arbeitszeit!“

Julian Bruhn appellierte an die Kommunen, die Neuanlage von Rund- und Themenwegen zu überdenken; deren Konzeption mache viel Arbeit. „Das muss alles in die vorhandene Infrastruktur mit Wanderkarten und digitalen Angeboten integriert werden“, so Bruhn.

 

Es gäbe bereits 5.000 Kilometer Wanderwege im Naturpark Spessart. „Die Gemeinden und Ortsteile brauchen nicht noch mehr Wege, Sie können Besucher auch an die Nachbarorte verweisen und die Wege dort mitbewerben.“ Denn das Netzwerk Naturpark Spessart funktioniere nur gemeinsam, so Bruhn.

 

Zu einer Diskussion kam es bei der Frage, ob das länderübergreifende Projekt „Spessart 8“ weiterverfolgt werden solle. Die „Spessart 8“ war anfangs als Mountainbike-Trail für sportliche Radfahrer:innen geplant; ein Premium-Radweg durch den gesamten Spessart sollte es werden. Bruhn gab an, nach langer Planung und aufgrund der vielen Rahmenbedingungen sei die Strecke zu einem Allerweltsradweg mit viel Schotter- und Asphaltabschnitten verkümmert. „Für Radfahrende eher unspektakulär“, so Bruhn.

 

Zudem fehlt auf bayerischer Seite ein Projektträger für die Umsetzung. Aufgrund der Förderbestimmungen dürfen Naturparkverein oder der Tourismusverband Spessart-Mainland nicht als Antragsteller und Projektträger fungieren; und die Landkreise Aschaffenburg und Main-Spessart wollen derzeit aus Kapazitätsgründen den Stab nicht in die Hand nehmen.


Dies bestätigte Aschaffenburgs Landrat Dr. Alexander Legler und verwies auf die Ausweisung einzelner Mountainbike-Trails in seinem Landkreis, die die Angebotspalette für Biker:innen erweitern. Die Versammlung verständigte sich auf eine Zurückstellung des Projektes „Spessart 8“.

In seinem weiteren Bericht ging Julian Bruhn auf die Herausforderung der Besucherlenkung in Corona Zeiten ein: „An den Hotspots – Seltenbachschlucht, Exe in Aschaffenburg, Engländer und dem Wasserfall Trettstein bei Gräfendorf– kamen unsere Rangerinnen und Ranger kaum hinterher.“ Er lobte die Arbeit des Ranger-Teams und betonte dessen wichtige Funktion als Gesicht des Naturparks.

 

Neben der Besucherlenkung, der Kontrolle von Schutzgebieten und der Unterstützung von Naturschutzmaßnahmen hat das Ranger-Team viele weitere Aufgaben. Ranger Andreas Gries erläuterte: „Gemeinsam mit Gemeinden, Schulen und weiteren Partnern bauen wir das Netzwerk an Naturpark-Schulen aus und betreuen die ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und –führer. Zudem sind wir ständig dem Schildersammler hinterher.“

 

Christian Salomon stellte an zahlreichen Beispielen die Aktivitäten der Gebietsbetreuung für Grünland vor. Gemeinsam mit seinem Kollegen Torsten Ruf sorgt er dafür, dass immer mehr Wiesen von Landwirtschaftenden sanft genutzt werden. „Wir haben einige sehr engagierte Leute. Die mähen mit dem Balkenmähwerk und lassen einen Teilbereich der Wiesen für Insekten stehen.“

 

Durch den Einsatz des Samenerntegerätes eBeetle konnten einige Wiesen mit regional-typischem Saatgut aufgewertet oder neu angelegt werden; dies leiste einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, so Salomon; die Meisten seien offen für eine schonende Bewirtschaftung. „Man muss nur mit den Leuten reden“, meinte Salomon.

 

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks, stellte Aktivitäten in der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit vor. Er erläuterte auch, warum die Anlage von Lehr- und Erlebnispfaden lange – nämlich bis zu drei Jahre – dauern könne. „Wir planen sehr sorgfältig und setzen auf Qualität; laminierte Papierschilder gibt es hier nicht.“ Der Naturpark werde immer wieder für seine hochwertigen Naturerlebnispfade, wie dem neulich fertig gestellten in Wiesthal, gelobt. „Qualität dauert aber eben etwas länger.“

Nach Kassenbericht, Entlastung des Vorstandes und Genehmigung des Haushalts nutzte Landrat Dr. Legler die Möglichkeit, um den Stand zum Thema Biosphärenreservat Spessart zu erläutern. Bis Ende des Jahres solle entschieden sein, ob die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird.

Dabei sieht er ausschließlich Vorteile für die Region: Die Ausgestaltung liege in den Händen der einzelnen Kommunen und wenn die UNESCO – vermutlich nach fünf Jahren – dem Spessart das Privileg erteile, sich Biosphärenreservat zu nennen, werde ein großer Fördertopf zugänglich. „Es gibt Geld, das ist im Umweltministerium für Biosphärenreservate reserviert“, so Legler, „der Freistaat ist dann in der Pflicht.“

 

Auch die Machbarkeitsstudie an sich werde voraussichtlich mit 50 Prozent vom Freistaat gefördert. Da bleiben am Ende, so Legler, etwa 25 Tausend Euro pro Körperschaft – den Landkreisen Main-Spessart, Miltenberg, Aschaffenburg und der Stadt Aschaffenburg – hängen; das solle machbar sein. Legler: „Der Spessart hat es verdient, diese Chance zum Wohle der Region zu nutzen.“

 

Dr. Thomas Keller, Leiter der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken ergänzte, dass die Auszeichnung als Biosphärenreservat der gesamten Region eine ganz andere Förderkulisse biete; man komme leichter an Bundesmittel heran. Das gehe weit über Naturschutz hinaus und betreffe zum Beispiel auch die Themen Verkehr, Energie und Landwirtschaft.


Keller: „Gestalter sind Sie, es gibt keine Blaupause, nur die Leitplanken der UNESCO.“

 

Dabei müsse sich das Gebiet des Biosphärenreservats nicht mit dem des Naturparks decken, so Legler. Auch gehe es nicht darum, die hervorragende Arbeit des Naturparks Spessart infrage zu stellen. „Wir setzen nur noch eins drauf.“

 

 

4. Klasse der Grundschule Partenstein erkundet den Lohrbach

30.06.2021

 

Am 28.6.2021 haben 26 Schülerinnen und Schüler der Naturparkschule Partenstein an einem Gewässertag teilgenommen. Unterstützt wurde die Schule von Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks Spessart e.V., Naturparkführerin Zdenka Lukasova aus Neuendorf und Naturparkführer Tom Klotz aus Mömbris.


„Die vierte Klasse geht traditionellerweise an den - oder wie man in Partenstein sagt - die Bach“, so Oliver Kaiser; Ziel der Exkursion war die Erkundung der Lohr.

 

Einweisung ins Tiere Keschern (Foto: Willi Amend)

 

 Zuerst gab es ein Begrüßungsspiel: Die Kinder bildeten eine Schöpfkette und transportierten mit ihren Händen Wasser. Kaiser: „Das ist mehr als ein Spiel. Wir veranschaulichen so den Wassertransport und die -nutzung und erklären wie wichtig Wasser für den Menschen ist.“


Danach stellten die Kinder den Wasserkreislauf pantomimisch dar. Bei dem folgenden Wahrnehmungsspiel konnte punkten, wer achtsam war und sich konzentrieren konnte; die Geräusche am Wasser sollten mit geschlossenen Augen erlauscht werden.

 

Untersuchung der Wassertiere (Foto: Willi Amend)

 

Nach der Frühstückspause folgte ein Eimer-Staffellauf, bei dem die Kinder mit einem Schwamm Wasser von Eimer zu Eimer transportieren. Besonders lustig wurde es, da in Teams – Mädchen gegen Jungs – gespielt wurde. „Die Jungs waren ganz schön beleidigt, weil sie verloren hatten“, so eine Schülerin. Dieses Spiel gewannen die Mädchen, dafür konnten sich die Jungs beim Abschiedsspiel revanchieren.


Am besten gefiel den Kindern das große Thema Tiere. Was lebt denn eigentlich hier in unserem Lohrbach? Oliver Kaiser macht neugierig: „Auf einem Quadratmeter Bachgrund leben normalerweise mehr Tierarten und Tiere als in einem großen Zoo! Schaut mal, was ihr findet“


Mit Keschern, Wasserschalen und Becherlupen ausgestattet fingen die Schülerinnen und Schüler dann auch so einiges: Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven und Rollegel waren die Highlights. Dazu die elfjährige Lama: „Mir hat es gefallen, dass ich viele neue Tiere kennengelernt habe. So was möchte ich öfter machen.“

 

Untersuchung der Wassertiere (Foto: Oliver Kaiser)

 

Lena (9) fand das Tiere-fangen cool und auch, dass sie frische Luft schnappen konnte, statt nur im Klassenzimmer zu sitzen. „Mir hat es außerdem besonders gut gefallen, dass der Naturpark Spessart heute da war.“


Die Kinder in Partenstein haben einen engen Bezug zum Naturpark Spessart, denn ihre Schule ist bereits seit 2006 als Naturparkschule zertifiziert; sie war Pionier in Deutschland und wird regelmäßig vom Naturpark unterstützt.


Die Themenauswahl für die verschiedenen Klassenstufen orientiert sich am Lehrplan: „Mit der ersten Klasse erkunden wir den Lebensraum Wiese und mit der vierten Klasse das Gewässer“, so Kaiser.  In der zweiten Klasse werde die Hecke mit Unterstützung des Landschaftpflegeverbandes erforscht und Schüler:innen der dritten Klasse lernen mit Expert:innen vom Amt für Landwirtschaft und Forsten den Wald genauer kennen. Kaiser: „Partenstein ist für uns Vorbild für alle anderen Kooperationen mit Schulen im Spessart.“

 

Welches Tier haben wir denn da? (Foto: Willi Amend)

 

Beim Abschlussspiel mit zwei Mannschaften wurden alle Kinder „ein bisschen nass und hatten ihren Spaß.“ Auch die Naturparkführerin Zdenka Lukasova hat der Vormittag sehr gut gefallen. Sie fand es spannend zu sehen, wie Oliver Kaiser mit den Kindern arbeitet und freute sich über die vielen begeisterten Kinder. Naturparkführer Klotz war vor allem beeindruckt davon, wie gut die Kinder die langen Vorträge aufgenommen haben: „Die Kinder waren voller Leben und haben trotzdem aufmerksam zugehört.“


Auch die Klassenlehrerin Tina Leyh ist glücklich darüber, dass der Naturparkverein den Kindern so ein Erlebnis ermöglicht. „Die Vorfreude der Kinder war riesig groß. Gerade auch, weil es seit Langem die erste Gelegenheit war, etwas zu erleben.“


Ganz um den Klassenraum kommen die Kinder jedoch auch bei dieser Veranstaltung nicht herum. Die Themen werden im Heimat- und Sachkundeunterricht vor- und auch nachbereitet.


Bundesweit gibt es inzwischen über 130 Naturpark-Schulen. Das Konzept stammt aus Österreich: Schulen kooperieren eng und dauerhaft mit Naturparken und regionalen Partnern. So werden den Kindern Natur- und Nachhaltigkeitsthemen vermittelt.

 

 

Naturpark-Entdecker-Westen bei der Touristinformation Lohr

29.06.2021

 

In der Touristinformation Lohr am Schlossplatz können ab sofort Naturpark-Entdecker-Westen ausgeliehen werden. „Vor allem für Familien mit Kindern wird ein Ausflug in den Spessart so unterhaltsamer und lustiger“, sagt Jürgen Goldbach, Leiter der Touristinformation. Er freut sich sehr über die Bereitstellung von zehn Westen durch den Naturpark Spessart e.V.


Goldbach kennt die Westen von seiner letzten Tätigkeit als Leiter der Jugendherberge Lohr; dort waren sie oft im Einsatz. Nachdem die Lohrer Jugendherberge endgültig geschlossen wurde, hatte der Naturpark Spessart für die Westen eine neue „Einsatzstelle" gesucht und nun mit der Touristinformation gefunden.

 

(von links) Jürgen Goldbach, Oliver Kaiser und Hannelore Etzel freuen sich: Zehn Naturentdecker-Westen des Naturpark Spessart stehen nun bei der Touristinformation Lohr zum Ausleihen bereit (Foto: Christina Rüb)

 

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturpark Spessart freut sich, dass die Touristiker:innen einen Teil der Westen von der Jugendherberge als Dauerleihgabe übernehmen. „So können Einheimische und Gäste die Entdecker-Westen in Lohr nutzen und auf Erkundungstouren in die Natur gehen."


Seit zehn Jahren setzt der Naturpark Spessart e.V. die Naturpark-Entdecker-Westen in seiner Natur- und Umweltbildung ein. Kinder können mit den robusten Outdoor-Westen in die Rolle von Forscher:innen schlüpfen; die in den Westen enthaltene Entdeckerausrüstung lädt zu Erkundungstouren ein: Lupe, ein Insektensauger zur Beobachtung kleiner Tiere, Becherlupe, Kompass, und Bestimmungshilfen für Pflanzen und Tiere regen Kinder an, ihrem Entdeckerdrang freien Lauf zu lassen.
Goldbach: „Die Entdecker-Westen werden unser bestehendes Angebot, vor allem für die naturinteressierten Gäste unserer Schneewittchen-Stadt bereichern.“ Die Westen können in der Touristen-Information Lohr kostenlos ausgeliehen werden; vor Ort gibt es eine Einweisung zu den Westen und Tipps für Natur-Entdeckungstouren rund um Lohr.

 

 

Entdeckerweste mit Forscherausrüstung (Foto: Oliver Kaiser)

 

Insgesamt 150 Westen sind zudem bei der Naturpark-Geschäftsstelle in Gemünden und bei mehreren Naturparkführer:innen im  Spessart erhältlich. Sie werden vom Naturpark-Team und den ehrenamtlichen Naturparkführer:innen für Umweltbildungsmaßnahmen genutzt, können aber auch von Interessierten ausgeliehen werden, z.B. für Kindergeburtstage oder Familienausflüge.


Weitere 120 Entdecker-Westen sind zudem bei Kooperationspartnern:innen im Einsatz. So zum Beispiel beim Naturerlebnisgarten des Landesbunds für Vogelschutz in Kleinostheim, bei der Umweltstation der Stadt Aschaffenburg und beim Schullandheim Hobbach.


Ein Faltblatt zu den Entdecker-Westen mit weiteren Information ist bei der Touristinformation Lohr und der Geschäftsstelle des Naturparks in Gemünden erhältlich und kann unter online bestellt bzw. als PDF heruntergeladen werden.

 

Naturpark Spessart vermehrt seine besten Wiesen

25.06.2021

 

Im Naturschutzgebiet Weihersgrund blüht eine Wiese – eigentlich nichts ungewöhnliches, ist diese doch etwas Besonderes.

 

Sie wurde vor zwei Jahren von Mitarbeitern des Naturpark Spessart e.V. mit Saatgut eingesät, das mit Hilfe des Samenerntegeräts „eBeetle“ auf der nahegelegenen Bischbrunner Gemeindewiese gewonnen wurde.  Ziel war, an dieser Stelle eine Wiese wiederherzustellen, die der artenreichen Bischbrunner Gemeindewiese möglichst nahe kommt.

 

„Dass uns dies recht gut gelungen ist, kann man jetzt sehen“, so Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon nach einer ersten Erfolgskontrolle: Es blühen Glockenblumen, Klappertopf, Wilde Möhre, Rotschwingel, Wiesenbocksbart und viele mehr.

 

Artenreiches Blütenmeer - Angesäte Wiese im Weihersgrund (Foto C. Salomon)

 

Eine erste Artenzählung lieferte Mitte Juni auf dieser Fläche über 50 wiesentypische Pflanzenarten. „Die Pflanzenvielfalt einer Wiese bewirkt mehr als nur bunt auszusehen“, so Salomon. „Je mehr Arten, desto gleichmäßiger ist etwa das Nahrungsangebot für Insekten verteilt. Viele Insekten sind zudem auf gewisse heimische Pflanzen als Futter oder zur Eiablage spezialisiert.“ Fehlen diese Pflanzen, können auch die Insekten nicht überleben. Zudem seien gerade hoch spezialisierte Insektenarten vom Erhalt züchterisch unveränderter Wildpflanzenformen abhängig. Die großblütigen Zierformen von Pflanzenarten sind meist eher für das menschliche Auge gemacht.

 

Seit 2019 beerntet der Naturpark Spessart mit seinem Samenerntegerät „eBeetle“ besonders arten- und blütenreiche Wiesen, um mit dem so gewonnenen Saatgut an anderer Stelle entsprechende Wiesen neu anzulegen oder aufzuwerten. Die Verwendung dieses gebietseigenen Saatguts garantiert den Erhalt von Artenkombinationen und Wildpflanzenformen, die für den Spessart typisch sind. Zudem werden auch seltene Pflanzenarten verbreitet, deren Saatgut im Handel gar nicht erhältlich ist – etwa Orchideen, Arnika oder die Kugelige Teufelskralle.

 

Bis allerdings alle eingebrachten Arten blühen und sich zwischen den angesäten Wiesenarten ein stabiles Gleichgewicht entwickelt hat, könnten laut Salomon noch weitere Jahre vergehen. Schließlich sei eine artenreiche Naturwiese ein komplexes Ökosystem. Für diese Entwicklung ist eine regelmäßige Nutzung erforderlich. Alle vom Naturparkverein angelegten Wiesen werden daher von Landwirten als Heu- oder Weideflächen genutzt.

 

Der Naturpark Spessart hat mit dem gewonnen Saatgut aus dem „eBeetle“ bereits 20 Wiesen angelegt, die Samenernte für die nächsten Flächen beginnt diese Tage. Einige der neuen Wiesen werden zur Erfolgskontrolle wissenschaftlich untersucht. Ein erstes Gutachten dazu soll Ende 2022 vorliegen.

 

 

Naturpark Spessart gestaltet Vormittag im Waldkindergarten Lohr

24.06.2021

 

Am 16. Juni 2021 hatten die Kinder des Waldkindergartens Lohr Besuch von Torsten Ruf. Der Gebietsbetreuer für Grünland vom Naturpark Spessart e.V. gestaltete mit den Erzieherinnen zusammen einen Naturentdecker-Vormittag. An diesem erkundeten die Kinder gemeinsam mit dem Experten vom Naturpark den Lebensraum Wiese.


„Wie hoch wird denn der höchste Baum“ oder „wieso gibt es Eidechsen am Romberg?“. Die Kinder hatten gleich zu Beginn viele Fragen. Der wusste natürlich alle Antworten: Die Eidechsen mögen den Romberg so gerne, weil es dort besonders warm ist; außerdem gibt es ausreichend Verstecke und sandigen Boden für die Eiablage. Der höchste Baum im Spessart - und sogar in Bayern - ist eine Douglasie im Collenberger Wald mit 63,33 Metern Höhe.


Nach der Theorie machte die Gruppe sich auf den Weg ins Romberger Gelände. Erste Station war ein sonniger Sandhügel; dort haben sich Wildbienen angesiedelt. Sie leben hier nicht im Insektenhotel, sondern direkt im Sandhügel. Die Bienenstadt steht ab jetzt unter dem Schutz der Kinder und sie passen auf, dass der Hügel nicht mehr betreten wird.

 

Gebietsbetreuer Torsten Ruf gestaltete einen Tag für den Waldkindergarten Lohr (Foto: Waldkindergarten Lohr e.V.)

 

Mit einem Schmetterlingskescher gingen die kleinen Entdeckerinnen und Entdecker danach auf die Jagd. An einem blütenreichen Wiesenrand durften sie Insekten einfangen, um sie danach gemeinsam mit Torsten Ruf zu bestimmen.


Die Kinder waren erstaunt, wie viel Leben sich auf so einer kleinen Fläche einfinden kann: Heuschrecken, Schmetterlinge, Wanzen, Zikaden, Spinnen und andere Kleintiere. Nach dem Betrachten entliesen die Kinder sie wieder in ihren Lebensraum.


Ein Highlight war die Entdeckung des seltenen Sumpfhornklee-Widderchens (Zygaena trifolii); der Schmetterling wurde an diesem Tag erstmals im Naturschutzgebiet Romberg nachgewiesen. Die Kinder entdeckten, dass er auf den Flügeln fünf rote Flecken auf schwarzem Grund hat. Mit diesen weist es auf seine Giftigkeit hin und schreckt so Fressfeinde ab.


Nach diesem aufregenden Fund wurde es ruhiger. Der Naturpark-Experte hatte den Kindern Exponate mitgebracht, um über deren Besonderheiten und Lebensweisen zu sprechen: Schlangen, eine mumifizierte Erdkröte, Hirschkäfer, Libellen und mehrere Fledermäuse waren die Attraktionen; alles Totfunde aus dem Raum Lohr.
Zum Abschluss des Naturentdecker-Vormittages wurden die Kinder selbst zu Fledermäusen: Ein Kind mit verbundenen Augen war die Fledermaus und musste die Fliegen – die anderen Kinder - durch gutes Zuhören fangen. 


Torsten Ruf freut sich über die große Begeisterung der jungen Naturforscherinnen und –forscher und unterstützt gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Salomon und dem gesamten Naturpark –Team gerne auch andere Einrichtungen bei ihren Umweltbildungsaktivitäten.


 

5 neue Schutz- und Infohütten in Miltenberg eingeweiht

15.06.2021

 

Dorfprozelten hat eine neue Schutzhütte. „Ein Juwel im Wald”, freute sich Elisabeth Steger, Bürgermeisterin der Gemeinde Dorfprozelten.
Am 14.06. trafen sich die Akteurinnen und Akteure an der Wanderhütte „Sandplatte” zur offiziellen Einweihung der fünf neuen Schutz- und Infohütten im Landkreis Miltenberg.

Großen Dank sprachen die Anwesenden Dorfprozeltens zweitem Bürgermeister Albert Steffl aus. „Der hat hier sehr viel Energie und Engagement reingesteckt”, so Julian Bruhn, Projektleiter vom Naturpark Spessart e.V.

 

Vor der neuen Schutzhütte „Sandplatte“ stehen v.L.n.R. Victoria Schuler, Naturpark-Rangerin; Julian Bruhn, Projektleiter Naturpark Spessart e.V.; Ralph Herchet, Geschäftsführer Zimmerei Herchet; Thomas Köhler 1. Bürgermeister Markt Kleinwallstadt; Albert Steffl, 2. Bürgermeister Dorfprozelten; Elisabeth Steger 1. Bürgermeisterin Dorfprozelten; Philipp Wollbeck, Geschäftsführer LAG Main4Eck; Günther Öttinger, Stellv. Landrat Miltenberg. (Die Masken wurden für das Pressefoto kurz abgenommen) (Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 


Innovativ: Barrierefreie Wanderhütte

Dank Steffl und Steger können auch Rollstuhlfahrende die Hütte nutzen. Eine Rampe führt über den kleinen Graben in die Hütte, innen: ein rollstuhlgerechter Boden aus Lärchendielen.

Steger: „Wir kennen Leute, die im Rollstuhl sitzen und motorisierte Rollstühle nutzen. Auch die sollen Zugang haben.” Dies sei eine freie Entscheidung der Kommune gewesen. „Wir wollten niemanden ausschließen.
Dank des großen Vorplatzes ist das Sitzen in corona-konformen Abständen möglich. Steffl: „Wir hatten an dieser Stelle Kronenholz von Käferfichten liegen. Ich habe angeregt, das gleich zu häckseln und so den Vorplatz zu schaffen.”

 

(Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 

 

Standortwahl – Natur, Kultur und Wanderlust

Steffl war auch maßgeblich bei der Auswahl des Standorts beteiligt. Die Hütte sollte nicht nur optisch her passen, sondern auch eine Brücke zur umliegenden Natur und Kultur schlagen. Steffl, der auch ehrenamtlicher Naturparkführer ist, erklärt: „Wir haben nebenan einen Biotopbaum, nicht weit von hier den höchsten Baum Bayerns und die Kriegergedächniskapelle.” Auch die Anbindung an das Wanderwegenetz war ein Kriterium für diesen Standort. „Von hier kommt man immer weiter”, so Steffl: Die Wanderwege D1, D2, Fränkischer Marienweg treffen sich hier, der Eselsweg ist nicht weit. Auch für Einheimische soll diese Hütte Treff- und Anlaufpunkt sein. Steffl: „Diese Hütte ist ein Lichtblick. Jedes Mal, wenn ich hier rauffahre, denke ich: es gibt nichts Schöneres.” Das Hüttenbuch zeugt davon, dass die Hütte bereits gerne genutzt wird.


(Foto: Jennifer Weidle/Naturpark Spessart e.V.)

 


EU-Förderprojekt finanziert den Großteil der Kosten

„Eine einfache Schutzhütte – man glaubt gar nicht, wie aufwendig so was sein kann”, meint Bruhn. Fast zehn Jahre Planung seien nötig gewesen um die insgesamt 23 neuen Hütten zu etablieren. Fünf davon stehen nun im Landkreis Miltenberg. Neben Dorfprozelten und Kleinwallstadt auch in Sulzbach a.Main, Großheubach und in Mömlingen. Für die Finanzierung das Anzapfen eines EU-Förderprojekts und dafür zuerst die Gründung der zweiten Lokalen Aktionsgruppe (LAG) im Spessart. Für die beiden LAGn war stellvertretend der Geschäftsführer Philipp Wollbeck gekommen. Er lobt das Schutzhüttenprojekt des Naturpark Spessart und hebt auch den Ideenwettbewerb an Zimmererschulen hervor; mit dem Entwurf von Zimmererschüler:innen wurde die Pilothütte gebaut. Wollbeck: „Ein super Prozess, dass man das über die Jugend gemacht hat.“ Er sei gerade aus dem Allgäu zurückgekommen. „Das Wetter war nicht perfekt und wir dachten uns oft‚ ‚wenn wir jetzt so eine Hütte hätten…’ und haben uns dort eine Hütte wie diese hier gewünscht.” Auch die Beschilderungen seien im Allgäu nicht so gut wie im Spessart. „Wir haben uns mehrfach verlaufen – dabei habe ich Geografie studiert.” Im Spessart gibt es zwei LAGs: Die LAG Main4eck und die LAG Spessart. Dadurch habe man statt der üblichen 60 sogar 70 Prozent Förderung von der EU erhalten, so Wollbeck; insgesamt 261.000 Euro. „Wenn man mal wieder als Gemeinde nachdenkt, ob man Mitglied der LAG bleiben soll, würde ich sagen: ja, es lohnt sich.” Im Gemeinderat Dorfprozelten sei mancher zuerst kritisch gewesen. „Brauchen wir eine Hütte, wurde da gefragt”, so der zweite Bürgermeister und schmunzelt, „aber was braucht man schon im Leben.” Günther Oettinger, Altbürgermeister und stellvertretender Landrat vom Landkreis Miltenberg meint, der Restbetrag für die Hütten sei wirklich überschaubar, „wenn man sich die Haushalte mal anschaut.” Und hier habe man was Handfestes. „Wann hat man das schon mal, als Bürgermeister?” Für Wandernde sei die Hütte ein Segen, und durch die robuste Konstruktion mit Douglasienverschalung für die mittlere Ewigkeit gebaut. Thomas Köhler, Bürgermeister von Kleinwallstadt lobt das optimal durchgeplante Projekt und auch die hervorragende Umsetzung durch die Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal. „Ich weiß, wovon ich rede”, so Köhler „mein Sohn ist auch Zimmermann.” Ralph Herchet, Chef des Aufbauteams ist zur Einweihung schon ein weinendes Auge anzumerken. „Er bringt sich mit viel Liebe zum Detail und bester Qualität in der Umsetzung ein“, berichtet Projektleiter Bruhn. „Er legt sogar noch die Regenrinnen kostenlos oben drauf, da die zunächst nicht vorgesehen waren.“

 

Kooperationspartner – „ohne die läuft nix”
„Ohne Bauhof läuft nichts”, so Julian Bruhn und dankte den „Helden in orange” vom örtlichen Bauhof, die sich um die Instandhaltung der Hütte kümmern werden. „Unsere Naturpark-Rangerin Victoria Schuler könnte den Unterhalt der Schutzhütten alleine nicht stemmen.” Ohne die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, habe der Naturpark Spessart keine Chance ein großes Projekt wie dieses zu stemmen. Auch der Spessartbund sei, wenn es um die Wanderinfrastruktur geht, ein unverzichtbarer Kooperationspartner des Naturparks. Die letzte der 23 Schutzhütten wird in den nächsten Tagen in Waldaschaff gestellt. Das Schutzhüttenprojekt – das größte LEADER-Projekt der vergangenen sieben Jahre zur Förderung des ländlichen Raums - wird damit beendet sein. Und der Naturpark-Spessart plant schon das nächste, nämlich bequeme Picknickbänke mit Solarladestation, Kühlbox und WLAN. Mal sehn, ob das auch über eine LEADER-Förderung möglich wird…

 

Saustall

Eine weitere der fünf Schutzhütten im Landkreis Miltenberg steht in Großheubach am Standort „Saustall”. Dieser Standort hat eine kulturell-historische Bedeutung, denn hier ist noch der Saustall aus den Zeiten vor den 1930er Jahren zu sehen. Früher hatten viele Haushalte ein Schwein zur Selbstversorgung. Um die Tiere im Sommer zu betreuen und zur Mast in den Wald zu führen hatte jedes Dorf einen Schweinehirten. „Oft der ärmste Kerl im Dorf,” so Günter Oettinger. In jedem Wald gab es einen Saustall, oft an der Gemarkungsgrenze gelegen. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt”, so Oettinger. Dieser Pferch wurde aus Steinplatten vom heimischen Steinbruch, sogenannte Stellsteinen, gebaut. Der Schweinehirte hatte eine Hütte bei den Tiere. Tagsüber führte er die Tiere in den Wald, wo sie Eichen und Bucheckern fraßen. Überschritt er dabei mit den Tieren die Gemarkungsgrenze wurde er oft verprügelt. Heute zeugen noch alte Stellsteine, wie an der Schutzhütte in Großheubach von der Schweinemast im Wald. Auch Straßen, die bis heute „Am Trieb” heißen, zeugen von dieser Zeit. Die Tradition der Schweinehirten und Sauställe starb mit wachsendem Wohlstand und mit der Verfügbarkeit von anderem Futter. Heute wird Fleisch von Schweinen aus natürlicher Eichelmast teuer importiert und gilt als Delikatesse.

 

Grundschule Dorf-/Stadtprozelten möchte Naturpark-Schule werden

15.06.2021

 

Die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten wird bei der Natur- und Umweltbildung zukünftig enger mit dem Naturpark Spessart e.V. zusammenarbeiten. Am 8.6. unterzeichneten Vertreter:innen der 1972 gegründete Verbandsschule, der beteiligten Gemeinden und des Naturparkvereins eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Das Ziel: die Zertifizierung der Grundschule als offizielle Naturpark-Schule gemäß den Kriterien des Verbands deutscher Naturparke.

„Die Kooperation mit dem Naturpark Spessart ist das i-Tüpfelchen für die Schulgemeinschaft”, freut sich Elisabeth Steger, Bürgermeisterin der Gemeinde Dorfprozelten. In und um die Schule ist man seit jeher in Sachen Umwelt aktiv. „Hier wurde schon immer auf eine naturnahe Bepflanzung geachtet”, so die Bürgermeisterin; die Kinder seien eifrige Unterstützer:innen. Zum Beispiel bei Flursäuberungen oder dem Anbringen und Pflegen von Nistkästen.

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks freut sich über die Partnerschaft mit der Grundschule: „Die 10-jährige Erfahrung mit der Grundschule Partenstein zeigt, wie sehr Lehrkräfte und Kinder von der Kooperation profitieren.“ Der Naturpark will das Konzept daher auch an andere Schulen bringen, doch fehlten dafür die Personalkapazitäten. „Nun, da wir seit gut zwei Jahren unser Ranger-Team haben, können wir das Netzwerk an Naturpark-Schulen ausbauen.”

 

„Unterzeichnung Kooperationsvereinbarung“ (von links) Bürgermeister Rainer Kroth, Andreas Bieber, Rektor Thomas Weigel, Bürgermeisterin Elisabeth Steger und der 2. Vorsitzende des Naturparks Thomas Zöller unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung (Foto: Oliver Kaiser)

 

Naturpark-Rangerin Victoria Schuler wird Ansprechpartnerin für die Grundschule sein. „Ich koordiniere die Aktivitäten und organisiere zum Beispiel gemeinsam mit der Schule, unseren Naturpark-Führerinnen und -führern und anderen Fachleuten Aktions- und Exkursionstage.“
„Dabei gehen wir immer auf die Inhalte des Lehrplans ein”, so die Rangerin. Je nach Jahrgang seien dies zum Beispiel Wiesen und Weiden, Wald und Hecken aber auch Dinge, die für den Ort der Schule typisch sind und die regionalen Nutzungsformen widerspiegeln „Schauen Sie: hier haben wir den Main direkt vor der Schule. Ich könnte mir vorstellen, dass wir etwas zum Thema Fischerei machen. Oder ein Aktionstag zur Streuobstwiese, an dem wir dann gemeinsam mit den Kindern Streuobst sammeln und Apfelsaft pressen.”

Rainer Kroth, Bürgermeister von Stadtprozelten, ergänzt. In Zeiten, wo die Kinder immer mehr mit Handy konfrontiert werden, sei es wichtig, dass sie die Natur erleben. „In meiner Generation war die Natur noch wichtiger als Hausaufgaben. Da war man nach der Schule sowieso den ganzen Tag draußen.”
Er habe selbst schon verschiedene Natur-Aktionen geleitet; er erlebt Kinder an solchen Tagen als aufgeschlossen und begeistert.

Thomas Weigel ist seit 2017 Rektor der Grundschule (seit 1996 als Lehrkraft an der Schule) und bestätigt, dass Umweltbildung gut bei den Kindern ankomme. Genau so solle nachhaltiges Lernen aussehen: „Wir stellen fest, dass Wissen dann hängen bleibt, wenn alle Sinne angesprochen werden — wenn man Inhalte mit Herz, Hand und Verstand vermittelt.”
Gerade in Corona-Zeiten war die Umweltbildung eine tolle Abwechslung. „Während die Kinder in der Zeit sehr viele Arbeitsblättern bearbeiten musste, waren Umweltaufgaben eine Bereicherung.” Die Kinder seien zum Beispiel mit Eifer bei der Sache gewesen, als es darum ging Wiesenblumen zu bestimmen.
Rektor und gesamtes Kollegium sehen die Zukunft zusammen mit dem Naturpark Spessart als gewinnbringend für die Kinder.

 

„Bürgermeister und Rektor“ (von links) Bürgermeister Rainer Kroth, Bürgermeisterin Elisabeth Steger und Rektor Thomas Weigel freuen sich über die Kooperationsvereinbarung mit dem Naturpark Spessart (Foto: Oliver Kaiser)

 

Andreas Bieber, Vorsitzender Schulverband Dorf-Stadtprozelten, freut sich ebenso über die Unterstützung von außen. Er hat Erfahrung in Sachen Natur, war ehemals als Fachberater für Umweltbildung im Landkreis Miltenberg aktiv.
„An der Schule vermitteln wir oftmals nur das Wissen, aber durch die Aktionen und die Praxis mit dem Naturpark Spessart wird dieses Wissen geerdet”, so Bieber.

Erst wenn Kinder selbst entdecken und bestaunen könnten, entwickle sich echte Wertschätzung. „Nur so entsteht Verbundenheit mit der Natur.” Das sei, so Bieber, der große Vorteil des ländlichen Raums. „Wir haben die Natur hier vor Ort, für die Leute aus der Stadt erst rausfahren müssen.”

Thomas Zöller, stellvertretender Vorsitzender des Naturparkvereins und Bürgermeister des Markts Mönchberg freut sich, dass so viele Schulen im Landkreis Miltenberg an der Zertifizierung zur Naturpark-Schule interessiert sind. „Nach Faulbach sind wir jetzt hier soweit und auch in Mönchberg und Röllbach haben die Schulen Interesse.”
Für Zöller ist klar: „Es gibt keinen Plan B für unseren Planeten, es gibt nur diesen einen!” Und den gelte es zu schützen. „Nur, wenn wir unseren Kindern beibringen, dass man mit der Natur gut umgeht, sehe ich eine gute Zukunft für weitere Generationen.”

„Gruppenbild 2“ (von links) Die Kooperationspartner im angeregten Gespräch, vorne Rangerin Victoria Schuler und Rektor Thomas Weigel, im Hintergrund die Bürgermeister Kroth, Zöller und Steger (Foto: Oliver Kaiser)

 

Bürgermeisterin Elisabeth Steger ist überzeugt: Durch das Fachwissen und die Förderung durch den Naturpark Spessart bekommt das Thema Umweltbildung eine andere Wertigkeit für die Schule. „Ich bin sehr froh, dass Rektor und Lehrerschaft die Kinder mitziehen und gemeinsam für die Natur aktiv werden.”

Die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten könnte die vierte offizielle Naturpark-Schule im Spessart werden. Bereits zertifiziert sind die Grundschulen in Partenstein und Faulbach. Die Grundschule in Mömbris-Gunzenbach wird heuer die Auszeichnung erhalten. Bundesweit gibt es inzwischen über 130 Naturpark-Schulen. Das Konzept stammt aus Österreich: Schulen kooperieren eng und dauerhaft mit Naturparkverwaltungen und regionalen Partnern. So werden den Kindern Natur- und Nachhaltigkeitsthemen vermittelt.

 

 

Mit dem Gebietsbetreuer unterwegs auf der Wasserbüffelweide

Juni 2021

 

Windheim
Was macht der Wasserbüffel im Hafenlohrtal? Er kommt nicht nur mit der kargen Kost und dem nassen Untergrund zurecht. Durch die landwirtschaftliche Nutzung entsteht ein Lebensraum, der Artenvielfalt erst entstehen lässt.

Vergangene Woche fanden zwei VHS-Führungen zu den Wasserbüffeln im Hafenlohrtal statt — wenn auch mit Maskenpflicht. Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart, zeigte den Teilnehmenden, wie die kolossalen Weidetiere im unteren Hafenlohrtal leben und was sie erschaffen.

Christian Salomon begleitet das Wasserbüffelprojekt, das als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet wurde, seit 2009. „Bevor der Naturpark Spessart e.V. das Projekt initiiert hat, lag der Talabschnitt brach, war verbuscht oder mit Fichten-Monokultur bepflanzt.” Eine Artenvielfalt, wie sie heute besteht, war undenkbar.

Die Teilnehmenden der VHS-Führung kamen, um die Wasserbüffel zu sehen, „aber auch für das ganze Drumherum”, so eine Teilnehmerin aus Karsbach.

Während die Wasserbüffel ein Bad in einem Weiher auf ihrer Weide nehmen, informiert Landwirt Reinhold Tausch über die Tiere: 5000 Wasserbüffel werden in Deutschland gehalten; sie sind jedoch keine Wildtiere. „Sie sind seit Jahrtausenden domestiziert und werden für die Fleisch- oder die Milchproduktion für Büffelmozarella gehalten”, so der Bio-Landwirt aus Bergrothenfels.

 

Teilnehmende mit Christian Salomon (rechts im Bild), im Hintergrund die Exmoor-Ponies (Foto: Jennifer Weidle)

 

Was macht die Wasserbüffel so ideal für die Haltung im Hafenlohrtal?
Tausch erzählt, er habe auf den Weiden im Tal einst Galloway-Rinder gehalten. „Die habe ich im Herbst mit dem gleichen Körpergewicht von der Weide geholt, wie im sie im Frühjahr draufgestellt habe.” Die karge Kost, wie Binsen und Seggengräser, reiche üblichen Weidetieren als Futter nicht. Die Wasserbüffel, die im Jahr 2019 Gesellschaft durch drei Exmoor-Ponies bekamen, nähmen mit dem Futter sogar noch zu; das Fleisch vermarktet der Landwirt auf Anfrage.

„Als ich noch wenig Erfahrung mit den Büffeln hatte, hätte ich einmal fast die Feuerwehr gerufen”, erzählt der Büffelflüsterer. Eine Kuh habe bis zum Bauch im Morast festgesteckt. „Die hat sich dann einfach rausgerollt. Jedes andere Tier wäre in Panik verfallen.”
Während der feuchte Boden bei üblichen Weidetieren zu Krankheiten an Hufen und Klauen führen würde, seien Wasserbüffel und Exmoor-Ponies - die das Moor schon im Namen tragen - hier ideale Weidetiere.

Was die Wasserbüffel brauchen und so ganz nebenbei für die Artenvielfalt tun, zeigt Gebietsebetreuer Christian Salomon einige hundert Meter weiter.
Die Teilnehmenden sind dafür über das Tor der Nachbarweide geklettert - die ist gerade „unbebüffelt“, sonst wäre das Betreten zu gefährlich. Die Kinder dürfen mit Kescher und Gläsern kleine Tiere aus dem Tümpel fischen. „Ich beobachte gerade einen Mord!”, ruft die Zwölfjährige entsetzt. Eine Gelbrandkäferlarve (Dytiscus marginalis) nutzt die Situation im engen Glas, um einen Fadenmolch zu erlegen. „Das ist eben Natur”, so Salomon, der den Kindern aber zeigt, dass noch ganz viele kleine Molche im Tümpel leben.

 

Die Kinder bestaunen die in einer Büffelsuhle gefundenen Tiere, u.a. Libellenlarve und Teichmolch (Foto: Jennifer Weidle)

 

Dass Amphibien und Insektenlarven, wie die Blaupfeil-Libelle (Orthetrum brunneum), hier einen Lebensraum gefunden haben, verdanken sie den Wasserbüffeln – denn die haben den Tümpel angelegt. „Das machen die natürlich nicht uneigennützig”, so Salomon. Wasserbüffel haben – im Gegensatz zu anderen Rindern – kaum Schweißdrüsen, in ihrem feuchten Lebensraum gibt es jedoch viele Stechmücken. „Um sich zu schützen, legen die Tiere Suhlen an und wälzen sich im Schlamm.” Dabei fänden die Büffel genau die Stellen, in denen sich Wasser sammelt.

 

Allen teilnehmenden Eltern ist wichtig, dass die Kinder rauskommen und so einen Bezug zur Natur entwickeln. Matthias Meidhof und Sohn Noah (9) sind aus Lohr hergekommen; er zeigt auf den Bach, die „wilde Weide” und das vorbeihuschende Reh. „Wir sind ja noch so aufgewachsen”, sagt er, sich umblickend. „Heute ist die Umgebung der Kinder viel mehr menschengemacht.” Er und seine Familie seien viel draußen, er nutzt nun die Führung, um vom Gebietsbetreuer Salomon Fachwissen aus erster Hand zu bekommen.

„Ich habe eine Spur gefunden!”, ruft ein Kind. Im feuchten Ufer der Hafenlohr finden die Kinder Abdrücke von Reh und Pony. Salomon erklärt anhand von mitgebrachten Fotos, welche Tiere hier noch leben: Der Bestand der Fischotter wächst, die Anzahl der Waschbären, die Amphibienlaich und Vogeleier fressen, leider auch. Die Teilnehmenden staunen über das Foto von einem Luchs, das erst kürzlich mit einer Fotofalle des Naturpark Spessart ganz in der Nähe aufgenommen wurde.

 

Gebietsbetreuer Christian Salomon zeigt Bilder von weiteren Bewohnern und Gästen der Büffelweide im Hafenlohrtal (Foto: Jennifer Weidle)

 

Selbst der Gebietsbetreuer wird immer noch überrascht. „Durch die Beweidung wächst hier seit einiger Zeit ein Weideunkraut.” Er zeigt auf die Blätter des Stumpfblättrigen Ampfers (Rumex obtusifolius); dieser wächst dort, wo Büffelfladen den Boden gedüngt haben. Doch statt eines negativen Effekts stellte sich eine neue Art ein: Der große Feuerfalter (Lycaena dispar) legt seine Eier nur an diese Pflanze und hat durch die Wasserbüffel eine Heimat im Hafenlohrtal gefunden.
„Mein Lieblingsfund war jedoch dieses hier”, freut sich Salomon und zeigt das Foto eines Vogelnestes aus Büffelhaar. „Daraus würde ich auch bauen, die Haare haben beste thermische Eigenschaften.”

Als die Teilnehmenden nach rund zwei Stunden zurück am Parkplatz sind, freuen sich auch die Eltern. „Diese Führung ist für alle interessant, nicht nur für Kinder”, so eine Mutter aus Bühler. Und was hat den Kindern am besten gefallen? „Die Ponies”, sagt eine Teilnehmerin und blickt schulterzuckend zu den Büffeln, „ich bin nun mal Pferdefan.”

Christian Salomon hat die Wasserbüffel trotz skeptischer Stimmen durch all die Jahre begleitet. „Wir wollten hier keinen besonderen Hingucker oder Zoo, wir halten die Tiere, weil es hier keine idealeren Weidetiere gibt.” Das Projekt zeigt, dass eine Symbiose zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus möglich ist.

 

 

Neue Infofaltblätter des Naturparks Spessart e.V. für Freizeit- und Erholungsuchende

Mai 2021

 

Wandern, Informieren, Staunen. Der Naturpark Spessart e.V. hat mehr als 40 Faltblätter im Angebot, 14 davon wurden nun neu aufgelegt. 55.000 Faltblätter kamen kürzlich in der Geschäftsstelle in Gemünden an und können ab sofort kostenlos bestellt werden. Sie bieten Einheimischen und Gästen Anregungen für eine Auszeit ganz in der Nähe.

Die 1. Vorsitzende des Naturparkvereins, Landrätin Sabine Sitter, freut sich: „Es ist schön, dass der Naturpark mit seinen Broschüren so eine breite Palette abdeckt und so Familien attraktive Angebote in der Region finden, die sie auch zu Coronazeiten nutzen können.“ Die Mutter zweier Kinder nutzt mit Ihrer Familie gerne die Lehr- und Erlebnispfade: „Da ist für die Kids was geboten und das kommt meist besser an, als der einfache Sonntagsspaziergang“.

„Die Wander-Faltblätter sind analog zu unseren Wander-Infotafeln aufgebaut“, erläutert Julian Bruhn, der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks: „Ein Kartenausschnitt zeigt zwischen drei und sieben Routenvorschläge. Darunter kürzere Spaziergänge für Familien, aber auch längere Wanderungen.“ Zudem gibt es Informationen und Tipps zur jeweiligen Naturpark-Kommune.

Warum musste neu gedruckt werden? „Die meisten der 14 Faltblätter waren vergriffen, zudem mussten Inhalt und Design aktualisiert werden“, erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparkvereins.
Einige Routen wurden ganz neu überarbeitet. Dabei half Markus Latt, ein wanderbegeisterter Ehrenamtlicher des Naturparks: Er überlegte sich spannende Routen, wanderte diese zur Probe und lieferte die passenden Beschreibungen – mit Schwierigkeitsgrad und Kilometerangabe.

„Man kann mit den Wander-Faltblättern alleine eine Tour laufen“, so Bruhn. „Wir empfehlen jedoch, eine passende Wanderkarte dabei zu haben.” Die neuen Faltblätter bieten entsprechende Kartentipps.

 

Landrätin Sabine Sitter, Geschäftsführer Oliver Kaiser und der stellvertretende Geschäftsführer Julian Bruhn stellen die neuen Prospekte vor (Foto: Daniela Kaiser)

 

Details zu den Faltblättern


Neu gedruckt wurden acht Wander-Faltblätter mit Tourenvorschlägen rund um die Naturpark-Kommunen Burgsinn, Fellen, Geiselbach, Kleinkahl, Marktheidenfeld, Mespelbrunn, Obersinn und die Stadt Aschaffenburg.

Für Wanderer, die gerne mehrere Tage am Stück unterwegs sind, wurde das Faltblatt zum Hasenstab-Wanderweg neu aufgelegt. Mit diesem bekommt man einen Überblick über die 60 Kilometer lange Rundwanderung, die den historischen Spuren des Erzwilddiebs im Hochspessart folgt.
 
Überarbeitet hat das Naturpark-Team zudem die zwei Infofaltblätter zum Wald-Erlebnispfad Gemünden und zum Waldlehrpfad in Haibach. Diese Angebote kommen gerade bei Familien gut an.

Die Entdecker-Westen des Naturparks werden in einem eigenen Faltblatt vorgestellt; diese Oudoor-Westen für Kinder können mitsamt Forscherausrüstung gegen eine kleine Gebühr ausgeliehen werden.

Auch dem umfassenden Angebot der ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und -führer ist ein neu gestaltetes Faltblatt gewidmet.
Zu guter Letzt informiert ein Faltblatt über die Wasserbüffel im Hafenlohrtal, erklärt Hintergründe zum Naturschutzprojekt und gibt Hinweise, wo man das Fleisch der Weidetiere kaufen kann.

„Uns ist klar, dass 55.000 Faltblätter eine ganze Menge Papier sind; deswegen nutzen wir Recyclingpapier. Um Transportwege kurz zu halten haben wir eine regionale Druckerei beauftragt”, gibt Oliver Kaiser an.

 

 

Papier ist nach wie vor beliebt


„Trotz der digitalen Angebote nehmen Viele am liebsten eine Broschüre oder Karte in die Hand”, so Kaiser. Sein Kollege Julian Bruhn ergänzt: „Papier hat außerdem einen großen Vorteil gegenüber Smarthone und Co - es braucht keinen Akku und man steht nicht im wichtigsten Moment mit leerer Batterie und ohne Information mitten im Wald.”

Katharina Schilling vom Tourismusverband Spessart-Mainland bestätigt die Nachfrage nach gedruckten Informationen. Sie kümmert sich unter anderem darum, dass Interessierte die Faltblätter des Naturparks per Post bekommen. „Im letzten Jahr haben wir insgesamt 13.000 Sendungen mit Broschüren von Spessart-Mainland und dem Naturpark verschickt. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits über 10.000!“

Die Nachfrage nach heimatnahen Angeboten freut die Naturpark- und Tourismus-Akteurinnen und -akteure, birgt aber auch Probleme: Es gibt Ort, an denen tummeln sich zu viele Besuchende zur gleichen Zeit. Die beiden Naturpark-Geschäftsführer sehen die Infobroschüren und Faltblätter daher auch als Instrument zur Besucherlenkung: „Wir haben viele schöne Orte und Wege im Naturpark Spessart – mit den Faltblättern zeigen wir Alternativen zu den Hotspots auf.“

Die Gesamtkosten des Nachdrucks inklusive Layout, Druck und Personal belaufen sich auf knapp 9.000 Euro. Die Maßnahme wurde von der Regierung von Unterfranken mit 50 Prozent der Kosten gefördert. Die vorgestellten Faltblätter und weitere Infomaterialien können kostenlos bestellt werden. Viele Broschüren sind zudem bei den regionalen Tourismus-Informationen, sowie den Landratsämtern und Rathäusern der Naturpark-Kommunen erhältlich.

 

Zur Prospektbestellung

 

 

Wasserpumpe installiert – Natur-Erlebnispfad Wiesthal kann nun voll genutzt werden

Mai 2021

 

Der neue Natur-Erlebnispfad des Naturpark Spessart e.V. mit acht Stationen im Naturschutzgebiet „Spessartwiesen“ bei Wiesthal ist nun voll einsatzbereit. Nachdem nun nicht mehr mit längeren Frostperioden zu rechnen ist, wurde am vergangenen Freitag an Station 5 "Wiesenwässerung" eine handbetriebene Schwengelpumpe installiert. Bauunternehmer Holger Körner aus Neuhütten und Bauhofmitarbeiter Jens Bernard setzen den schweren Pumpenkopf auf den im letzten Herbst errichteten Pumpenschacht.
Besucher:innen sollen an der Station die Funktionsweise der früher hier in den Spessartwiesen praktizierten Wiesenwässerung spielerisch erleben. Mittels der Pumpe können sie Wasser in eine Zulaufrinne pumpen, die auf dem Grat einer ehemaligen Wässer- bzw. Rückenwiese verläuft. Von dort fließt das Wasser flächig über den gewölbten Wiesenrücken und versickert dort. Überschüssiges Wasser wird über zwei seitliche Ablaufrinnen einem Graben zugeführt.

 

Wiesthals Bürgermeister Karl-Heinz Hofmann weiht die neue Pumpe des Natur-Erlebnispfads ein. Mit im Bild Oliver Kaiser (links), Jens Bernard und Holger Körner (rechte Seite)

 

„Früher hat man natürlich keine Pumpen zur Bewirtschaftung der Wiesen genutzt, sondern das benötigte Wasser an Stauwehren aus den Bächen und Flüssen ausgeleitet und über ein ausgeklügeltes Grabensystem auf den Rückenwiesen verteilt.“ erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturpark Spessart.
Dies bestätigt Andreas Fleckenstein (86), der bei seinem täglichen Spaziergang an der Lehrpfadstation vorbeikommt. Der rüstige Wiesthaler erzählt, dass er als Kind hier die Gräben freigehalten und gemäht hat. „Auf die Wiesen musste immer wieder neues Wasser aufgeleitet werden, um Ungeziefer loszuwerden.“ Maulwürfe und Wühlmäuse wurden durch das Wasser vertrieben, die Wiesen im Frühjahr durch das Wasser erwärmt und gedüngt. „Wasser war ja früher noch genug da“ sagt Fleckenstein. Viel Handarbeit war das, so ohne Traktoren und große Geräte.
Eine Reaktivierung der früheren Zulaufgräben wäre am Erlebnispfad zu aufwändig gewesen, erläutert Oliver Kaiser: „Um die Funktionsweise der Wässerwiese zu demonstrieren, behelfen wir uns daher mit der Schwengelpumpe.“  Der Naturpark-Geschäftsführer ist sich sicher, dass die Wasserpumpe von Familien mit Kindern gerne genutzt werden wird.

 

Jens Bernhard vom Bauhof Wiesthal, Oliver Kaiser vom Naturpark-Spessart und Holger Körner, Bauunternehmer installieren die neue Pumpe - damit ist der neue Natur-Erlebnispfad nun fertig

 

Die Pumpe arbeitet bei einem ersten Test einwandfrei: Wiesthals Bürgermeister Karl-Heinz Hofmann betätigt den Schwengel und kurz darauf fließt klares Wasser in die Wasserrinne. Dass der Pfad bereits vor Fertigstellung der Pumpe rege besucht wurde, kann Hofmann bestätigen. „An Wochenenden oder wenn das Wetter passt, ist hier viel los.“ Tagesgäste, und auch Schulklassen aus den Nachbargemeinden, seien schon hier gewesen.
„Das ist etwas für die ganze Bevölkerung.“ freut sich der Bürgermeister über das starke Interesse. Im Ort wurden bereits Hinweisschilder aufgestellt, die auch die Parkflächen ausweisen. „Viele parken direkt an der Straße, besser ist es an der Kulturhalle zu parken und von dort zu laufen“, erklärt Hofmann. Dies sei auch ein idealer Ausgangspunkt, um die Ruhmühle anzuschauen. Die letzte von ehemals sechs Mühlen in Wietshal ist ein beliebtes Ausflugsziel und wird gerade vom Mühlenverein neu hergerichtet. Auch hier hat die Gemeinde Wiesthal finanziell unterstützt.
„Hier war schon wieder der Maulwurf am Werk!“ schmunzelt Andreas Gries, Naturpark-Ranger und holt eine Schaufel aus seinem Wagen, um die Wasserinne nach dem Probelauf der Pumpe von Erde zu säubern. Das Team des Naturpark Spessart wird die Stationen des Erlebnispfads regelmäßig kontrollieren; leider ist neben den natürlichen Einflüssen auch Vandalismus immer wieder ein Thema. „Wir stehen als Naturpark-Ranger natürlich auch für Besuchende immer für Fragen zur Verfügung. Und wir freuen uns, wenn wieder Führungen möglich sind.“
„Wir, vom Bauhof Wiesthal, werden hier zukünftig ebenfalls nach dem Rechten sehen und vor allem für das Mähen der Flächen zuständig sein", ergänzt Bauhofmitarbeiter Jens Bernard. Oliver Kaiser lobt das Engagement von Bernard und dessen Kolleg:innen: „Es ist schön, wenn man weiß, dass bei der Gemeinde zuverlässige Leute sind, die sich um den Erlebnispfad kümmern“.  Ihm ist es sehr wichtig, dass bei den Projekten alle an einem Strang ziehen. Der Pfad wurde daher in enger Abstimmung mit der Gemeinde Wiesthal gestaltet; die Gemeinde ist Projektpartner und finanziert den von der Regierung von Unterfranken geförderten Lehrpfad mit.

 „Das ist eine rundum gelungene Sache!“, ist sich Bürgermeister Hofmann sicher. Er ist froh, dass solche Projekte mit Unterstützung der neuen Gemeinderätinnen und -räte, umgesetzt werden können. „Das hier gehört einfach zu unserer Kulturlandschaft und muss erhalten bleiben.“

 

 

Naturpark-Wandertafel auf der Weikertswiese montiert

Mai 2021

 

Die Rechtenbacher Weikertswiese zählt zu den beliebten Wanderzielen im Spessart. Sie ist vor allem für ihre prämierten Wiesenflächen mit seltenen Pflanzenarten wie Heidewicke, Arnika und Knabenkräutern bekannt. An der SPD-Schutzhütte, die für Wanderer immer geöffnet ist, wurde nun durch den Naturpark Spessart (stellv. Geschäftsführer Julian Bruhn, Gebietsbetreuer Christian Salomon) und den SPD-Ortsverein Rechtenbach (Wolfgang Rek, Thomas Riethmann) eine große Übersichtskarte der Wanderwege zwischen Heigenbrücken, Partenstein, Lohr und Rothenbuch angebracht.

 

Vorne sitzend: Wolfgang Rek, SPD-Ortsverein Rechtenbach; hinten rechts Julian Bruhn, Stellv. Geschäftsführer und hinten links Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart (Foto: Thomas Riethmann)

 

Die Druckkosten der Tafel hat die Gemeinde Rechtenbach übernommen. Um Gestaltung und Fertigung hat sich der Naturpark-Verein gekümmert. Der Wunsch nach einer entsprechenden Karte kam von Rechtenbacher Bürgern, die sich bei Arbeitskreisen zum Naturschutz auf der Weikertswiese eingebracht haben.

 

Naturschutzgebiet-Schilder im Sinngrund erneuert – Zahlen der Besuchenden teilweise verdoppelt, Besucherlenkung wichtig

Mai 2021

 

„Die Schilder waren ausgeblichen, verbogen und teilweise beschossen worden“, sagt Oliver Kaiser, Geschäftsführer vom Naturpark Spessart. Er hatte am vergangenen Freitag zusammen mit dem Naturpark-Ranger Andreas Gries die Beschilderung im Naturschutzgebiet (NSG) Sinngrund kontrolliert. Auch der stellvertretende Geschäftsführer Julian Bruhn und Naturpark-Rangerin Victoria Schuler waren als zweites Team bei dem Arbeitseinsatz nördlich von Obersinn dabei. Bei einigen der dreieckigen Schildern mit grünem Rand und dem schwarzen Seeadler in der Mitte genügte eine gründliche Reinigung. Der Großteil der 15-20 Jahre alten Schilder war jedoch stark verblichen und mussten ausgetauscht werden. Auch einzelne Trägerpfosten mussten befestigt oder geradegestellt werden. Nebenbei sammelten das Naturparkteam noch herumliegende Abfälle ein. „Wir haben hier schon so einiges erlebt“, erzählt Andreas Gries (39). Dabei sei die natürliche Alterung der Schilder durch Witterung nur ein Grund für den Austausch. „Es gibt Leute, die nutzen die Schilder illegal als Zielscheibe, da sieht man dann die Einschusslöcher. Neue Schilder werden auch gerne mal entwendet – wir hoffen immerhin als schönes Souvenir“, sagt der Naturpark-Ranger.

 

Montage neuer NSG-Schilder: Naturpark-Ranger Andreas Gries und Victoria Schuler (Foto: Julian Bruhn)

 

Den Zeitpunkt hatte das Team vom Naturpark gezielt gewählt. „Wir haben jetzt sehr viele Leute, die kommen, um die Schachblumen zu sehen“, so der Geschäftsführer. Die Beschilderung ist Teil der so genannten Besucherlenkung: Menschen sollen durch die Schilder dafür sensibilisiert werden, dass sie sich in einem NSG befinden und hier spezielle Regeln gelten. Doch was ist im NSG erlaubt und was nicht? Der Naturpark-Ranger erklärt: „Das Problem ist, dass es keine pauschalen Aussagen gibt. Jedes Naturschutzgebiet hat eine separate Gebietsverordnung, die Gebote und Verbote regelt.“ Fast in allen Naturschutzgebieten gilt ein so genanntes Wege-Gebot. Dies bedeutet, dass Besuchende auf festen Wegen bleiben müssen; was auch für die begleitenden Hunde gilt. „Manche Menschen meinen, dass sie die Hunde im Naturschutzgebiet doch laufen lassen können, wenn es um den Schutz der Pflanzen und nicht der Tiere geht“, sagt der Naturpark-Ranger – dies sei aber nicht richtig, denn im Naturschutzgebiet gibt es trittempfindliche Pflanzen. „Denen ist es egal ob sie von zwei oder vier Beinen zertreten werden“, meint Gries. Außerdem gibt es derzeit auch   viele Vögel, die in der Wiese brüten; Hunde seien hier eine Gefahr. Ebenfalls in allen NSG verboten: Grünabfälle entsorgen oder Pflanzen einbringen. Gries: „Es gibt Menschen, die meinen, sie tun etwas Gutes, wenn sie Saatgut verstreuen oder sogar Pflanzen gezielt pflanzen.“ Dies sei aber, auch wenn es sich um heimische und insektenfreundliche Pflanzen handle, nicht erlaubt und könne das empfindliche Gleichgewicht der Flora stören. Aber einen Strauß Gänseblümchen wird man doch wohl pflücken dürfen! Auch dies nicht, so der Naturpark-Ranger. Auch das Entnehmen von Pflanzen, und zwar nicht nur der geschützten, ist im NSG verboten. Allen NSG gemein ist auch das Verbot von Lagerfeuer und Camping; Kraftfahrzeuge dürfen ausschließlich auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Und hier wird eine Sache langsam zum Problem: Es gibt keine Toiletten an den Parkplätzen.

 

Montage NSG-Schild: Ranger Andreas Gries
(Foto: Oliver Kaiser)

 

Es seien definitiv mehr Besuchende geworden, meint Oliver Kaiser. „Wir sehen das vor allem an den vielen herumliegenden Papier-Taschentüchern an den Radwegen und Parkplätzen“, sagt er. Die Ausflügler bringen ihre Brotzeit mit und erleichterten sich dann im Gebüsch; auch wenn es durchaus öffentliche Toiletten in den umliegenden Ortschaften gäbe. Dabei seien die natürlichen Hinterlassenschaften weniger das Problem, als vielmehr die Taschentücher, denn „die verrotten deutlich langsamer als die Häufchen.“ Auch die Naturpark-Rangerin Victoria Schuler (28) betrachtet die steigende Zahl der Besuchenden mit Sorge. Sie nutzt für die Ermittlung der Besuchenden einen Personenzähler; ein kleines Handgerät, das beim Drücken auf einen Knopf nach oben zählt. „Wenn ich z.B. im NSG „Exe“ bei Aschaffenburg einmal meine Runde laufe, zähle ich schon mal 170 Menschen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.“ Sie meint, dass der Wunsch nach draußen zu gehen, seit Beginn der Pandemie stark zugenommen hat. „Wir sind ja froh, wenn die Leute die Heimat kennenlernen. Nur dadurch wird auch die Liebe zur Natur geweckt – und was man liebt, das beschützt man.“ so die Naturpark-Rangerin. Auch werde der Spessart durch den Naturpark mit seinen Schutzgebieten überregional immer bekannter. „Wichtig ist nur, dass die Regel im NSG befolgt werden und die Leute sich vernünftig verhalten.“ Zur Vernunft gehört für Schuler auch, die Naturpark-Hotspots an Sonn- und Feiertagen manchmal zu meiden. „Wenn man sieht, dass bereits 100 Autos am Parkplatz stehen, ist es gut, einen Plan B zu haben.“ In manchen Gebieten sei es durch die schmalen Wege nicht möglich Abstand zu halten; die Sitzgelegenheiten seien alle belegt. Eine freie Sitzgelegenheit fand das Team des Naturparks hingegen bei seinem Arbeitseinsatz im Sinngrund. „Wir haben unsere neue Schutzhütte in der Mittagspause eingeweiht“, freut sich Andreas Gries. Die Schutzhütte befindet sich oberhalb von Obersinn, an der Grenze zum Hessischen.

 

Reinigung alter NSG-Schilder: Rangerin Victoria Schuler
(Foto: Julian Bruhn)

 

 

Beliebte Wanderziele im Naturpark –
23 neue Schutzhütten gebaut

April 2021

 

 „Dies ist ein klassisches LEADER-Projekt, wie es sein sollte“, so Peter Niehoff von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Spessart e.V. bei der Einweihung der neuen Schutzhütte am Zollberg; der ersten von 23 Hütten, die im Naturpark aufgebaut werden.

Gemündens Erster Bürgermeister Jürgen Lippert dankte Julian Bruhn, dem Initiator und Projektleiter vom Naturpark Spessart, Peter Niehoff für die Förderabwicklung und der federführenden Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal für die hervorragende Umsetzung.

Julian Bruhn: „Wir als Naturpark Verein könnten so ein Riesenprojekt ohne unsere Partner und die Kommunen gar nicht stemmen. Es freut mich besonders, das alle an einem Strang ziehen.“

„Es war viele Jahre meine Vision neue Schutzhütten zu installieren“, so Bruhn. Doch es war klar, dass so ein Großprojekt nicht alleine möglich sein wird. „Wir hatten zunächst keine Möglichkeit, das mit externen finanziellen Mitteln fördern zu lassen.“

Dann die Idee: „Wenn wir eine LAG hätten, die möglichst den ganzen Naturpark abdeckt, könnten wir das sogar mit Geldern der Europäischen Union bezahlen.“ Der Naturpark habe sich dafür eingesetzt, dass der Spessart neben der bestehenden LAG Main4Eck in Miltenberg noch eine zweite - eine LAG „Spessart“ bekommt und LEADER Region wird.

 

Gruppenbild vor der neuen Hütte am Zollberg mit den Projektpartnern (v.l.n.r: Peter Niehof, LAG Spessart; Robert Herold, Bgm. Burgsinn; Stephan Amend, Bgm. Partenstein, Jürgen Lippert, Bgm. Gemünden a. Main; Lioba Zierres, Bgmin. Obersinn; Ralph Herchet, Zimmerei Herchet; Karlheinz Albert, Bgm. Neuendorf; Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer Naturpark Spessart e.V.) (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Peter Niehoff, der maßgeblich bei der Erstellung des Projektantrags mitgewirkt hat, gibt an, dass mit dem Schutzhüttenprojekt des Naturpark 260.000 € Fördermittel in die Region fließen. „Damit ist dies unser zweitgrößtes Förderprojekt der letzten sieben Jahre“, so Niehoff. 70% der Kosten für die Schutzhütten werden durch LEADER übernommen; damit verbleiben bei den Gemeinden etwa 8.000 € pro Hütte als Eigenanteil. Das Schutzhüttenprojekt des Naturpark habe alles, was ein LEADER Projekt ausmacht, so Niehoff: es ist nachhaltig, bringt einen Mehrwert für Tourismus und Einheimische, vernetzt die Region und ist lokal umgesetzt. „Außerdem kann man dieses Projekt anfassen; es ist nicht nur ein Konzept auf dem Papier.“

Die neuen Schutzhütten stehen an neuralgischen Punkten, die nicht nur Touristen ansprechen, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar sind, wie hier am Zollberg. „Hier am Zollberg kann man auch mit dem Kinderwagen hinfahren“, so Bruhn. Die Standorte sind vom Naturpark-Team so gewählt, dass sie die Wanderregion Spessart wunderbar abdecken. „Die zehn Jahre Zeit für die Planung haben sich gelohnt“, freut sich Bruhn.

 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Die 23 Schutzhütten werden von der Zimmerei Herchet aus Flörsbachtal, nach dem Modell „Vogelhaus“ gebaut. Dieses entstand 2017 in einem hessisch-bayerischen Ideenwettbewerb, den der Naturpark an Zimmerei-Schulen ausgeschrieben hatte.

Die Bayrischen Staatsforsten haben 2018 eine erste Musterhütte bei Waldaschaff gebaut, um zu testen, ob das kleine Modell der Zimmereischüler der Josef-Greising-Schule Würzburg auch in die Realität umzusetzen ist.

Geschäftsführer Ralph Herchet habe die Musterhütten noch deutlich verbessert, so Bruhn. „Man merkt hier wirklich, dass da viel Herzblut reingeflossen ist.“ Ausgestattet werden die hochwertigen Hütten mit einer im Inneren umlaufenden Sitzbank mit Tisch und einer Sitzgruppe aus Fichtenholz. Diese Ausstattung wurde eng mit dem Spessartbund abgestimmt. Gemeinsam wurde zunächst ermittelt, für wie viele Personen Platz in den Hütten geschaffen werden müsste. Im Ergebnis können sich nun einzelne Paare, kleine Familien oder, wenn es die Pandemie wieder zulässt, auch ganze Wandergruppen mit bis zu 16 Personen zum Verweilen in die neuen Hütten setzen. „Ganz wichtig sei eine Tischablage für die Vesper gewesen, denn die darf bei Wanderungen nie fehlen“, so Bruhn.

Ende Juni sollen alle 23 Hütten im Bayerischen Spessart aufgestellt und fertig ausgestattet sein. Im Bereich Lohr und Gemünden werden 5 davon an folgenden Standorten stehen: Zollberg Gemünden, Grotte Neuendorf, Fürstenweg Partenstein, alte Richteiche Burgsinn, Obersinn am Radweg in Richtung Jossa.

Das Schutzhütten-Modell „Vogelhaus“ ist mit einem Vogel-Nistkasten im First ausgestattet. Diese Nistkästen stammen aus der SOS-Dorfgemeinschaft in Hohenroth. Am Zollberg fand die Einweihung schon vor der Offiziellen und ganz im Stillen statt: Ein Meisenpaar hat sich hier ein neues Heim geschaffen.


 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

 

Infobox
LEADER ist die Abkürzung des französischen "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" und wird übersetzt mit "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums". LEADER ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es lokalen Akteuren ermöglicht, regionale Prozesse mit zu gestalten. So kann das Potential einer Region viel besser genutzt werden und erheblich zur Entwicklung der Region beitragen. Zentral in Leader sind die sogenannten Lokalen Aktionsgruppen (LAGs).



Merkmale von LEADER
Die Methode wird durch sieben wesentliche Merkmale geprägt:

  • Bottom-up-Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien: Lokale Akteure sind aktiv an der Regionalen Entwicklungsstrategie, an der Auswahl der Prioritäten bzw. Projekte in ihrer Region beteiligt und eingebunden. Die Beteiligung von lokalen Akteuren umfasst die Bevölkerung im Allgemeinen, wirtschaftliche und soziale Interessengruppen sowie repräsentative öffentliche und private Institutionen.
  • Lokale öffentlich-private Partnerschaften: Lokale Aktionsgruppen (LAGs) bestimmen den LEADER-Prozess in der Region, sind damit Motor der regionalen Entwicklung und müssen zu einer Hälfte aus Wirtschafts- und Sozialpartnern bestehen. Sie werden von einem Regionalmanagement begleitet.
  • Integrierte und multisektorale Aktionen: Verschiedene beteiligte wirtschaftliche, soziale, kulturelle, umweltrelevante Akteure und Sektoren sind miteinander verknüpft und agieren gemeinsam.
  • Innovation: Die LEADER-Regionen haben die Möglichkeit, in ihren Projekten neue Wege zu gehen und auszuprobieren.
  • Kooperation: Die LEADER-Regionen haben die Möglichkeit, mit anderen europäischen LEADER-Regionen oder mit LEADER-ähnlichen Regionen ein gemeinsames transnationales und/oder gebietsübergreifendes Kooperationsprojekt umzusetzen. 
  • Vernetzung: nationaler und europäischer Erfahrungs- und Wissenstransfer. Unterstützt werden die Akteure dabei durch nationale und europäische Vernetzungsstellen.
  • Territoriale lokale Entwicklungsstrategien: beziehen sich auf räumlich genau abgegrenzte ländliche Gebiete und konzentrieren sich auf regionale Besonderheiten

 

Die Programmziele von LEADER in Bayern lauten:

  • innovative und integrierte Entwicklungsstrategien zur Steigerung der Attraktivität und Lebensqualität der jeweiligen Region
  • Stärkung von Bürgerengagement und Zusammenarbeit verschiedener Akteure und Sektoren
  • Förderung von Wertschöpfung und gegenseitiger Wertschätzung durch Vernetzung von Partnern und Projekten
  • Kooperation und Bildung von Netzwerken zur Bündelung von Kräften innerhalb und zwischen LEADER-Gebieten
  • Berücksichtigung der übergreifenden Themen "Umwelt", "Klima" und "demographische Entwicklung"


Weitere Auskünfte erteilt:

Julian Bruhn
Stellv. Geschäftsführer
Naturpark Spessart e.V.
09351 603421
0179 4770040
julian.bruhn@naturpark-spessart.de

 

 

Die Schöne und das Biest – Schachblume und Wasserkreuzkraut im Sinngrund

April 2021

 

„Jeden Tag bekomme ich Anrufe mit der Frage: Blühen sie schon?“ sagt Lioba Zieres, Bürgermeisterin von Obersinn; die Anrufenden meinen die Schachblume im Sinngrund.
 Ja, diese blüht aktuell und jeden Tag kommen Tagesreisende von weit her, um die ungewöhnlichen Blüten zu bewundern und fotografieren. Obersinn hat eigens dazu auf seiner Webseite eine Blütenstandsanzeige geschaltet.
Da im Sinngrund eines der größten Vorkommen der Schachblume in Europa ist, wurde das es 1999 als Flora und Fauna Habitat (FFH) ausgewiesen wurde. Doch die Schachblume hat einen Feind: Das Wasserkreuzkraut, das auf dem gleichen Standort wächst. Beide Pflanzen mögen es mager und feucht.

 

Am Radweg im Sinngrund blühen die Schachblumen - der Naturpark Spessart bittet Besuchenden die Wiesen zum Schutz der Pflanzen nicht zu betreten (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Der Bestand der Schachblume sei zwar stabil geblieben, das Wasserkreuzkraut jedoch vermehre sich in den letzten fünf Jahren massiv, gibt Bruhn an. „Vermutlich liegt es am Klimawandel, aber genau wissen wir es noch nicht.“
 „Das Wasserkreuzkraut ist für Weidetiere hoch giftig“, erklärt Projektleiter Julian Bruhn vom Naturpark Spessart. Wenn Tiere die Fläche beweiden, fressen sie um die giftigen Pflanzen herum. Wird es jedoch gemäht und zusammen mit den Gräsern zu Silage oder Heu verarbeitet, wird es gefährlich; dann fressen die Tiere es mit.
Die Bürgermeisterin sagt: „Wenn das Wasserkreuzkraut mehr wird, verlieren wir die Landwirtinnen und Landwirte, da sie das Futter nicht mehr nutzen können. Und dann gehe auch die Schachblume verloren.“

 

Lioba Zieres, Bürgermeisterin Obersinn und Julian Bruhn, stellv. Geschäftsführer Naturpark Spessart e.V. besprechen die Strategien zur Bekämpfung des Wasserkreuzkrautes - einem Konkurrenten zur Schachblume (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

Um die giftige Pflanze zu bekämpfen gibt es im Naturpark Spessart eine Strategie, die mit öffentlichen Fördermitteln der Regierung von Unterfranken unterstützt wird: Die Ausbreitung der zweijährigen Pflanze wird je nach Bestandsdichte in feste Kategorien unterteilt. Wenige Pflanzen (bis zu 10 Pflanzen pro 10m²) werden von Hand ausgestochen, „wie man das beim Löwenzahn macht“, so Bruhn. Für Juli diesen Jahres sind hierfür ein Einsatz mit dem Bergwaldprojekt und insgesamt fünf weitere Aktionstage mit ehrenamtlichen Helfern geplant. Große Bestände (über 10 Pflanzen pro 10 m²)  müssen vor der Samenreife gemäht werden – dann kommt das Mähgut nach Burgjoss in die Biogasanlage. Der Maschinenring Arnstein wird den Naturpark dabei, wie bereits im letzten Jahr, unterstützen. "Wichtig ist auch hierbei die Unterstützung der Landwirte, die den sogenannten „Ersten Schnitt“ unbedingt selber ernten müssen, da dieses Futter grundsätzlich noch gut zu verwerten ist", sagt der stellvertretende Geschäftsführer hinzu.

 

Rosette des für Weidetiere giftigen Wasserkreuzkrautes - Julian Bruhn erklärt, warum Landwirtschaft und Naturschutz im Sinngrund Hand in Hand gehen (Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

„Es gibt bisher noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, wie man das Wasserkreuzkraut bekämpfen kann ohne die Schachblumen mit zu verlieren“, so Bruhn. Daher testet der Naturpark Spessart seit 2020 auf kleinen Flächen, wie sich eine Düngung mit Festmist auf die Bestände von Schachblume und giftigem Konkurrent auswirkt – mit Sondergenehmigung der  Naturschutzbehörden, denn normalerweise darf im Naturschutzgebiet nicht gedüngt werden.
Naturschutz und Landwirtschaft gehen hier im Sinngrund Hand in Hand. „Das schöne ist: Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt Zieres. Die Schachblume bedeute hier vielen Menschen etwas. „Sie ist unser Wahrzeichen.“
„Ohne die Landwirtinnen und Landwirte und deren Bewirtschaftung würde das Naturschutzgebiet verarmen“, so Bruhn. Kurzfristig entstünde eine Brache mit nur noch wenigen Arten, langfristig würden die Flächen verbuschen. „Um Artenvielfalt zu sichern, sind wir ganz stark auf die Landwirtschaft angewiesen.“
Ob sie übrigens Schachblume, oder Schachbrettblume genannt wird, das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Und die Bürgermeisterin kennt sogar noch einen Begriff: „Kibitzei“.

 

(Foto: Jennifer Weidle / Naturpark Spessart e.V.)

 

 

 

Auf leisen Pfoten

April 2021

 

Nachdem vor über 300 Jahren der letzte Luchs im Spessart erlegt und somit die Population ausgerottet wurde, ist der Spessart lange Zeit luchsfrei geblieben. Seit Ende der 1980er Jahre gibt es jedoch immer wieder Hinweise auf die Anwesenheit von einzelnen Luchsen im Naturpark Spessart. Im Kahlgrund berichtete man vor etlichen Jahren bereits davon, Lautäußerungen der scheuen Jäger gehört zu haben. Hier und da war die Rede von Sichtungen und 2017 gab es ein erstes Foto aus einer Fotofalle der Bayerischen Staatsforsten. In den vergangenen Wochen haben Ranger des Naturpark Spessart e.V. nun einen männlichen Luchs mehrmals mit einer Fotofalle ablichten können.


 

Die Frage, ob die Großkatze tatsächlich wieder heimisch in unseren Wäldern ist, oder ob es sich jeweils nur um durchreisende Tiere auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum und Paarungspartner handelte, bleibt vorerst ungeklärt. Junge Luchse können auf der Suche nach einem freien Revier durchaus weite Strecken zurücklegen. Da sich die Tiere während ihrer Abwanderung an Vegetationsstrukturen orientieren und größere Straßen oft unüberwindbare Hindernisse darstellen können, haben es die Jungluchse auf ihrer Suche nach einem eigenen Territorium nicht leicht.

 

 

Ebenso spannend bleibt die Frage, aus welcher Population die Tiere stammen. Körperbau und Färbung des aktuell fotografierten Luchses lassen laut Expertenmeinung ein Tier aus der Harzer Population vermuten. Im Nationalpark Harz wurden seit dem Jahr 2000 Luchse gezielt wieder angesiedelt. Für eine sichere Bestimmung der Herkunft des Luchses wäre genetisches Material nötig, z.B. Haare, Losung oder Speichel an Beuteresten.

Der Luchs zieht große, geschlossene Waldgebiete vor, er durchstreift aber auch waldärmere Regionen. Ein zusammenhängender Lebensraum ist wichtiger als einzelne, noch so naturnahe, kleinräumige Refugien. Bevorzugt werden von ihm steile bewaldete Hänge. Eingestreute Felsen liebt er als Ruhe- und Aussichtsplätze. So wird er von Menschen oder Artgenossen nicht überrascht. Unterwuchsreiche, vielfältig strukturierte Wälder bieten dem Pirsch- und Überraschungsjäger die besten Jagdchancen. Diese Ansprüche sind für den Spessart so zutreffend, dass unsere Region als potentielles Luchsrevier ideal geeignet wäre. Hier ist allerdings auch die Akzeptanz durch uns Menschen gefragt.

 

 

Erholungssuchende, die sich den Naturraum mit der scheuen Raubkatze teilen, brauchen diese nicht zu fürchten. Luchse meiden die menschliche Anwesenheit, und selbst bei Annäherung wird man sie aufgrund seiner guten Tarnung vermutlich nicht wahrnehmen. Übergriffe auf Nutztiere sind extrem selten. Sollte es dennoch im Ausnahmefall dazu kommen und als Verursacher die scheue Raubkatze identifiziert werden, stehen hier Gelder für Ausgleichszahlungen zur Verfügung.

Luchse benötigen riesige Wohn-, Jagd- und Streifgebiete: bei den Männchen, den Kudern sind es 150-400 km², bei den Weibchen, den Katzen, etwa halb so viel. Sie sind ausgeprägte Einzelgänger. Daher gibt es auch für Jäger keinen Anlass, den Luchs als Beutekonkurrent wahrzunehmen.

 

Kurzportrait Eurasischer Luchs (Lynx Lynx)

  • Aussehen: Hochbeinige Katze, grau bis rötliches Fell, oft mit schwarzen Flecken oder Rosetten, Ohrpinseln (4 cm), Backenbart und Stummelschwanz mit schwarzer Spitze (20–25 cm).
  • Größe: Adulte Männchen 20–26 kg, Weibchen 17–20 kg.
  • Verbreitung: Europa und Asien vom Himalaya bis zur nördlichen Waldgrenze,
  • Habitat: boreale und gemäßigte Wälder, in Zentralasien auch in waldlosen Gebirgen.
  • Raum- & Sozialstruktur: Lebt einzelgängerisch in permanenten Territorien, Weibchen (50–200 km²) und Männchen (150–400 km²) überlagernd, aber exklusiv bei gleichgeschlechtlichen Tieren.
  • Paarungszeit: Februar/April
  • Tragezeit: ca. 70 Tage.
  • Wurfgröße: 2 (1-4) Junge von Mutter 10 Monate geführt, danach Abwanderung.
  • Nahrung: Hauptsächlich Rehe, Rotwildkälber, gelegentlich Füchse, Nutztiere, Kleinsäuger. Pro Luchs etwa 50–60 Paarhufer pro Jahr.

 

 

Was können Sie tun, wenn Sie einen möglichen Riss eines Luchses gefunden haben?
Wichtig ist es, das gerissenen Beutetier am Fundort und in der Position zu belassen, in der es gefunden wurde und dieses nicht anzufassen. Auf keinen Fall darf das Tier mitgenommen werden. Vermeiden Sie es, den Fundort zu verändern oder vermehrt zu betreten. Hierdurch können wichtige Spuren beziehungsweise Fährtenabdrücke unkenntlich gemacht werden.
Vermuten Sie eine Beteiligung eines großen Beutegreifers oder sind Sie sich unsicher, wenden Sie sich an das Bayerische Landesamt für Umwelt, Ihr Landratsamt, das Amt für Landwirtschaft und Forsten in Karlstadt mit seinen Außenstellen oder an die Polizei und übermitteln Sie Hinweise wie Spuren oder Fotos über ein entsprechendes Meldeformular direkt an das Bayerische Landesamt für Umwelt. Geben Sie die Koordinaten des Fundortes, das Funddatum und Ihre persönlichen Kontaktdaten an. Je nach Zustand Ihres Fundes wird der Kontakt zu einem Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer hergestellt. Derzeit sind gut ein Dutzend dieser ehrenamtlichen Berater im Spessart aktiv (Ansprechpartner beim Naturpark Spessart e.V. – Naturpark-Ranger Andreas Gries). Sie sind freiwillig als Ansprechpartner und Rissbegutachter vor Ort tätig und somit Helfer für Nutztierhalter und Jäger. Sie erstellen nach nationalem Standard eine Dokumentation von Hinweisen auf große Beutegreifer und sichern damit wichtige Details, um potenzielle Verursacher festzustellen. Somit bilden Sie eine wichtige Schnittstelle und Unterstützung im landesweiten Monitoring zu Bestand und Entwicklung des Luchsvorkommens in Bayern.

 

 

Magerwiesen am Rodenbacher „Alten Weinberg“ werden wiederhergestellt

Februar 2021

 

Es ist die zwölfte Wiesenfläche, die der Naturpark Spessart e.V im Rahmen eines Förderprojekts des Bayerischen Naturschutzfonds und des WWF mit selbst geerntetem Saatgut angesät hat. Knapp ein halber Hektar stark verbuschter Hanggrundstücke im Lohrer Stadtteil Rodenbach war hierfür im vergangenen Winter händisch freigestellt worden. Übrig blieben einige alte Obstbäume und nackter Boden. Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schafhalter Christian Höhlein und Lohrs Umweltstellenleiter Manfred Wirth säten diese Flächen nun mit Pflanzensamen an. Dieses Saatgut wurde im vergangenen Sommer mit dem Samenernter eBeetle auf Orchideen-reichen Flächen bei Bergrothenfels geerntet. Künftig sollen Höhleins Coburger Fuchs-Schafe die Grundstücke beweiden und damit Landschaftsbild und Artenvielfalt vor erneutem Zuwachsen bewahren.



Begutachtung Saatgut: Manfred Wirth, Leiter der Lohrer Umweltstelle begutachtet das mit dem eBeetle gewonnene Saatgut vor der Ausbringung (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Das bestmögliche Saatgut
„Ein besseres Saatgut gibt es hierfür nicht“, erläutert Projektkoordinator Christian Salomon die Ansaat. „Die Bergrothenfelser Magerrasen sind artenreich, blütenreich, enthalten seltene Arten und sind an diese mager-trockenen Standortverhältnisse hervorragend angepasst.“ Zudem würde die lokaltypische Artenkombination und Genetik erhalten. Viel zu oft würde bei der Anlage sogenannter Blühflächen oder bei der Nachsaat von Wiesenschäden „Einheits-Saatgut“ verwendet, welches diese Unterschiede zunehmend verwische. Dass hier in einigen Jahren sogar das Kleine Knabenkraut wächst, möchte der Gebietsbetreuer des Naturparks zwar nicht versprechen. Orchideen bräuchten zur erfolgreichen Keimung u.a. bestimmte Bodenpilze - da diese Knabenkräuter aber auf einer fast angrenzenden Schafkoppel wachsen, stünden die Erfolgschancen recht gut. Zunächst einmal sollen jedoch die freigestellten Obstbäume noch Pflegeschnitte erhalten.

 

Christian Salomon, Schafhalter Christian Höhlein und Manfred Wirth bringen von Hand das Saatgut auf der vorab entbuschten Fläche in Rodenbach aus (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Kulturlandschaft erhalten
Dem Rodenbacher Christian Höhlein ist die Begeisterung an den Maßnahmen deutlich anzumerken. Anhand historischer Fotoaufnahmen zeigt er, wie offen der ganze Hang noch vor wenigen Jahrzehnten war und er zählt auf, welche Pflanzen hier früher wuchsen. „Die Resonanz im Ort ist absolut positiv“, sagt der Schafhalter. Auch die Eigentümer angrenzender Flächen hätten nun Interesse an der Landschaftspflege. Es werde nun Stückchen für Stückchen zurückgeholt, was den Hang einst so wertvoll gemacht hat.

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Christian Salomon und Schafhalter Christian Höhlein bringen von Hand das Saatgut auf der vorab entbuschten Fläche in Rodenbach aus (Foto: Torsten Ruf)

 

 

Beitrag zur Lohrer Biodiversitätsstratgie
Die Stadt Lohr hat in Ergänzung des Projekts den angrenzenden Hohlweg, einen Abschnitt des europäischen Kulturwanderwegs freigeschnitten. Manfred Wirth sieht in der aktuellen Wiesen-Wiederherstellung „einen leuchtenden Puzzlestein zur Umsetzung der städtischen Biodiversitätsstrategie, eine absolut vorbildliche und sinnvolle Maßnahme.“ Der Naturpark bearbeitet indes weitere Wiesenherstellungen, u.a. im Naturschutzgebiet Hafenlohrtal, bei Heimbuchenthal und Kleinwallstadt. Auch in Lohr steht noch eine weitere kleine Maßnahme an: auf dem sogenannten Eidechsenkorridor am Romberg sollen mehrere kleine Ansaatflächen geschaffen werden, auf denen die Sandgrasnelkenbestände des Naturschutzgebietes durch Samenübertrag gefördert werden.

 

 

Vermarktungsinitiative Grünland Spessart bietet nun auch Fleisch von Wagyu-Rindern

Februar 2021

 

Vor 10 Jahren haben sich Erzeuger, Metzgereien und Gastronomen aus dem Naturpark Spessart zur Vermarktungsinitiative Grünland Spessart zusammengeschlossen. Seitdem werden unter dem Qualitätssiegel „Grünland Spessart – Da ist draußen drin!“ Fleisch- und Wurstwaren von Rindern, Schafen, Ziegen und Wasserbüffeln aus regionaler Weidehaltung vermarktet. Die zertifizierten Mitgliedsbetriebe garantieren dabei eine naturverträgliche und tiergerechte Erzeugung mit regionalem, gentechnikfreiem Futter, kurze Transportwege und eine regionale, handwerkliche Verarbeitung.

Klaus Rothenbücher mit einer Simmentaler Kuh (Foto: Naturpark Spessart e.V.)

 

Die Produkte werden häufig direkt ab Hof vermarktet, so auch bei dem Biobetrieb von Familie Rothenbücher in Kleinkahl. Diese hatte 2002 von der Milchviehhaltung auf Mutterkuhhaltung mit Rindern der Rassen Simmentaler und Angus umgestellt. Seit kurzem kreuzt Klaus Rothenbücher die Simmentaler Rinder mit sogenannten Wagyu-Rindern.


Die Wagyu-Rinder, auch als Tajima-Rinder bezeichnet - kommen ursprünglich aus Japan – übersetzt bedeutet Wagyu „japanisches Rind“. Die Rinder sind meistens Schwarz, es gibt sie aber auch in Rot (ähnlich wie bei Angus). Das Fleisch der Tiere zeichnet sich durch eine besonders gleichmäßige Verteilung des Fettes in sehr feiner Marmorierung im Muskelfleisch aus. Feinschmecker schätzen die zarte Konsistenz und den intensiven Geschmack und bezahlen teilweise hohe Summen für das Fleisch – insbesondere, wenn die Wagyus aus der japanischen Region Kobe stammen. Dort wird das Mästen, aber vor allem auch die Vermarktung und das Essen regelrecht zelebriert. Ein Kilogramm dieses „Kobe“-Fleisches kann je nach Herkunft und Teilstück dann bis weit über 1 000 Euro kosten. Das Fleisch wird traditionell in hauchdünne Scheiben geschnitten und kurz angebraten oder in Brühe erhitzt. 

 

Das Fleisch vom Wagyu ist stark marmoriert (Foto: Marie Rothenbücher)

 

Auch in Deutschland erfreut sich das Fleisch der Wagyu-Rinder zunehmender Beliebtheit. Familie Rothenbücher hat sich daher mit der Familie Gundelach zusammengetan, die ebenfalls eine Rinderzucht in Kleinkahl betreibt, und vor etwa 2 Jahren von einem Züchter in Südbayern drei reinrassige Wagyu-Kühe und einen Bullen gekauft. Die Wagyus werden nun mit den Simmentaler Rindern der Familie Rothenbücher und mit den Galloways und Pinzgauer Rinder der Familie Gundelach gekreuzt. Die beiden Betriebe sind im Spessart damit Pioniere.

 

Simmentaler-Wagyu-Kalb links, rechts ein schwarzer Wagyu-Jungbulle, der für die Zucht vorgesehen ist (Foto: Klaus Rothenbücher)

 

„Wir erhoffen uns mit der Kreuzung bessere Futterverwertung und Bemuskelung der Tiere. Die Wagyus wurden in Japan auch als Zugtiere eingesetzt. Sie sind deshalb stärker in den Schultern bemuskelt und nicht im Hinterviertel, dies wollen wir durch das Einkreuzen mit Simmentaler ausgleichen.“ erklärt Klaus Rothenbücher. Der Landwirt schätzt das sanfte Gemüt der Wagyus und ihre Genügsamkeit. „Sie fressen auch mal einen Brombeerstrauch oder älteres Gras, das macht die Tiere auch für die Landschaftspflege wertvoll“.

 

Vor kurzem hat Familie Rothenbücher nun die ersten 2 Simmentaler-Wagyu-Rinder aus seiner Zucht bei einer nahgelegenen Metzgerei geschlachtet und ab Hof vermarktet: „Das Fleisch sah vielversprechend aus und bezüglich des Geschmacks wurden unsere Erwartungen übertroffen. Auch unsere Kunden sind sehr zufrieden und schwärmen von dem Geschmack und der Zartheit.“ Entsprechend findet das Simmentaler-Wagyu-Fleisch trotz des gehobenen Verkaufspreises (25 € je kg im 10 kg Mischpaket) reißenden Absatz, ebenso wie das auf dem Hof erzeugte Simmentaler und Angus-Biofleisch. Mittelfristig möchte die Familie Rothenbücher 10 Wagyus-Simmentaler-Rinder pro Jahr vermarkten - direkt ab Hof und über die regionale Gastronomie.

 

Simmentaler Kuh, davor Simmentaler-Wagyu-Kalb mit grauem Fell (Foto: Klaus Rothenbücher)

 

Auch die anderen Grünland-Spessart-Betriebe können über mangelnde Nachfrage nicht klagen, gerade auch in Corona-Zeiten. Darüber freut sich auch Guido Steinel, Vorsitzender des Vermarktungsvereins und selbst Tierhalter „Immer mehr Verbraucher essen weniger Fleisch, legen dabei aber Wert auf hochwertige Produkte aus regionaler und nachhaltiger Tierhaltung. Die Marke Grünland Spessart wird diesem Anspruch der Kunden gerecht.“
Weitere Informationen zu Grünland Spessart und seinen Mitgliedsbetrieben gibt es unter www.gruenland-spessart.de

 

 

Kein gedrucktes Programmheft mit Naturpark-Führungen für 2021

Januar 2021

 

Kein gedrucktes Programmheft 2021

Das gemeinsame Jahresprogramm des Naturpark Spessart e.V. und des Hessischen Naturpark Spessart mit 250 bis 300 Naturführungen und Exkursionen gehört seit Jahren zum länderübergreifenden Veranstaltungsangebot im Spessart und traf stets auf großes Interesse. Angesichts der aktuell schwierigen Planbarkeit von Führungen und Exkursionen haben beide Naturparkverwaltungen jedoch beschlossen, kein gemeinsames Programmheft für 2021 zu drucken.


„Aktuell sind keine Veranstaltungen möglich und das Risiko, dass auch später im laufenden Jahr Veranstaltungen aufgrund von Corona-Einschränkungen abgesagt oder verschoben werden müssen, ist groß“ erklärt Oliver Kaiser, Geschäftsführer des bayerischen Naturparkvereins. „Ein Programmheft wäre da kurz nach Druck vermutlich schon veraltet. Zudem haben die Naturparkführerinnen und Naturparkführer aufgrund der Planungsunsicherheit bisher weniger Veranstaltungen für 2021 gemeldet als in den Vorjahren.“

 

Die Naturparkverwaltungen und mehr als 100 ehrenamtlichen Naturparkführerinnen und Naturparkführer hoffen, dass ab Frühjahr die Corona-Auflagen soweit gelockert werden können, dass zumindest Exkursionen draußen wieder möglich sind.


Interessierte finden die bereits geplanten Veranstaltungen der Naturparkführer, Naturpark-Ranger und Gebietsbetreuer in den Veranstaltungskalendern auf den Webseiten der beiden Naturparkverwaltungen und des Tourismusverbands Spessart-Mainland. Hier gibt es tagesaktuelle Informationen sowie Anmelde- und Kontaktdaten. Die Veranstaltungen werden zudem über die Tagespresse und den E-Mail-Newsletter angekündigt.


Die Naturparkverwaltungen hoffen, dass Veranstaltungen wie z.B. eine Biberführung mit der Naturpark-Rangerin Berit Arendt bald wieder möglich sein werden (Foto: Birgit Kähler)

 

So lange keine öffentlichen Naturführungen stattfinden können, empfiehlt das Naturpark-Team den individuellen Besuch eines der zahlreichen Lehr- und Erlebnispfade im Naturpark Spessart, beispielsweise des Streuobst-Erlebnispfads in Schöllkrippen oder des neu fertig gestellten Natur-Erlebnispfads in Wiesthal. Broschüren zu diesen Freizeitangeboten sowie Faltblätter mit Wandervorschlägen sind bei der

Naturpark-Geschäftsstelle Gemünden a.Main
Telefon 09351 603-947
info@naturpark-spessart.de
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Wintermärchen im Spessart - Naturpark bittet um Rücksichtnahme

Januar 2021

 

Schnee und Kälte haben die Hochlagen des Naturparks Spessart in ein Winterparadies verwandelt. Entsprechend viele Sonnen- und Bewegungshungrige hat es in den vergangenen Tagen zum Rodeln, Langlaufen oder zu Schneespaziergängen hinaus in die Natur gezogen.


Blick von der Sohlhöhe in Richtung Bayerische Schanz
(Foto: Christian Salomon)

 

Zwar gestaltete sich der Besucheransturm bisher nicht ganz so dramatisch wie in der benachbarten Rhön, doch auch im Spessart waren Corona bedingt deutlich mehr Erholungssuchende unterwegs als sonst und es kam zu örtlichen Verkehrsbehinderungen. Der Naturpark Spessart e.V. empfiehlt daher, die Wanderparkplätze direkt an den bekannten Anlaufpunkten wie Engländer, Sohlhöhe und Bayerische Schanz gerade zu Stoßzeiten an den Wochenenden zu meiden. Falls möglich, sollten Besucher lieber auf etwas weiter entfernte, weniger frequentierte Parkplätze ausweichen und die gewünschten Ziele erwandern.


Winterfreuden für junge Rodelfans
(Foto: Christian Salomon)

 

Wer den Winterzauber in Ruhe genießen will, sollte ohnehin weniger bekannte Lokalitäten in seiner Nähe besuchen und soweit möglich ganz auf die Anfahrt mit dem PKW verzichten. Der Naturpark Spessart bietet hierfür ein ausgedehntes Wegenetz für Wanderungen und Spaziergänge Tourenportal Naturpark Spessart. Besucher werden gebeten, die markierten Wege nicht zu verlassen und Hunde nicht frei laufen zu lassen, um Wildtiere vor Störungen zu schützen.


Die Naturparkverwaltung bittet um Rücksichtnahme auf Anwohner, andere Erholungssuchende und die Natur, damit alle ihre Freude am Winter haben!

 

Informationen

Weitere Informationen

Daniela Kaiser/Assistenz
Naturpark Spessart e.V.
Frankfurter Straße 4
97737 Gemünden
am Main
Telefon: 09351 603 947
Naturpark Spessart

 

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