Pressemitteilungen

Frühlingsputz im Wassererlebnishaus in Rieneck

Wassererlebnishaus Rieneck im Sommer (Foto: Philipp Fey)

 

Zu einem umfangreichen Arbeitseinsatz am Wassererlebnishaus Rieneck trafen sich dieser Tage Naturpark-Ranger Berit Arendt und Naturparkführerin Gabi Bechold. Das als außerschulischer Lernort und Ausflugsziel beliebte Wassererlebnishaus lädt seit 2012 kleine und große Gäste ein, an interaktiven Stationen die verschiedenen Facetten des Elements Wasser kennen, begreifen und schätzen zu lernen.

 

Bodenfiltermodelle mit B.Arendt (links) und G.Bechold (rechts) (Foto: Berit Arendt)

 

Nach der Winterpause benötigten einige der Stationen eine gründliche Reinigung. Berit Arend und Gabi Bechold schrubbten die stark veralgten Bodenfiltermodelle und befüllten diese neu mit unterschiedlichem Bodenmaterial. Der Sand des Hochwassermodells wurde gesiebt und von Ästen und Steinen befreit. Auch die verschmutzten Schautafeln wurden gereinigt und präsentieren beispielsweise die Bewohner des Fließenbachs im neuen Glanz.

 

Wasserkaskade und Fließenbach (Foto: Berit Arendt)

 

Auch ohne Führung durch die Naturparkführer*innen ist das Wassererlebnishaus einen Besuch wert. Die Anlage im Fließenbachtal ist jederzeit geöffnet, die Nutzung ist kostenlos. Ein Faltblatt mit Anfahrtsbeschreibung und weiteren Informationen ist bei der Naturparkverwaltung
info@naturpark-spessart.de
Telefon: 09351 603947 und unter
Prospekte erhältlich.

 

 

Hochwassermodell mit eifrigen Baumeistern (Foto: Philipp Fey)

 

Der Naturpark bittet um Beachtung der aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung von COVID-19. Sobald ein Besuch des Wassererlebnishauses wieder uneingeschränkt möglich ist, wird der Naturpark hierüber auf seiner Homepage informieren. Die Naturparkführer*innen werden dann auch wieder Führungen anbieten.

 

 

Artenschutz: Hilfsmaßnahmen für den Wasserfenchel & Co im Sinngrund

Das Naturschutzgebiet Sinngrund ist für seine bundesweit größten Schachblumenvorkommen bekannt. Die Talwiesen beherbergen allerdings noch weitere botanische Kostbarkeiten, darunter das bayernweit einzige Vorkommen des Haarstrang-Wasserfenchels (Oenanthe peucedanifolia). Entdeckt wurde das Vorkommen des unauffälligen Doldenblütlers vom Würzburger Botaniker Prof. Dr. Detlev Drenckhahn, der leider auch seit Jahren einen Rückgang der ohnehin seltenen Pflanze feststellt. Klimawandel und zu frühe Mahd könnten dafür ursächlich sein.

 

Blühender Wasserfenchel (Foto: Christian Salomon)

 

Doch jetzt gibt es wieder Grund zur Hoffnung für den feuchtigkeitsliebenden Wasserfenchel. Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon hat nicht nur Landwirte dafür gewinnen können, die meist kleinen Einzelvorkommen des Fenchels später zu mähen, so dass die Fenchelsamen ausreifen können. Der Botanische Garten der Universität Würzburg hat aus entnommenen Samen nun auch erstmals Fenchelpflanzen angezogen, die Gebietsbetreuer Salomon wieder im Sinngrund ausgepflanzt hat. Ähnliche Maßnahmen laufen im Naturpark schon für weitere Pflanzenarten, darunter Sonnentau, Arnika und die besonders seltene Orchidee Herbstdrehwurz. „Den letzten ihrer Art einfach beim Aussterben zuzusehen, ist keine gute Option“, so der Naturpark-Mitarbeiter. Man versuche daher einerseits die Pflege der Standorte zu optimieren und andererseits diese Arten bei der Wiedervermehrung zu unterstützen. Allerdings kommen hierfür nur Samen in Frage, die wirklich von Wildpflanzenbeständen aus dem Spessart stammen. Alles andere könnte die genetische Vielfalt dauerhaft zerstören.

 

Wasserfenchel vor der Auspflanzung (Foto: Christian Salomon)


Neben der Auspflanzung angezogener Pflanzen werden im Naturpark Spessart seit letztem Jahr auch mit der Samenerntemaschine „eBeetle“ ganze Wiesenabschnitte beerntet. Mit diesem Saatgut werden an anderer Stelle dann neue Wiesen angelegt, die neben den seltenen Pflanzenarten auch gleich die zugehörige Pflanzengesellschaft erhalten.

 

Wald-Exkursion als gelungener Auftakt für Aktionen an Naturpark-Schule in Faulbach

Faulbach, 5. März 2020
„Achtung – Baum fällt“, hallt es durch den Wald, gefolgt von einem letzten Aufheulen der Motorsäge. Dann erleben 28 Viertklässler der Grundschule Faulbach mit ihren Klassenlehrerinnen Gabriele Diehm und Michaele Endres-Dicker, wie eine Kiefer laut krachend gefällt wird.  

 

Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt und Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein erläutern den Viertklässlern der Verbandsschule Faulbach bei der Fällung eines Baumes die Nutzfunktion des Waldes (Bildautorin Gabriele Diehm)

 

Die Baumfällung war einer der Höhepunkte der Waldexkursion, welche Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt gemeinsam mit dem Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein am vergangenen Donnerstag für die vierte Klasse der Grund- und Mittelschule Faulbach organisiert hatten. Die Nutzung des Waldes stand bei der halbtägigen Veranstaltung im Vordergrund. Die Kinder lernten spielerisch verschiedene Baumarten kennen und konnten die verschiedenen Aspekte der Holzernte live mitverfolgen - von der gemeinsamen Auswahl eines geeigneten Baumes über die Besprechung der Werkzeuge und Sicherheitseinrichtungen bis hin zur Fällung des Baumes. Katja Sander, Waldpädagogin des AELF Karlstadt, erklärte dabei den Schülerinnen und Schülern die Zusammenhänge: „Wir Menschen brauchen Holz. Zum Beispiel für Stühle, Tische oder auch das Papier, das wir zum Schreiben brauchen. Das ist ein Grund, warum Bäume gefällt werden.“ Spiele und Experimente rundeten den erlebnisreichen und kurzweiligen Vormittag im Wald ab, so dass die Viertklässler mit vielen neuen Eindrücken nach Hause gingen.

 

Katja Sander und Christoph Hengst vom AELF Karlstadt und Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein erläutern den Viertklässlern der Verbandsschule Faulbach bei der Fällung eines Baumes die Nutzfunktion des Waldes (Bildautorin Gabriele Diehm)


Naturpark-Ranger Andreas Schätzlein freute sich über die gelungene Auftaktveranstaltung. Sieben weitere Exkursions- und Aktionstage mit der Faulbacher Schule werden dieses Schuljahr noch folgen. Sie sind Bestandteil der im Herbst 2019 initiierten Kooperation zwischen Naturpark Spessart e.V. und der Faulbacher Verbandsschule sowie deren Zertifizierung als offizielle „Naturpark-Schule“.

 

Schüler erleben bei einem Experiment spielerisch den Aufbau des Holzes (Bildautorin Gabriele Diehm)

 

Die vierte Klasse wird im Sommer erneut den Faulbacher Gemeindewald besuchen und seine Funktion als Lebensraum und die in ihm lebenden Arten genauer kennenlernen. Auch die anderen Grundschulklassen der Faulbacher Schule werden unter fachkundiger Anleitung die Natur vor der eigenen Haustür kennen und schätzen lernen. Themen wie Wasser, Wiese, Beweidung, Hecke, Streuobst, Imkerei und Boden stehen dabei auf dem Programm.

 

Der Naturpark Spessart feiert 60-jähriges Jubiläum

„Mit dem Spessart ist ein Gottesgeschenk in unsere Hand gegeben, das unserer ganzen Aufmerksamkeit und liebvollen Betreuung bedarf, wenn wir selbst seiner Segnung teilhaftig werden und vor der kommenden Generation durch die Weitergabe eines gut verwalteten Erbes bestehen wollen.“
Regierungspräsident Dr. Günder, 1962


Der Naturpark Spessart wird genau 60 Jahre alt. Das großflächige Schutzgebiet wurde am 29. Februar 1960 ausgewiesen, drei Jahre später wurde ein Trägerverein gegründet. Ihre Aufgabe damals wie heute: Schutz und behutsame Entwicklung dieser einmaligen, von Laubmischwald geprägten Landschaft zwischen Main, Kinzig und Sinn. 

 

Georg Bildstein - Regionalplaner und geistiger Vater des Naturpark Spessart (Foto: privat, Quelle Jürgen Krosta)

 

 

Mit Schwarzbauten fing es an
Die Geschichte des Naturparks begann mit Ferien- und Wochenendhäusern, die in den 1950ern vielerorts im Spessart ohne Baugenehmigung errichtet wurden. Um diese Schwarzbauten zu einzudämmen, erließ die Regierung von Unterfranken 1956 eine Verordnung zum Schutz der Landschaft. Drei Jahre später wurden weite Teile des Spessarts als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Am 29.02.1960 erhielt die Region den Status eines Naturparks – als erste in Bayern und eine der ersten in Deutschland. 

 

In den 1970ern werden zahlreiche Freizeitanlagen im Naturpark errichtet, u.a. die „Erholungsstätte Bischborner Hof“, das Foto zeigt Vereinsvertreter und Politiker bei der Eröffnung (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)


Für den neuen Naturpark wurde im Jahr 1961 von der Landes- und Bezirksregierung unter Federführung des Bezirksplaners Konrad Bildstein ein Gesamtentwicklungsplan aufgestellt. Dieser zeigte Möglichkeiten für Pflege und Erhalt der Spessartlandschaft auf - die Freizeit- und Erholungsnutzung nahm dabei eine wichtige Rolle ein. Die Umsetzung dieses Naturpark-Entwicklungsplans sollte ein neuer Trägerverein – der Naturpark Spessart e.V. – übernehmen. Er wurde Ende 1963 von den damals 7 Landkreisen, den zugehörigen Kommunen und dem Spessartbund in Aschaffenburg gegründet. Von Anfang an trägt der Naturpark den Specht als typischen Bewohner der Spessartwälder in seinem Vereinslogo.

 

Anfang der 1970er fehlten Konzepte zur Müllentsorgung, viele Bürger deponierten ihren Abfall in Wald und Flur. Im Sommer 1971 initiierte der Naturpark daher die Aktion „Sauberer Landkreis“. Kommunen und Landkreise wurden aufgefordert, eine wöchentliche Müllabfuhr und offizielle Müllabladeplätze einzurichten (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 


Naturpark im Wandel
Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Wirtschaft und Verkehr im Spessart unterlagen in den letzten 60 Jahren einem stetigen Wandel. Entsprechend haben sich auch Aufgabenschwerpunkte des Naturparks und die Strukturen und Arbeitsweisen des Naturpark-Vereins mit der Zeit verändert: In den 1960ern und 1970ern stand die Schaffung und Unterhaltung von Erholungseinrichtungen im Vordergrund. Der Spessart wurde regelrecht mit Wanderwegen, Trimm-Dich-Pfaden, Parkplätzen, Freizeitanlagen, Schutzhütten und Rastbänken „möbliert“. Die große Zahl an Einrichtungen brachte aber auch Probleme mit sich. Vandalismus, Vermüllung und steigende Unterhaltungskosten führten dazu, dass das Angebot an Freizeitanlagen in den 1980ern wieder reduziert wurde.

 

Rustikale Sitzgarnitur: Der Naturpark war Ende der 1970er mit mehr als 2000 Ruhebänken und Sitzgruppen „möbliert“ (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 

Gleichzeitig rückte der Naturschutz stärker in den Fokus. Neue Naturschutzgebiete sollten sensible Biotope vor den Besuchermassen schützen, z.B. im Sinntal und im Hafenlohrtal. In den Landkreisen entstanden zudem die ersten Landschaftspflegeverbände. Auch die Umweltbildung gewann in den 1980ern und 1990ern an Bedeutung. Neue Lehrpfade, interaktive Erlebnispfade sowie Besucherzentren vermitteln Natur- und Umweltthemen. Ab 1998 bringen zertifizierte Natur- und Landschaftsführer Besuchern und Einheimischen die Vielfalt und Schönheit des Spessarts näher. Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Naturpark zudem verstärkt mit Fragen einer nachhaltigen Regionalentwicklung, z.B. im Rahmen der Weidefleischvermarktung von Grünland Spessart. Der länderübergreifenden Zusammenarbeit kommt hierbei eine immer wichtigere Rolle zu.

 

60 Jahre nach Gründung des Naturpark Spessart sind die mit der Betreuung des Schutzgebiets verbundenen Aufgaben vielfältig wie nie. Und auch die zukünftigen Jahre werden sicherlich neue Aufgaben und Herausforderungen wie z.B. die Auswirkungen des Klimawandels mit sich bringen!

 

Kinder spielen auf einem neu errichteten Holzpferd mit Wagen an der „Erholungsstätte Bischborner Hof“ (Naturpark-Archiv, Fotograf unbekannt)

 

 

Die Geschichte des Naturparks im Überblick

29.02.1960
nach fünfjährigem Verfahren wird der Spessart der erste Naturpark in Bayern.
01.03.1961

Aufstellung eines Gesamtentwicklungsplans für den neuen Naturpark unter Federführung von Konrad Bildstein.
31.10.1963

Gründungsversammlung des Vereins „Naturpark Spessart“, erster Vorsitzender wird Dr. Heinrich Degen, Landrat von Alzenau. Die ehrenamtliche Geschäftsführung übernimmt Georg Keimel.
1963

lautet die Devise „Steig aus und wandere“ – der Spessart bietet dazu 125 Parkplätze und ca. 2000 km Wanderwege.
1970er

Der Tourismus boomt: Pensionen und Hotels bauen ihre Kapazitäten aus. Wandern ist „in“ und die „Trimm-Dich“-Welle beginnt. Gleichzeitig erreicht der Rückzug der Landwirtschaft einen Höhepunkt.
1971

initiiert der Naturpark die Aktion „Sauberer Landkreis“. Kommunen und Landkreise werden aufgefordert, eine wöchentliche Müllabfuhr und offizielle Müllabladeplätze einzurichten.
Christoph Frucht wird 1971

im Auftrag der Staatsforstverwaltung erster forstlicher Naturparkberater Bayerns. Er übernimmt 1981 die ehrenamtliche Geschäftsführung des Naturparkvereins.
1976

Der geplante Trinkwasserspeicher im Hafenlohrtal erhitzt die Gemüter. Erst nach jahrzehntelangem Widerstand wird das Bauvorhaben aus dem Regionalplan gestrichen.
1979

bietet der Naturpark 5.600 km Wanderwege, 2.000 Sitzgruppen mit Papierkörben, 50 Grillplätze, 120 Schutzhütten, 23 Lehrpfade, 3 Ski-Lifte, 13 Wassertretanlagen, 30 Trimm-Dich-Pfade und 342 Parkplätze!
1980er

Es werden neue Naturschutzgebiete ausgewiesen, um sensible Biotope zu schützen, z.B. das Untere Schondratal.
1987

werden Biber von der Elbe im hessischen Spessart ausgesetzt. Heute umfasst der Bestand ca. 250 Tiere.
1995

eröffnet der Naturpark sein erstes Info-Zentrum im Gewölbekeller der Kellereischeune in Lohr.
1996

Der Naturparkverein erhöht erstmals die jährliche Mitgliedsumlage für seine Landkreise und Kommunen von 3 auf 6 Pfennigen pro Einwohner.
1998

Herausgabe des ersten Jahresprogramms mit den neuen Naturparkführern.
2001

der Naturparkverein stellt erstmalig hauptamtliches Personal ein – der Diplomingenieur Marko Drüg wird stellvertretender Geschäftsführer.
2005

Eröffnung der Geschäftsstelle in Gemünden, Beginn der 6-jährigen Überarbeitung des Wanderwegesystems gemeinsam mit dem Spessartbund. Zudem Start des „Biotopverbundprojekts Spessart“ in Kooperation mit dem hessischen Naturpark Spessart.
2006

Die Grundschule Partenstein wird die erste offizielle Naturparkschule in Deutschland.
2006

Eröffnung des neuen Besucherzentrums in Gemünden, erstes gemeinsames Jahresprogramm mit dem Naturpark Hessischer Spessart.
2007

Start des Grünlandprojekts und der „Auenrenaturierung Hafenlohrtal“. Der Spessart wird als erstmals als „Qualitätsnaturpark“ ausgezeichnet.
2009

Die ersten fünf Wasserbüffel grasen im Hafenlohrtal.
2011

Einrichtung der Gebietsbetreuung für Grünland im Spessart mit 2 Teilzeitstellen (Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds).
2011

Gründung der Vermarktungsinitiative „Grünland Spessart“ für regionales Weidefleisch.
2012

Eröffnung des Wassererlebnishauses in Rieneck
2014

Der Naturpark Spessart initiiert die Lokale Aktionsgruppe „Spessart“ und bewirbt sich für das EU-Förderprogramm LEADER.
2016

Die Ankündigung der Staatsregierung, einen dritten Nationalpark ausweisen zu wollen, führt im Spessart zu heftigen Diskussionen und Protesten.
2018

Andreas Schätzlein wird erster hauptamtlicher Ranger im Spessart. Ihm folgen im Frühjahr 2019 Berit Arendt, Victoria Schuler und Andreas Gries.

 

Hilfsbereiter Spessart-Räuber: Mit Spessart-Räuber und Radfahrern wirbt der Landkreis Main-Spessart Anfang der 90er in Tourismusbroschüren (Foto: Weber, Landratsamt Main-Spessart)

 

 

Der langjährige Geschäftsführer des Naturparkvereins Christoph Frucht erinnert sich

„1972 haben wir in der Gemeinde Hain eine Freizeitanlage errichtet und den ehemaligen Triftweiher in Stand gesetzt. Vor Befüllung des Weihers stellten wir darin ein großes Schild auf, das Angeln, Baden und das Betreten der Ufer verbot. Im Februar 1973 kündigte Staatsminister Eisenmann seinen Besuch an. Wir befürchteten, dass das Verbotsschild einen schlechten Eindruck beim Minister hinterlassen würde und wollten es entfernen. Das Schild stand aber inzwischen mitten im Wasser, da kam keiner hin und es war zu kalt, um hin zu schwimmen. Kurzerhand habe ich mit meinem Gewehr das Schild weggeschossen. Der Staatsminister kam dann aber doch erst im Sommer, um die Anlage einzuweihen!“

 

Hintergrund-Info

Wer wird Naturpark? Der Naturpark Spessart ist einer von derzeit 104 Naturparken in Deutschland und 19 in Bayern. Im Bayerischen Naturschutzgesetz ist genau festgelegt, wann eine Landschaft zum Naturpark erklärt werden kann. Möglich ist dies bei großräumigen Gebieten mit mindestens 20.000 Hektar Fläche, die eine charakteristische naturräumliche Ausprägung aufweisen und zu mindestens 50% aus Landschaftsschutzgebieten oder Naturschutzgebieten bestehen. Ihre Natur- und Kulturlandschaft eignet sich besonders für umweltverträgliche Erholung. Gleichzeitig wird in diesen Gebieten eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung und eine behutsame Regionalentwicklung angestrebt. Getragen werden die Naturparke in Bayern meist von Vereinen, in denen sich die Städte, Gemeinden, Landkreise und weitere Akteure aus der Region engagieren.

 

Naturparke präsentieren sich im Bayerischen Landtag

 Naturpark Spessart Vorreiter im Wiesen-Naturschutz

 

München, 6. Februar 2020
Vor knapp anderthalb Jahren beschloss die Staatsregierung, die 19 bayerischen Naturparke im Rahmen der „Naturoffensive Bayern“ zu stärken – u.a. durch eine verbesserte Grundausstattung und die Förderung von hauptamtlichen Naturpark-Rangern. Dass sich diese Investitionen lohnen, zeigten die bayerischen Naturparke, darunter auch der Naturpark Spessart, am vergangenen Donnerstag bei einer ganztägigen Präsentation im Münchner Landtag.  

 

Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit Naturparkvertretern
(Foto: Julian Bruhn)

 

 

Austausch mit Abgeordneten
Landtagspräsidentin Ilse Aigner begrüßte im Maximilianeum rund 50 Vertreter aus den 19 Naturparken, darunter Geschäftsführer, Gebietsbetreuer und zahlreiche Naturpark-Ranger. Diese stellten das breite Aufgabenspektrum der Naturparke sowie ausgewählte Naturschutzprojekte und Produkte aus den Regionen vor. Die Naturparkvertreter nutzten zudem die Gelegenheit zu teils ausführlichen Gesprächen mit Umweltminister Thorsten Glauber, zahlreichen Landtagsabgeordneten und weiteren Vertretern der Ministerien. Große Aufmerksamkeit erhielten dabei zwei Projekte des Naturpark Spessart aus dem Bereich Wiesen-Naturschutz:  

 

Ranger Andreas Gries, Umweltminister Thorsten Glauber, stellv. Geschäftsführer Julian Bruhn und Gebietsbetreuer Christian Salomon mit dem Samenerntegerät „eBeetle“
(v.l.n.r, Foto: Leonhard Anwander)


Büffelwurst aus dem Hafenlohrtal
„Naturschutz geht durch den Magen“ - gemäß diesem Motto hatten der stellvertretende Naturpark-Geschäftsführer Julian Bruhn, Gebietsbetreuer Christian Salomon und Naturpark-Ranger Andreas Gries Bio-Büffel-Pfefferbeißer aus dem Hafenlohrtal zum Verkosten mitgebracht. Anhand der leckeren Würste erfuhren die Abgeordneten anschaulich, wie Naturschutzziele und der Erhalt einer attraktiven Kulturlandschaft mit einer bäuerlichen Bewirtschaftung und regionalen Wertschöpfung in Einklang gebracht werden können. Die Beweidung eines sehr feuchten Talabschnitts mit Wasserbüffeln wurde vor rund 10 Jahren als Pilotprojekt durch den Naturpark Spessart e.V. initiiert. Mittlerweile wurde das Weideprojekt wegen der Naturschutzerfolge mehrfach ausgezeichnet und die Büffelprodukte werden unter der Regionalmarke „Grünland Spessart – da ist draußen drin“ vermarktet. Ein Erfolg, auf den auch MdL Thorsten Schwab stolz ist: „Das ist in meiner Gemeinde“, betonte der Abgeordnete gegenüber seinen Landtagskollegen.

 

Ranger Andreas Gries mit MdL Martina Fehler im Gespräch
(Foto; Julian Bruhn)

 


Saatgut von artenreichen Spessartwiesen
Ebenfalls aus dem Spessart nach München mitgebracht hatte das Naturparkteam den neuen „eBeetle“. Mit dieser Spezialmaschine werden reife Pflanzensamen auf besonders wertvollen Spessartwiesen geerntet, um damit an anderer Stelle wieder neue Wiesen anzulegen oder vorhandene Grünlandflächen aufzuwerten. Die Vorteile gegenüber gekauftem Saatgut sind gravierend: die typischen Artenkombinationen bleiben ebenso erhalten wie die genetischen Anpassungen der Pflanzen an die Region. Es werden nur natürliche Wildformen von Pflanzen verbreitet, an die sich die heimischen Insekten gut angepasst haben. Zudem können dabei seltene und geschützte Arten gefördert werden, die in gekauften Saatgut-Mischungen fehlen. Der Naturpark hat 2019 bereits diverse Wiesen beerntet und das Saatgut wieder ausgebracht. An mehreren Stellen wurden mit teilweise großem Aufwand Wiesen wiederherstellt, wo diese durch Nutzungsaufgabe oder Nutzungsänderungen verschwunden waren. „So einen eBeetle habe ich selbst schon gefahren. Eine tolle Sache!“ lobte Umweltminister Thorsten Glauber das Engagement des Naturparks Spessart.

Experten diskutieren Öffentlichkeitsarbeit zu Natura 2000

 

Workshop-Gruppenbild
Teilnehmer (vlnr.): Christian Salomon, Andreas Gries, Kathrin Risthaus, Hartwig Brönner, Judith Henkel, Axel Reichert, Ulrich Müller, Miriam Koblofsky, Dr. Steffen Scharrer, Franz Saur, Dr. Oliver Kaiser, Bernhard Rückert, Dana Roberts, Jörg Steinhoff
(Foto: Svenja Fischer)

 

Wissen Sie, was sich hinter dem Begriff „Natura 2000“ verbirgt? Wenn nicht, geht es Ihnen wie den meisten Deutschen. Umfragen zeigen, dass nur etwa 10% der Bevölkerung schon einmal von Natura 2000 gehört haben. Nur ca. 5% der Befragten wissen, dass der Name für ein europaweites Netzwerk von Schutzgebieten steht. Schon vor Jahren haben die EU-Mitgliedsstaaten sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen, um die Natur- und Artenvielfalt in Europa zu erhalten. Diese Gebiete werden unter dem Begriff Natura 2000 zusammengefasst. In Bayern machen sie etwa elf Prozent der Landesfläche aus, im Naturpark Spessart sogar 21%.


Trotz der großen Bedeutung für den Naturschutz sind diese europaweit verankerten Schutzgebiete in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt. Bei einem Workshop am vergangenen Donnerstag in Heigenbrücken diskutierten 15 Experten, wie man die Öffentlichkeitsarbeit zu „Natura 2000“ und den dazugehörigen Schutzgebieten im Spessart verbessern könnte.

 

Karte: Natura 2000 im Naturpark Spessart (grün hinterlegt)
Dargestellt sind in Rot die FFH-Gebiete zum Schutz seltener Lebensräume und Arten und in Blau die Vogelschutzgebiete im Naturpark Spessart
(Daten: Bayerisches Landesamt für Umwelt, Geobasisdaten: © Bayerische Vermessungsverwaltung 2020)

 


Die Vertreter von Naturschutzbehörden und -verbänden, Naturpark sowie Land- und Forstwirtschaft waren sich einig, dass Natura 2000 in der bisherigen Naturschutzarbeit in der Region nicht optimal kommuniziert wird. Die meisten Einheimischen und Besucher im Spessart wissen nicht, wo die Schutzgebiete liegen, welchem Zweck sie dienen und welche Verantwortung zum Erhalt der Biodiversität damit verbunden ist. Auch die Potenziale von Natura 2000 hinsichtlich Erholungsnutzung, Bildung, Tourismus und Erhalt unserer Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen werden zu wenig wahrgenommen. Entsprechend gering ist die gesellschaftliche Wertschätzung für diese einzigartigen Naturschätze und für die Akteure, die sie im Rahmen einer angepassten Bewirtschaftung erhalten und pflegen.


Die Workshop-Teilnehmer wollen daher Natura 2000 noch stärker in ihre Öffentlichkeitsarbeit integrieren und bereits laufende Aktivitäten ausbauen. Es wurde vorgeschlagen, Broschüren mit Informationen zu allen Natura 2000 Gebieten im Spessart herauszugeben, die z.B. auch Wandertouren und Freizeittipps beinhalten. Diese Informationen sollen auch für die Presse und das Internet aufbereitet und u.a. auf den Webseiten von Naturpark, Tourismusverbänden, Landkreisen oder Kommunen angeboten werden. Mittelfristig sollen die Schutzgebiete zudem durch neue Ausschilderungen, Informationsstationen und digitale Angebote besser sicht- und erlebbar werden.

 

Blick in den Workshop
(Foto: Svenja Fischer)

 


Weiterhin vereinbarten die Experten, dass Multiplikatoren wie Natur- und Gästeführer oder Ehrenamtliche aus Naturschutzverbänden zu Natura 2000 geschult werden. Diese können das Thema dann gemeinsam mit Naturpark-Rangern, Gebietsbetreuern sowie Wald- und Naturpädagogen zielgruppengerecht in Kindergärten, Schulen und in die breite Öffentlichkeit tragen.


Jörg Steinhoff, Leiter der Höheren Naturschutzbehörde begrüßte die Ergebnisse des Workshops und signalisierte, dass die Regierung von Unterfranken geeignete Maßnahmen unterstützen wird. Herr Steinhoff verwies zudem auf bayernweite Kampagnen, die aktuell im Rahmen des Projekts „LIFE living Natura 2000“ laufen (https://www.ganz-meine-natur.bayern.de/). An diese können die Akteure im Spessart anknüpfen.

Hintergrund des Workshops:
Der Workshop ist Teil eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, das vom Verband Deutscher Naturparke e.V. mit Mitteln des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) durchgeführt wird. In dem Projekt wird bundesweit erstmalig ermittelt, welche Bedeutung und Verantwortung die deutschen Naturparke bei der Umsetzung und Zielerreichung des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 sowie für den Erhalt der Schutzgüter von Flora-Fauna-Habitat- (FFH) und Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL) bereits heute besitzen und künftig haben können. Der Naturpark Spessart wurde als einer der 15 Modell-Naturparke ausgewählt, in denen Aktivitäten zur Umsetzung von Natura 2000 analysiert und erarbeitet werden sollen.

 

Grundschule Faulbach will Naturpark-Schule werden – Kooperationsvereinbarung unterzeichnet

Die Grundschule in Faulbach soll 2020 als sogenannte Naturpark-Schule zertifiziert werden. Schulrektor Axel Keppler, Faulbachs Bürgermeister Wolfgang Hörnig und der erste Vorsitzende des Naturpark Spessart e.V. Thomas Schiebel unterzeichneten dazu am Dienstag, den 3.12.2019 eine Kooperationsvereinbarung. Die Schule wird damit die zweite offizielle Naturpark-Schule im Spessart.

 

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung
(von links: Schulrektor Axel Keppler, Bürgermeister Wolfgang Hörnig und Naturpark-Vorsitzender Landrat Thomas Schiebel) (Foto: Daniela Löber)

 

Die erste Naturpark-Schule im Spessart und die erste in Deutschland war die Grundschule in Partenstein (Landkreis Main-Spessart). Hier bringen seit mehr als 10 Jahren Mitarbeiter der Naturparkverwaltung, ehrenamtliche Naturparkführer sowie weitere Kooperationspartner Schülern und Lehrern die Natur- und Kulturlandschaft näher. Außerschulische Lern- und Erfahrungsorte sind dabei sehr wichtig: Im Rahmen von Exkursionen, Projekttagen und Unterrichtseinheiten lernen die Kinder Lebensräume wie Wiese, Hecke, Wald und Gewässer kennen.


Auch an der Grundschule Faulbach wird eine solch enge Kooperation und Zertifizierung als Naturpark-Schule angestrebt. Ein erster Probelauf fand bereits in diesem Sommer statt. Die Naturpark-Ranger hatten dazu Exkursionen für die Schüler gestaltet und durchgeführt, u.a. wurden Streuobstwiesen, Hecken und ein Bach untersucht. Auch externe Fachleute wurden bereits eingebunden – Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten waren mit der dritten Klasse im Faulbacher Wald unterwegs. Diese Exkursionen sollen zukünftig jedes Schuljahr stattfinden, die Themen werden im Unterricht vor- und nachbereitet. Ab 2020 sollen zudem weitere Partner eingebunden werden, z.B. der örtliche Imkerverein, Gebietsbetreuer für Grünland, Landwirte und der Landschaftspflegeverband. Die Grundschüler lernen so im Laufe ihrer vier Schuljahre die wichtigsten Lebensräume des Spessarts und verschiedene Akteure in dieser Kulturlandschaft genauer kennen.


Exkursion zum Thema Hecke mit der ersten Schulklasse der Grundschule Faulbach am 12. Juli 2019 mit den Naturpark-Rangern Andreas Gries und Andreas Schätzlein (Foto: Grundschule Faulbach)

 

Der Naturpark-Vorsitzende Thomas Schiebel freut sich sehr über die Kooperation mit der Faulbacher Grundschule und hofft, dass noch weitere Schulen im Spessart dem Beispiel folgen werden. Mit den neuen Naturpark-Rangern verfügt der Naturparkverein inzwischen auch über die zur Betreuung der Schulen notwenigen Personalkapazitäten.


Die beiden Faulbacher Vertreter Wolfgang Hörnig und Axel Keppler sind „glücklich und froh über die Kooperation mit dem Naturpark, da wir hier vor Ort im Südspessart fast paradiesische Zustände haben um mit den Kindern raus zu gehen und in, durch, mit und von der Natur zu lernen.“


 

Mitglieder des Naturparkauschusses mit Projektpartnern nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung am 3.12.19 in Faulbach.
Landrat Schiebel überreichte Schulrektor Axel Keppler und Bürgermeister Wolfgang Hörnig eine Spessartkarte für die Schule. (Foto: Julian Bruhn)

 

 

Was ist eine Naturpark-Schule?


Die Idee, die Zusammenarbeit zwischen einem Naturpark und einer Schule noch intensiver und langfristiger zu gestalten und diese Schulen als „Naturpark-Schule“ auszuzeichnen, wurde vor einigen Jahren in Österreich entwickelt. Dabei wird der Schulträger, z.B. die Gemeinde, von vornherein als dritter Partner mit einbezogen. Grundgedanke ist es, Kindern und Jugendlichen auf bildungsplanorientierter Basis Themen aus den Bereichen Natur und Kultur mit außerschulischen Partnern zu vermitteln. Diese Themen werden verbindlich und dauerhaft mit hohem Praxisbezug im Lehrplan verankert.


In Naturpark-Schulen werden Naturpark-Themen wie Natur und Landschaft, regionale Kultur und Handwerk, Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht, in Exkursionen oder an Projekttagen behandelt. Die Schülerinnen und Schüler lernen auf diese Art ihre Region kennen und werden für sie begeistert.


Die Idee der Naturpark-Schulen hat 2012 der Verband der Deutschen Naturparke VDN aufgegriffen und ein offizielles Zertifizierungsverfahren ausgearbeitet. Kriterien sind u.a. die Lage der Schule in einem Naturpark, die Verankerung der relevanten Themen im Unterricht und im Schulleben sowie die Einbindung von weiteren Partnern wie Natur- und Landschaftsführern, Landwirten, Förstern oder Handwerkern.


Inzwischen sind über 100 Naturpark-Schulen in ganz Deutschland nach diesen Kriterien vom VDN zertifiziert worden. Die Auszeichnung „Naturpark-Schule“ wird für einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren verliehen.


Weitere Infos zu den Naturpark-Schulen gibt es unter
www.naturparke.de

 

 

Kreuzwertheimer Streuobstgebiet - Hotspot seltener Arten

Untersuchungen belegen außergewöhnliche Wertigkeit
Naturpark pflanzt Bäume

 

„Ehrlichsgärten“ lautet die Bezeichnung für das 45 Hektar große Streuobstgebiet direkt nördlich des Kreuzwertheimer Altortes. Einst haben Kreuzwertheimer Bürger und der BUND Naturschutz hier erfolgreich gegen eine Überbauung gekämpft. Heute zählt das Gebiet zum europäischen Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Maintalhänge zwischen Bürgstadt und Wertheim“ und der Wert dieser Streuobstwiesen wird zunehmend erkannt. Die Marktgemeinde, viele betroffene Eigentümer und Flächennutzer beteiligen sich bereits aktiv an Maßnahmen zum Erhalt dieses „Paradieses vor der Haustüre“. Ein echtes Vorzeigebeispiel angesichts der aktuellen Fragestellungen um den Rückgang der Biodiversität.

 

Gartenrotschwanz (Foto: H. Brönner)

 

Aktuelle Kartierungen

Zu dieser Wertschätzung tragen auch aktuelle Untersuchungen des Naturpark Spessart e.V. bei, mit denen der Vogelkundler Hartwig Brönner und der Käferspezialisten Dr. Jürgen Schmidl beauftragt wurden. Mehr als 50 seltene und gefährdetet Vogel- und Käferarten haben die beiden Experten im Gebiet nachgewiesen. Alle sind eng an den Lebensraum Streuobstwiese gebunden. „Wertvoller geht es nicht“, fasst Christian Salomon, Biodiversitätsbeauftragter an der Regierung von Unterfranken die Ergebnisse zusammen. „Magere Wiesen, alte Bäume, großer Strukturreichtum und sanfte Nutzung“, benennt er das Rezept für diese Vielfalt.

 

106 Holzbewohnende Käferarten
Alleine 106 holzbewohnende Käferarten wurden mit Hilfe verschiedener Fallen aktuell nachgewiesen. Diese Artengruppe gilt als besonders guter Indikator für die gesamten Lebensgemeinschaften, denn sie reagiert sehr sensibel auf negative Veränderungen. So sind auch 43 der gefundenen Käferarten in Bayern als „gefährdet“ bis „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der bekannteste unter den aktuellen Käferfunden ist sicher der Hirschkäfer. Am spektakulärsten sind jedoch die Nachweise von gleich drei Urwaldreliktarten – extrem seltene Arten, die so anspruchsvoll sind, dass sie in bewirtschafteten Wälder fast oder ganz ausgestorben sind.

 

Hirschkäfer (Foto: Christian Salomon)

 

5 Spechtarten
Auch für die Vogelwelt sind die Ehrlichsgärten von herausragender Bedeutung. In der aktuellen Brutsaison wurden hier 57 Arten erfasst. 26 Arten brüteten direkt im Gebiet. Bemerkenswert sind hier insbesondere Klappergrasmücke, Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper und Wendehals – eine von 5 Spechtarten im Gebiet. Weitere 31 Vogelarten suchten das insektenreiche Streuobstgebiet zur Nahrungssuche auf.

 

Fast 100 Apfelsorten

Die Regierung von Unterfranken hat parallel zu den Naturpark-Gutachten den Streuobstbestand an sich untersuchen lassen. Steffen Kahl von der Schlaraffenburger Streuobstagentur hat sich in den letzten beiden Jahren mit den gut 2700 Obstbäumen befasst. 93 Apfelsorten und 16 Birnensorten konnte er im Gebiet bereits bestimmen, darunter einige seltene Lokalsorten.
Doch seine Untersuchungen machen auch greifbar, was auch die Gutachter Brönner und Schmidl befürchten. Ohne gezielte Maßnahmen könnte der wertvolle Obstbaumbestand in wenigen Jahrzehnten verschwunden sein – und mit ihm die große Tiervielfalt. Denn der Bestand ist stark überaltert. Nachpflanzungen sind selten und der weitgehend schlechte Pflegezustand der Bäume vermindert deren Lebensdauer erheblich. Nur etwa 10 % der Bäume werden derzeit als vital eingestuft.

 

Streuobstbestimmung durch Steffen Kahl
(Foto: Christian Salomon)

 

Pflegeschnitte und Nachpflanzung

„Wir haben jetzt eine hervorragende Datengrundlage und klaren Handlungsbedarf“, sagt Christian Salomon, der die aktuellen Naturschutz-Maßnahmen im Gebiet koordiniert. Außerdem gäbe es in Kreuzwertheim eine außergewöhnlich starke Allianz an Naturschutzpartnern und ein großes Interesse der Bevölkerung. Die Regierung von Unterfranken und der Naturpark Spessart fördern deshalb gerne die erforderlichen Bausteine:
Ein von der Regierung letzten Samstag angebotener Obstbaum-Schnittkurs wurde von über 30 hoch motivierten Privatleuten besucht. Krischan Cords, Geschäftsführer der MainStreuobstBienen eG erläuterte mit praktischen Übungen die wichtigsten Grundlagen der Erziehungsschnitte und der Altbaumsanierung.
Julian Bruhn vom Naturpark Spessart bereitet derweil einen weiteren Förderprojekt vor. Diesmal zur Nachpflanzung von 100 Obstbäumen und für Baumschutzgitter auf den Weideflächen. Rund 20 Privateigentümer möchten die geplante Maßnahme auf ihren Grundstücken unterstützen und sollen hochwertige Obstbäume alter Robustsorten zum „Sondersparpreis“ erhalten. Der Baumbestand soll so langfrsitig gesichert werden.

 

Obstbaumschnittkurs mit Krischan Cords
(Foto: Christian Salomon)

 

Weitere Infos bei:
Christian Salomon
Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart
Telefon +49 (0) 9352 606-4200
Mobil   +49 (0) 178 627 3351
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Vorzeigeprojekt: Naturpark Spessart legt erste Wiesen an

Seit diesem Sommer verfügt der Naturpark Spessart über eine Samenernte-Maschine „eBeetle“ (siehe anschließenden Bericht) und hat damit bereits einige der wertvollsten Wiesen in allen drei Spessart-Landkreisen beerntet. Ziel der Maßnahmen ist es, solche Blumenwiesen wieder zu vermehren und damit die Biodiversität im Spessart zu fördern. „Nur solches Saatgut kann den eigenen Charakter der Spessartwiesen wirklich abbilden – sowohl von der Artenkombination wie von der Genetik“, erläutert Naturpark-Gebietsbetreuer Christian Salomon, der das Projekt koordiniert. Außerdem könne man so gezielt die Arten verbreiten, die im Spessart heimisch, aber stark gefährdet sind.

 

Saatgut von der Weikertswiese für die Weikertswiese

 

Neuanlage statt Wiesenumbruch
Dieses „Natur-Saatgut“ wurde im vergangenen Sommer geerntet, getrocknet und eingelagert. Nun wurden die ersten Wiesen damit angesät. Die Flächen mussten hierfür teilweise mit großem Aufwand mähbar gemacht werden. Schließlich wurden hierfür bewusst keine vorhandenen Wiesen umgebrochen, sondern neue Mähwiesen angelegt, beziehungsweise wiederhergestellt. Ein Projekt, das viele Partner braucht und findet. Neben dem Naturpark sind daran Naturschutzbehörden, Gemeinden, Flächeneigentümer, Landschaftspflegefirmen und Landwirte beteiligt. Gefördert wird es vom Bayerischen Naturschutzfonds und dem WWF Deutschland.

 

Christian Salomon und Bewirtschafter Dominik Herteux bei der Ansaat

 

Auch Staatsforsten unterstützen
Im Naturschutzgebiet Weihersgrund und auf der angrenzenden Lorenzwiese wurden verbuschte Flächen und ehemalige Fichtenrodungen, die bisher durch starke Mulchgeräte offengehalten wurden, in Mähwiesen umgestaltet. Vor Jahrzehnten waren diese Flächen schon einmal Wiese gewesen. Revierleiter Frank Dauven stellte die Grundstücke des Staatsforstes gerne zur Verfügung und unterstützt das Projekt maßgeblich. „Der Sinn und die naturschutzfachliche Qualität dieser Maßnahmen sind offensichtlich. Davon profitieren die Landschaft, die Insekten und das Wild“, so der Förster. Die Gemeinde Bischbrunn stellte Oberboden zum Auffüllen von Geländesenken zur Verfügung. Das Saatgut für die neuen Wiesen stammt unter anderen von der Bischbrunner Gemeindewiese, die wegen ihres Artenreichtums und des Vorkommens der seltenen Kugeligen Teufelskralle 2019 zur „Naturparkwiese des Jahres“ gekührt wurde. Landwirt Andreas Bauer aus Remlingen wird die Wiesen künftig zur Heugewinnung im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms nutzen.

 

Angesäte Wiesenflächen im NSG Weihersgrund

 

Aus Liebe zur Heimat und zur Natur
Auch auf der Rechtenbacher Weikertswiese wurden aktuell zwei Flächen angesät. Es handelt sich hier um Grundstücke, auf denen der Wildwuchs von Pappel und Sträuchern gerodet wurde, sowie um Grundstücke, von denen im Vorjahr nicht mehr genutzte Stallungen und diverse Ablagerungen entfernt wurden. Letztere wird der Rechtenbacher Landwirt und Gartentechniker Dominic Herteux künftig mähen. Das Saatgut stammt hier von besonders artenreichen Teilflächen der Weikertswiese selbst. Die Vorbereitung der Ansaatfläche hat Herteux weitgehend selbst durchgeführt - „aus Liebe zur Heimat und zur Natur“, wie er sagt. Gemeinsam mit Gebietsbetreuer Salomon und Naturpark-Ranger Andreas Gries wartet er nun gespannt auf die Entwicklung der Wiese. Dabei brauchen sie etwas Geduld, denn ähnlich wie die Herstellung der Wiese braucht auch ihre Entwicklung etwas Zeit. „Wir verzichten auf die Beimischung sogenannter Akzeptanzblüher. Das sind Arten, die in gekauften Wiesenmischungen für ein buntes Blütenbild schon im ersten Jahr sorgen, die aber in unseren Wiesen eigentlich nichts verloren haben wie Klatschmohn, Kornblume oder Kornrade. Stattdessen hoffen wir in wenigen Jahren hier eine typische Weikertswiesen-Wiese zu sehen, vielleicht sogar mit Heidewicke, Knabenkräutern & Co“, so Salomon.

 

Weitere Infos gibt es beim Gebietsbetreuer Christian Salomon
christian.salomon@naturpark-spessart.de

 

Bilder: Svenja Fischer und Christian Salomon

 

Ein „eBeetle“ soll die besten Spessartwiesen vermehren

Naturpark-Ranger Andreas Gries beim Mähen mit dem eBeetle

 

Seit gut einem Monat besitzt der Naturpark Spessart e.V. einen Samenernter „eBeetle“. Die Anschaffung erfolgte im Rahmen eines mehrjährigen Naturschutz-Projekts mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den WWF Deutschland. Nun werden damit besonders wertvolle Spessartwiesen, das heißt: Wiesen mit hohem Arten-/Blütenreichtum oder seltenen Pflanzenvorkommen beerntet. Ziel ist es, mit diesen Samen neue wertvolle Wiesen anzulegen, verarmte  Wiesen aufzuwerten und seltene Pflanzen zu fördern. Botanische Begleituntersuchungen dokumentieren den Erfolg der Maßnahmen.
Der rund 25.000 € teure eBeetle ist ein schweizer Elektrofahrzeug, das die reifen Samen aus den Wiesen bürstet, ohne dabei den Aufwuchs zu mähen. Für Landwirte ist somit eine Heu- oder Weidenutzung nach der Samenernte möglich.

 

100 % heimische Wildpflanzen
„Wir ernten damit autochthones Saatgut“, erläutert Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart). Es besteht zu 100 % aus heimischen Wildpflanzen, die genetisch an die regionalen bis lokalen Bedingen angepasst sind. Viele Wildinsekten brauchen genau solche Wildpflanzen, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen. Bunte Blühflächen mit großblütigen Kulturformen oder nicht-heimischen Arten, wie sie derzeit vielerorts an Verkehrswegen angelegt werden und für das menschliche Auge toll aussehen, nützen zwar Ubiquisten wie der Honigbiene, sind aber für hochspezialisierte Schmetterlinge, Wildbienen & Co ungeeignet. Im schlimmsten Fall fürchten Fachleute sogar eine negative Veränderung der heimischen Flora durch die Einbringung neuer Pflanzenarten oder –züchtungen. Die individuellen Eigenschaften der Spessartwiesen könnten so verloren gehen.

 

Judith Henkel (Gebietsbetreuerin für Grünland)
ist zufrieden mit dem Ertrag

 

Zahlreiche Maßnahmen geplant
In den letzten vier Wochen haben Naturpark-Ranger bereits in allen drei Spessart-Landkreisen wertvolle Wiesen beerntet. Das Saatgut wird zunächst getrocknet und eingelagert. Erste Aussaaten sollen im Herbst stattfinden. Allerdings werden dafür in der Regel keine bestehenden Wiesen umgebrochen. Stattdessen will man auf entbuschten Bracheflächen, Äckern oder „entrümpelten“ Grundstücken wieder Grünland herstellen. Auch zur Nachsaat von Schwarzwild-Schadensflächen kann das Saatgut künftig genutzt werden – anstelle von gebietsfremden Grassamen. Im Einzelfall sollen stark verarmte Wiesen wieder mehr Blütenreichtum erhalten, und schließlich sollen seltene Pflanzenarten wie Kugelige Teufelskralle, Arnika und Heidewicke gezielt vermehrt werden. Der Naturpark habe neben eigenen Initiativen bereits zahlreiche konkrete Anfragen erhalten, sagt der Gebietsbetreuer. Sie kämen von Gemeinden, Landwirten, Privateigentümern und Forstbetrieben bis zum Solarparkbetreiber.

 

Christian Salomon (Gebietsbetreuer für Grünland)
bei der Qualitätskontrolle

 

Blühflächen sind keine Universallösung
Nach Salomons Einschätzung muss man mehr Geduld mitbringen als bei klassischen Blühäckern. „Eine gute Wiese kann man nur über Jahre entwickeln“, so der Vegetationskundler. Beispielsweise bräuchten viele Wildpflanzen Jahre bis zur ersten Blüte und es müsse sich erst ein Gleichgewicht einstellen. Viele Arten, die für Wildinsekten wertvoll sind, bleiben zudem klein und unauffällig.
Entscheidend für die biologische Vielfalt im Spessart sei sowieso die Landnutzung. „Wenig düngen, nicht spritzen, kleinräumig mähen und Weidetiere halten“, das sind laut Salomon die Schlüssel für Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Durch Blühflächen alleine könne man diese Faktoren niemals ersetzen, weshalb ein Überdenken der Landnutzung und Flächenpflege immer der erste Schritt vor Ansaaten sein sollte.

 

Moorschnucken fördern seltene Arten

 

Seit 2011 weiden Moorschnucken und Ziegen auf einer fünf Hektar großen Weide im Kaltenbachgrund bei Mespelbrunn. Die vom Naturpark Spessart eingerichtete und von den örtlichen Tierhaltern Ernst Bilz und Edgar Lamster betreute Beweidung soll in erster Linie das schmale Wiesental am Oberlauf der Elsava offenhalten. Die robusten und genügsamen Landschaftspflege-Schafe aus der Diepholzer Moorniederung präsentieren sich zunehmend auch im Spessart als erfolgreiche Artenschützer. Dies zeigen jüngste Untersuchungen von Christian Salomon und Judith Henkel, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart:

 

Im beweideten Kaltenbachgrund hat sich das Fuchs´sche Knabenkraut von wenigen Einzelpflanzen zu einem größeren Bestand entwickelt und gleich zwei Arten der Ameisenbläulinge profitieren offensichtlich von der Beweidung. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist deutlich zahlreicher geworden, und dieses Jahr konnte zum ersten Mal der in Bayern stark gefährdete Thymian-Ameisenbläuling nachgewiesen werden. Beide Schmetterlingsarten besitzen ein hochspezialisiertes Fortpflanzungs­verhalten. Aufgrund von Duftsignalen werden ihre Raupen von bestimmten Ameisenarten adoptiert. In deren Nestern leben die Schmetterlingsraupen dann ein oder zwei Jahre lang räuberisch von der Ameisenbrut, bevor sie sich verpuppen. Während ihrer kurzen Flugzeit als fertig entwickelter Schmetterling legen sie ihre Eier nur auf speziellen Blüten ab – eben auf Blüten des Großen Wiesenknopfs bzw. des Arznei-Thymians. Damit diese Fortpflanzung funktioniert, müssen Landwirte ihre Wiesen oder Weideflächen so managen, dass zur Flugzeit der Schmetterlinge auch ein entsprechendes Blütenangebot vorherrscht. Dies scheint auf der Morrschnuckenweide bei Hessenthal hervorragend zu gelingen.


Wer die Moorschnucken im oberen Elsavathal besuchen möchte, kann von Hessenthal (Wanderparkplatz nahe der Wallfahrtskirche) zur Elsavaquelle wandern (ca. 2 km, Markierungszeichen "roter Querstrich"). Eine Infomationstafel macht unterwegs auf das Beweidungsprojekt aufmerksam. Beim Naturpark Spessart ist zudem ein Faltblatt zum Projekt mit Wandervorschlag erhältlich. Das fettarme Fleisch der Moorschnucken hat einen wildartigen Geschmack und ist saisonal im Gasthaus "Zur Schönen Aussicht" in Hessenthal erhältlich.

 

 

Informationen

Weitere Informationen

Daniela Löber/Assistenz
Naturpark Spessart e.V.
Frankfurter Straße 4
97737 Gemünden
am Main
Telefon: 09351 603 947
Naturpark Spessart

 

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