Pressemitteilungen

 

Naturpark Spessart bleibt Qualitätsnaturpark

27.09.2022


Der Naturpark Spessart wurde am 21.9.22 erneut ausgezeichnet. Vorausgegangen war ein Evaluierungs- und Bewertungsprozess des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN).

 

Die Evaluierung sei, so Naturpark Spessart Geschäftsführer Oliver Kaiser, für die Entwicklung der 104 Naturparke auf 28 Prozent der Fläche Deutschlands ein zentrales Instrument. „Wir können damit unsere Arbeit durch eine externe Brille betrachten und somit Angebote weiter verbessern.“

 

(Foto: Patrick Appelhans)

 

Die vertiefte Überprüfung, die heuer stattfand, beinhaltete die Bewertung durch einen externen Berater. Dieser vom VDN benannte Qualitätsscout hatte Ende Mai den Spessart besucht, um sich ein Bild von der Arbeit des Naturparks zu machen. Bei der zweitägigen Begutachtung stellte das Naturpark-Team verschiedene Projekte und Aktivitäten vor und ließ Kooperationspartnerinnen und -partner zu Wort kommen.

 

Diese schilderten die Zusammenarbeit mit dem Naturpark aus ihrer Sicht und brachten Wünsche und Impulse ein. Der Qualitätsscout konnte sich so ein umfassendes Bild vom Spessart machen und die Naturparkverwaltung qualifiziert beraten. Es gab dabei viel Lob und konstruktive Anregungen für die Weiterentwicklung der Naturparkarbeit.

 

Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer des Naturpark Spessart, nennt Beispiele: „Wir brauchen ein neues Informationszentrum, das ausreichend groß und nach modernen didaktischen Gesichtspunkten gestaltet ist.“


Dafür werde laut Bruhn geprüft, ob ein schwimmendes Besucherzentrum – ähnlich dem Wissenschaftsschiff MS Experimenta – auf dem Main machbar ist. Außerdem sollen neue Arbeits- und Entwicklungsschwerpunkte für die nächsten Jahre entstehen; in enger Verzahnung mit der Studie für das Biosphärenreservat Spessart.

 

„Wir wollen außerdem“, ergänzt Kaiser, „die bisher befristeten und projektfinanzierten Ranger- und Gebietsbetreuerstellen langfristig sichern.“ In der Digitalisierung der Arbeit, beispielsweise bei der Verwaltung der Wanderwege- und Freizeitinfrastruktur, sieht er Luft nach oben.

 

Die beiden Geschäftsführer sind mit dem Ergebnis der Evaluierung zufrieden. Die Entwicklungen der letzten Jahre mit der Etablierung des Ranger-Teams, den zahlreichen Naturschutzprojekten und dem Ausbau der Kooperation mit Schulen schlagen sich in der Bewertung nieder. Der Naturpark Spessart habe, so Kaiser, gegenüber der letzten Zertifizierung vor fünf Jahren deutlich mehr Punkte erreicht. „Obwohl der Bewertungsmaßstab verschärft wurde.“


 

 

Naturpark Spessart Führerinnen und Führer absolvieren Erste-Hilfe-Kurs

21.09.2022


16 Ehrenamtliche und das Naturpark Spessart Team nahmen am 18.09.2022 an einem Erste-Hilfe-Kurs der Bergwacht in Hösbach teil. Ziel war es, sie auf einen Notfall im Gelände vorzubereiten.


„Unsere Ehrenamtlichen sind mit Menschen in der Natur unterwegs. Bei Führungen und Naturschutz-Arbeitseinsätzen“, so der stellvertretende Geschäftsführer des Naturpark Spessart Vereins Julian Bruhn. Vor Corona nahmen etwa 10.000 Menschen pro Jahr an den angebotenen Aktivitäten teil, gut ein Drittel davon Kinder. Wenn bei den Aktivitäten des Naturparks Unfälle passierten, könnten diese oft weit ab vom Schuss sein, so Bruhn. Dann müsse die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrückt werden.

 

Zum Glück nur eine Übung: Naturpark Spessart Ranger, Grünlandbetreuer und Ehrenamtliche bei ihrem Erste-Hilfe-Kurs der Bergwacht Hösbach (Foto: Oliver Kaiser)

 

Ausbilder Johannes Volk, der als Notarzt die Praxis gut kennt und sich für die Bergwacht engagiert, gab als zentrale Botschaft mit: ihr könnt fast nichts falsch machen. Volk: „Denkt immer dran, wer nicht atmet, ist tot. Ihr könnt es nicht schlimmer machen.“


Im Kurs wurden das Reanimieren und der Umgang mit dem Defibrilator geübt. Ebenso die stabile Seitenlage, die Erstbehandlung von Verletzung, und die Kommunikation bei einem Notfall. Theorieteile ergänzten den ganztägigen Kurs, der von allen Teilnehmenden am Ende sehr gelobt wurde. Niemand hoffe, so Naturpark Spessart Geschäftsführer Oliver Kaiser, in eine solche Situation zu kommen. Aber wenn, dann seien die Ehrenamtlichen jetzt gut gerüstet.


Der Kurs wurde von der Bergwacht-Bereitschaft Hösbach geleitet. Dort sind derzeit 44 Menschen für die Bergwacht aktiv und decken damit den gesamten Landkreis und die Stadt Aschaffenburg ab. Sie sind Experten für die Rettung in unwegsamem Gelände. „Auch bei uns im Spessart, fernab der hohen Berge“, betonte Bruhn. Bei dem Kurs wurde auf die T-Punkte als Rettungstreffpunkte hingewiesen. An diesen Punkten sei, so Bruhn, meist Handyempfang und die Rettungsleitstelle habe die Koordinaten der T-Punkte. Diese im Notfall wichtigen Stellen seien auch in den Wanderkarten des Naturpark Spessart eingezeichnet.


 

 

Internationaler Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Hafenlohrtal

01.09.2022


Rund 30 Jugendliche haben vergangene Woche unter Anleitung des Naturpark Spessart e.V. und der Gemeinde Laufach im Naturschutzgebiet Hafenlohrtal Schrott, Müll und alten Stacheldraht entfernt.


Der Landschaftsputz fand im Rahmen eines internationalen Projektes statt. Junge Leute aus Laufach, der französischen Partnergemeinde Sainte Eulalie bei Bordeaux und deren spanischer Partnergemeinde Yepes bei Toledo treffen sich dabei wechselseitig in den drei Ländern. Dort arbeiten sie an Projekten zum Thema „Klimawandel, Biodiversität und Artenvielfalt“.

 

Gruppenfoto mit Stacheldraht und Müll (Foto: Dunja Masel)

 

An der steilen Böschung zwischen der Kreisstraße und der Talaue haben die Freiwilligen jahrzehntealten, teilweise eingewachsenen Stacheldraht auf rund zwei Kilometern entfernt. Auch illegal entsorgte Autoreifen, Glasflaschen, Plastik, Styropor und Abfälle wurden den Hang hinauf geschleppt. Die fachgerechte Entsorgung übernahm der Bauhof der Gemeinde Rothenbuch.

 

Internationale Kooperation beim Abbau des Stacheldrahtes (Foto: Christian Salomon)

 

Zusätzlich zum Arbeitseinsatz fand ein Austausch über Naturschutzinitiativen der verschiedenen Länder statt. Christian Salomon erklärte die wertvolle Flora und Fauna im Hafenlohrtal und stellte die Nutzungs- und Naturschutzgeschichte vor. Die Schäfer Klemens und Johann Roß erläuterten die Beweidung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes. Dafür lassen sie hier alte Rassen wie Moorschnucke und Alpines Steinschaf grasen. Die Jugendlichen aus Spanien berichteten von vergleichbaren Initiativen aus ihrer Heimat; unterstützt wurde die Gruppe dabei von Dolmetschern.


„Wir sind begeistert vom großen Engagement“, so Naturpark-Rangerin Victoria Schuler und Naturpark-Ranger Felix Kühne. Dunja Masel von der Gemeinde Laufach bedankte sich hingegen bei den Naturpark-Mitarbeitenden für einen anschaulichen und abwechslungsreichen Umweltbildungstag.


Müll und Altlasten tauchen leider immer wieder auf, wie Salomon auf Fotos und vor Ort zeigte. Bereits 2021 hatte der Naturparkverein eine Müllsammelaktion im Gebiet organisiert. Das Ergebnis: Zwei Tonnen Schrott und Müll. Vieles stammte von einem verwahrlosten Grundstück, das 2000 mit Unterstützung des Landkreises Aschaffenburg und der Gemeinde Rothenbuch aufgekauft und renaturiert worden war. Mit der heutigen Aktion seien die gröbsten Altlasten nun endlich beseitigt, so das positive Fazit von Salomon.

 

 

 

Naturpark Spessart Exkursion: Das spannende Leben der Wiesenknopfameisenbläulinge

26.07.2022


Am 24.7.2022 trafen sich neun Interessierte in Schöllkrippen zu einer Exkursion des Naturpark Spessart. Torsten Ruf, Gebietsbetreuer für Grünland beim Naturpark Spessart erklärte dabei die Lebensweise der Tagfalter. Sie sind so selten, dass europaweit Schutzgebiete ausgewiesen wurden.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Der Spessart habe eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Denn hier liegt ein bayerischer Verbreitungsschwerpunkt dieser faszinierenden Falter. Speziell für den wesentlich selteneren Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling hat der Kahlgrund eine große Bedeutung, da hier im Vergleich zu vielen anderen Regionen noch stabile Populationen existieren. Was die beiden Arten so besonders macht, ist ihre Lebensweise.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Die Flugzeit reicht von Juli bis Mitte August. In dieser Zeit legt das Weibchen Eier in die sich öffnenden Blüten des Großen Wiesenknopfs ab. Die kleine Raupe lässt sich nach wenigen Wochen auf den Boden fallen. Hier lockt sie mit Honigwasser aus der Honigdrüse Ameisen an. Nur spezielle Ameisenarten der Gattung Myrmica transportieren die potentielle „Futterquelle“ in ihr unterirdisches Nest. Dort dünstet die Raupe ein Pheromon aus mit dem sie sich selbst als Ameisenbrut ausweist.
Zum Leid der Ameisen, denn während der ein- bis zweijährigen Entwicklungszeit ernährt sich die Raupe räuberisch von der Ameisenbrut. Wenn der Schmetterling schlüpf heißt es aber: Abhauen, denn sonst wird er gefressen.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 

Probleme für diese Bläulingsarten stellen die Intensivierung der Landwirtschaft und ungünstige Mahdzeitpunkte, aber auch Lebensraumverlust durch Überbauung von Lebensräumen dar. Ein sehr hohes Gefährdungspotential geht zudem vom Klimawandel aus.

 

Im Kahlgrund versucht man mit dem bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm die Falter zu erhalten. Vom 15.6. bis 1.9. werden die Habitate nicht gemäht. Hierfür bekommen teilnehmende Landwirtinnen und Landwirte eine finanzielle Gegenleistung.

Ansprechpartner hierfür ist die unteren Naturschutzbehörden und speziell im Landkreis Aschaffenburg der Biodiversitätsberater am Landratsamt.

 

Der Klimawandel sei bereits in der kritischen Phase, in der man von einem „Faunenwechsel“ spreche, so der Experte. Ruf: „Ich finde es erschreckend, was ich Neues entdecke und was auf der Gegenseite verschwindet.“

 

 

 

 

Wasserkreuzkraut-Beseitigung: Schülerinnen und Schüler packen mit an

25.07.2022


Knapp 30 frischgebackene Abiturient:innen der FOS/BOS Aschaffenburg sowie drei ihrer Lehrer erlebten am 19./20. Juli 2022 einen etwas anderen Unterricht. Statt ins Klassenzimmer ging es hinaus ins Naturschutzgebiet Sinngrund. Mit dem „Schachblumenexpress“ der Gemeinde Obersinn wurden die Helfer:innen hinaus auf die Sinnwiesen gefahren, um dort mit Unkrautausstechern das giftige Wasserkreuzkraut zu beseitigen und Informationen über verschiedene Naturschutzthemen zu erhalten.

 

Schüler der FOS/BOS im Einsatz (Foto: Christian Salomon)

 

Gebietsbetreuer Christian Salomon und Naturpark-Geschäftsführer Dr. Oliver Kaiser waren sehr dankbar für die schlagkräftige Unterstützung aus Aschaffenburg. Schließlich seien solche großen Flächen nur mit „entsprechender Manpower“ zu schaffen. Bereits im Frühjahr dieses Jahres fand eine vergleichbare Aktionswoche des Bergwaldprojekt e.V. mit gut 30 Teilnehmern statt.

 

Fleißige Schüler und Christian Salomon mit Unkrautstechern (Foto: Nico Liebig)

 

Der Naturpark Spessart e.V. setzt im Sinngrund seit 2019 entsprechende Maßnahmen um - derzeit auf gut 60 Hektar Wiesenfläche. Durch ein konsequenten Ausstechen oder Abmähen der Giftpflanzen soll deren Verbreitung wieder eingedämmt werden. Der unerwünschte Pflanzenaufwuchs wird vollständig abgefahren und heißkompostiert, um eine weitere Samenreife zu vermeiden. Derzeit laufen im Sinngrund auch die entsprechenden Mäh- und Mulcharbeiten im Rahmen eines staatlichen Förderprojektes.

 

Blühende Kreuzkrautwiese im Sinngrund (Foto: Christian Salomon)

 

Gebietsbetreuer Salomon und FOS Lehrer Andreas Reble waren mit dem außergewöhnlichen Einsatz der Schüler:innen gleichermaßen zufrieden. „Die Mädels und Jungs haben trotz der Hitze super angepackt. Und auch das thematische Interesse war bei vielen spürbar“, freut sich Salomon. Eine jährliche Fortsetzung und Weiterentwicklung dieser Kooperation ist daher angedacht.

 

 

 

 

Der Hochspessart ist im Juli Thema beim Natur-Podcast „Wilde Winkel“

20.07.2022


Im Juli dreht sich bei Bayerns Natur-Podcast „Wilde Winkel“ alles um den Hochspessart. Am Freitag (15.7.) ging es in den Lohrer Stadtwald. Michael Neuner und Klaus Werner vom städtischen Forstbetrieb führten zu gewaltigen Baum-Persönlichkeiten; manche von ihnen so alt, dass auf ihnen ein weiches „Fell“ aus duftenden Moosen wächst. Außerdem sind sie Wohnungen für Fledermäuse und Vögel – und bieten wunderbare wilde Winkel mitten im Stadtwald, der auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

 

Außerdem machte „Wilde Winkel. Bayerns Natur-Podcast“ an der Weikertswiese oberhalb von Rechtenbach Station. Der Rechtenbacher Dominic Herteux und Christian Salomon vom Naturpark Spessart führten zu Orchideen, Farnen und Heilpflanzen. Die Weikertswiese ist außerdem wegen ihres weiten Ausblicks beliebt.

 

Rechtenbacher Dominic Herteux und Christian Salomon vom Naturpark Spessart auf der Weikertswiese (Foto: Bettina Weiz)

 

Der Podcast stellte außerdem die zottigen Landschaftspfleger mit den spitzen Hörnern, vor: die Wasserbüffeln. Besonders nett ist Wasserbüffelkuh 112, verrät Selina Tausch, die sich um die Büffel kümmert.

 

„Wilde Winkel – Bayerns Natur-Podcast“ bietet Kino für den Kopf. Jeden Monat führt er zu einem anderen wertvollen Naturschatz; zwischen Alpen und Rhön, Nördlinger Ries und Fichtelgebirge. Dort gibt es noch urtümliche Wälder, glitzernde Flüsse und Seen, duftende Blumenwiesen... Wilde Winkel eben, wie sie in Bayern selten geworden sind. Oft gibt es sie nur noch in Natura 2000-Gebieten, die nach Regeln der EU geschützt sind.

 

„Wilde Winkel. Bayerns Natur-Podcast“ gibt’s auf Spotify, iTunes, Deezer, Google Podcast, Apple Podcast, Podimo, Amazon Music und auf YouTube unter @ganz meine Natur. Außerdem werden alle Folgen auf der Webseite www.ganz-meine-natur.bayern.de/wilde-winkel-bayerns-natur-podcast/ veröffentlicht. Neue Folgen gibt es fast jeden Freitag. Wer nichts verpassen will, klickt gleich auf „abonnieren“ bzw. auf „folgen“.

 

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Das Projekt „LIFE living Natura 2000“ wirbt für Bayerns Naturschätze

 

„Ganz meine Natur“ ist das Motto des Kommunikationsprojekts „LIFE living Natura 2000“. Mit vielen Aktionen wird in ganz Bayern auf die Bedeutung von Natura 2000 für Mensch und Natur aufmerksam gemacht.

 

Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege leitet das von der EU geförderte Projekt und setzt es in Kooperation mit dem Bayerischen Umweltministerium um. Es wird kofinanziert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und den Bayerischen Naturschutzfonds.

 

 

 

Naturpark Spessart Vortrag zum Leben unserer Wildschweine

13.07.2022


Was eine Steckdose, ein Vogelnest und ein Mahlbaum mit Wildschweinen zu tun haben, erklärte Naturpark-Ranger Andreas Gries in Heigenbrücken.

 

„Wenn aus dieser Steckdose Ökostrom käme, hätte jeder eine Wildsau daheim“, so Naturpark Spessart Ranger Andreas Gries. Er erklärte den zwölf Interessierten die Lebensweise der Wildschweine bei einer Führung am Wildpark Heigenbrücken; Streicheln und Füttern der Schwarzkittel inklusive. Dabei ging er auch darauf ein, dass die Jagd das Ökosystem negativ beeinflussen könne.

 

Die Körper der auch Schwarzkittel genannten und bei uns im Spessart heimischen Wildschweine haben einige Besonderheiten: Die Ohren sind in alle Richtungen beweglich, aber dafür haben sie schlechte Augen. Die Nase wird Steckdose genannt und hat eine Erhebung, die wie ein menschlicher Finger beim Abtasten von Dingen funktioniert. Der Speck an der Brust, aufgepolstert durch Matsch und Harz, nennt sich Keilerschild. Wachsen tut ein Wildschwein bis an sein Lebensende. Und für ihren Nachwuchs baut die Bache einen Wurfkessel, ähnlich einem überdimensionierten Vogelnest.

Im Wald ein Nützling, auf dem Feld ein Schädling.

 

Wildschwein-Führung mit Andreas Gries in Heigenbrücken

 

Außerdem, so erklärt Gries, ist ein Wildschwein genau wie der Mensch ein Alles-Fresser. Der Ranger: „Wer alles frisst, hat selten Hunger.“ Eicheln und Bucheckern findet es im Spessart reichlich. Es ergänzt seinen Speisezettel durch Mäuse, Aas, Insekten und Feldfrüchte. Solange es den Wald nicht verlässt, gilt es sogar als nützlich: Es belüftet mit seiner langen Nase den Boden und schafft so ein Keimbett für neue Bäume.

 

Nachdem Ranger Gries dies alles erklärt hatte, duften die Kinder den mitgebrachten Mais verfüttern.


Die Rotte stürmt heran. Schupsen, Drängeln, Beißen und ohrenbetäubendes Quieken sind jedoch mehr Show als Kampf. Denn die strenge Hierarchie und das soziale Wesen der Tiere verhindert, dass sie sich gegenseitig verletzen. Mais und andere Feldfrüchte holen sich die Rotten zum Leidwesen der Landwirtinnen und Landwirte leider auch auf dem Feld.

Jagdpächterinnen und -pächter sind für das Verhindern von Wildschäden verantwortlich.

 

Gries erklärte, dass noch heute die Jagdpächterinnen und -pächter dafür verantwortlich seien, den Schaden auf Wiese und Acker abzuwenden. Ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, wo die Schwarzkittel als Hochwild der Jagd durch den Adel vorbehalten waren. „Die Bauern hatten somit keine Chance, ihre Früchte zu verteidigen.“ Können die Jagenden heute den Schaden nicht verhindern – durch Jagd oder Umzäunung der Felder – müssen sie den Landwirtschaftenden den Verlust ausgleichen. Oft sei dies durch Klauseln im Pachtvertrag geregelt.

 

Naturpark-Ranger, Naturschützer und Jäger.

 

Gries ist selbst Jäger und meint: „Eine umsichtige und verantwortungsbewusste Jagdpraxis ist ein wichtiger Baustein zum Erhalt des Ökosystems.“ Dabei gehe er achtsam vor, um mit einem Schuss nicht versehentlich die Leitbache zu erlegen; denn das könne negative Folgen für die Natur haben.

 

Unkontrollierte Vermehrung durch Töten der Leitbache

Es sei enorm wichtig, die Leitbache nicht zu erlegen, erklärt Gries. Diese steuere nämlich den kompletten Fortpflanzungszyklus ihrer Rotte.
„Schießt man das Leittier ab, vermehren sich die Wildschweine unkontrolliert und werfen teilweise das komplette Jahr über Nachwuchs“, so Gries. Daher sei die Drückjagd nicht das beste Mittel zur Eindämmung der Wildschweinpopulation. Denn dabei könne man oft nicht beurteilen, welches Tier man genau vor sich hat. „Leider sind diese Jagden nötig“, bedauert er. Die zur Reduktion notwendigen Stückzahlen seien alleine vom Einzelansitz aus schlicht nicht erreichbar.

 

In der Rotte laufen übrigens nur weibliche Tiere mit ihren Frischlingen. Die männlichen Überläufer verlassen im Alter von einem Jahr die Familie. Dann ziehen sie als Junggesellen-Gruppe durch den Wald; noch etwas später werden sie zu Einzelgängern und treffen sich nur zur Befruchtung wieder mit den weiblichen Tieren.


„Warum wälzen sich Wildschweine eigentlich im Matsch“, will eines der acht Kinder wissen. Dies bringe, so Gries, einerseits Kühlung und andererseits schaffen die Tiere sich so lästiges Ungeziefer buchstäblich vom Leib. Nach der Suhle schubbern sie sich an einem sogenannten Mahlbaum. Es gab allerdings Fragen, da musste selbst der erfahrende Ranger passen. Ein Kind verlangte mit hoher Ausdauer, etwas über das Leben von Dinosauriern zu erfahren. „Mit denen kenne ich mich leider nicht aus“, so Gries.

 

 

 

Jahreshauptversammlung des Naturpark Spessart e.V. am 22.6.2022

22.06.2022


Ein Rückblick ins Jahr 2021, die Stellung der Naturparkschulen und eine Lammsalami standen im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Naturparks Spessart e.V. am 22. Juni 2022 unter der Leitung der ersten Vorsitzenden Sabine Sitter.

 

Gut 60 Mitglieder, darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Naturparkführerinnen und -führer und weitere Mitglieder und Kooperationspartner waren der Einladung in die Frankenhalle nach Erlenbach am Main gefolgt.

 

Ein Highlight der Jahreshauptversammlung des Naturpark Spessart in Erlenbach am Main: Vorstellung und Verkostung der "Salamäh!" (Foto: Oliver Kaiser)

 

Ein Hauptthema beim Tätigkeitsbericht war der erfolgreiche Abschluss des Schutzhüttenprojektes. 23 dieser neuen Holzhütten für Wanderer und Radfahrende waren im vergangenen Jahr im Gebiet des Naturparks errichtet worden; mit LEADER-Geldern der EU gefördert. Mit der Auszahlung der Fördersumme im Juni ist das Projekt nun offiziell abgeschlossen. Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter des Projekts freute sich, dass trotz der enormen Kostensteigerungen bei Baumaterialien der geplante Kostenrahmen eingehalten werden konnte.

 

Die beiden Gebietsbetreuer Christian Salomon und Torsten Ruf berichteten von verschiedenen Naturschutzprojekten, u.a. der Gewinnung von regionalem Wiesensaatgut mit Hilfe des Samenerntegeräts eBeetle oder der Rückdrängung des giftigen Wasserkreuzkrauts im Sinngrund. Das Naturpark-Team engagierte sich gemeinsam mit Partnern und Sponsoren zudem beim Thema Streuobst - mit Kartierungen, der Pflege von Altbäumen und der Pflanzung junger Obstbäume in mehreren Gemeinden. Ein besonderes Highlight präsentierte Ranger Andreas Gries. Dem Ranger-Team gelang nicht nur der Foto- und Videonachweis eines männlichen Luchses im Hafenlohrtal, die Ranger konnten sogar Haarproben an einem Lockstock sammeln. „Diese werden aktuell noch genetisch ausgewertet“ ergänzte Gries. „Wir vermuten anhand der Fellzeichnung, dass der Luchs aus dem Harz zugewandert ist“

 

Naturparkführerin Eva Vath stellte die wichtige Bildungsarbeit der knapp 80 ehrenamtlichen Naturparkführer:innen vor: „Wir gestalten nicht nur das Jahresprogramm des Naturparkvereins, sondern machen auch Exkursionen für Schulen und Kindergärten“. Gerade bei den Naturpark-Schulen sind die Ehrenamtlichen sehr aktiv. Eva Vath berichtete anschaulich von einer Begegnung mit einem Hirsckäfer, der die Kinder der ersten Klassen der Grundschule Dorf-/Stadtprozelten bei einer Exkursion am Vormittag fasziniert hatte. „Die Kinder sind so motiviert und dankbar, die wollen was erleben, die wollen was machen“. Die Naturparkschulen sind da ein ganz tolle Einrichtung, resümmiert Eva Vath.

 

Ein Highlight der Jahreshauptversammlung des Naturpark Spessart in Erlenbach am Main: Vorstellung und Verkostung der "Salamäh!" (Foto: Oliver Kaiser)

 


Ein weiteres Thema, das die Anwesenden erfreute, war die Vorstellung der Klimaschutz-Lammsalami. In Kooperation mit der Vermarktungsinitiative Grünland Spessart e.V. und der Metzgerei Häuser entstanden zunächst drei Varianten mit Lammfleisch der Schäferei Michler und Geiger aus Adelsberg: Waldpilz, Chili und Walnuss. Diese durften von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern verkostet und auf einem Fragebogen bewertet werden.

 

„Insgesamt“, so der Geschäftsführer des Naturparkvereins Oliver Kaiser, „haben wir inzwischen so viele Projekte und Aktivitäten, dass wir bei der Mitgliederversammlung nicht mehr alle vorstellen können.“ Der Naturpark decke ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern ab: von der Freizeit- und Erholungsnutzung über Natur- und Artenschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bis zur Regionalentwicklung.

 

„Dass unser Naturpark-Team in allen Bereichen so stark nachgefragt wird, gibt uns Auftrieb und Ansporn“, so Oliver Kaiser. Auch von außen erhalte der Verein positives Feedback. Erst im Mai war ein Qualitätsscout des Verbands deutscher Naturparke auf Besuch im Naturpark Spessart. Anlass war die Re-Zertifizierung als Qualitätsnaturpark. Viel Lob hat es laut Kaiser gegeben. „Doch wir wissen auch, dass wir an einigen Dingen arbeiten müssen, z.B. beim Thema Besucherzentrum“. Hier skizzieren die beiden Geschäftsführer die Idee einer schwimmenden Ausstellung auf einem umgebauten Mainfrachtschiff. Auch soll der noch aus den 1990ern stammende Naturparkplan zeitnah neu aufgelegt werden. „Wir wollen bei unserer Arbeit stärker Schwerpunkte setzen und langfristiger planen, auch hinsichtlich der Verzahnung mit der Machbarkeitsstudie zum Biosphärenreservat Spessart“, so Kaiser.

 

Das auch das Thema Klimaschutz und die Bewältigung der Folgen des Klimawandels zukünftig verstärkt auf der Agenda des Naturparks stehen werden, gibt die erste Vorsitzende Sabine Sitter den Anwesenden mit auf den Nachhauseweg.

 

 

 

Neue Wanderkarte im Sinngrund vorgestellt

14.06.2022


Der Naturpark Spessart Verein hat eine neue Wanderkarte für den Sinngrund herausgegeben. Wie viel Arbeit in dem Papier steckt, wurde bei der Vorstellung erklärt.

 

Bürgermeister, Wanderwegemarkierende, Tourismusvertreterinnen und Naturparkler trafen sich am vergangenen Freitag, den 10.6. an der Richteichen-Hütte in Burgsinn zur Vorstellung der neuen Wanderkarte für den Sinngrund.

 

„Niemand ahnt, wie viel Arbeit in diesem Stück Papier steckt“, so Julian Bruhn. Er ist zweiter Geschäftsführer des Naturparks Spessart e.V. und Projektleiter für die Konzeption der neuen Karte.

 

Bürgermeister, Wanderwegemarkierende, Tourismusvertreterinnen und Naturparkler trafen sich am vergangenen Freitag, den 10.6.2022 an der Richteichen-Hütte in Burgsinn zur Präsentation der neuen Wanderkarte für den Sinngrund (Foto: Jennifer Weidle)

 

2014 wurde eine Überarbeitung des Wanderplans mit neuen Routen von Naturpark und Kommunen im Sinngrund beschlossen. Grund: Der Wanderverein Rhönklub zog sich spontan aus dem Sinngrund zurück. Bruhn: „Der Rhönklub konzentriert sich seit dieser Zeit wieder auf sein Kerngebiet in der Rhön und konnte die Wanderwege nicht mehr unterhalten."


Die entstandenen Lücken im Wegesystem mussten wieder geschlossen und mit neuen Zeichen markiert werden. So zum Beispiel die Verbindung von Burgsinn nach Gräfendorf. Seit langer Zeit gibt es nun wieder Rundwege in Aura und Mittelsinn. Auch wurden viele Routen in Fellen, Obersinn und Rieneck optimiert.

 

Denn nur mit der Planung und der Darstellung der Routen auf einer Karte ist es nicht getan. Die Konzepterstellung sei sehr aufwendig, erklärt der Projektleiter. Es gehe nicht nur um das Erreichen eines Wanderzieles, sondern vielmehr darum, die schönste Strecke auszuwählen: Fernab der Straßen auf naturbelassenem Untergrund, Fernblicke und einzigartige Ziele gehören zu den Kriterien eines guten Wanderweges.

 

(Foto: Jennifer Weidle)

 


Bei der Wegeführung müssten, so Bruhn, weitere Belange berücksichtigt werden: Anliegenden Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer, Naturschutzbehörden, Jagdpächterinnen und -pächter hätten ein gewisses Mitspracherecht. Auch eine einfache Pflege der Wanderwege ohne große Eingriffe in die Natur sei wichtig.

 

Einen großen Dank sprach Bruhn auch den Wanderwegemarkierenden vom Spessartbund aus. Die sind die Wege mehrfach aus beiden Richtungen abgelaufen und haben bereits einen Großteil der Beschilderungen an die neue Karte angepasst. Im Zuge dieses Projektes haben einige Kommunen auch ihre Rundwege optimiert.

 

Die neue Karte aus dem Medienhaus Main-Echo hat den gängigen Maßstab von 1:25000 und zeigt Wanderrouten zwischen bayerischer Schanz bis Bahnhof Gräfendorf und von Gemünden bis ins Hessische. Die grafische Umsetzung hat das Archäologische Spessart-Projekt durchgeführt.

 

Kaufen kann man sie im Online-Shop des Naturparks
und bei der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn für knapp 11 Euro. Mit einem Teil des Verkaufserlöses wird der Wanderwegeunterhalt unterstützt.

 

Als nächsten Schritt werden die rund 20 Wandertafeln im Sinngrund aktualisiert. Der Wunsch aller war, die bestehenden Ressourcen, wie die Edelstahl Halterungen weiterzuverwenden oder neue Vorrichtungen in der Region fertigen zu lassen. Außerdem soll das Format vereinheitlicht werden, um die Tafeln in einigen Jahren leichter austauschen zu können. Denn, so Bruhn: „Nach der Neuerstellung einer Wanderkarte ist vor der Neuerstellung.“

 

 

 

 

Artenreiche Wiesen – Erfahrungsaustausch zwischen Landwirten und Naturschutzvertretern

31.05.2022


„Im Gelände unterwegs: Bewirtschaftung von artenreichem Grünland“, lautetet am vergangenen Samstag eine Veranstaltung auf der Rechtenbacher Weikertswiese. Eingeladen hatten die bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), der Naturpark Spessart e.V. und der bayerische Bauernverband. Rund 40 Personen waren zum Fachaustausch erschienen und wurden vom TSV Rechtenbach mit Bratwurst, Kaffee und Kuchen verpflegt.

 

(Foto: Lisa Silbernagel/ANL)

 

In einem ersten Themenschwerpunkt stellte Michael Stellmach vom Landesamt für Umwelt (LfU) die Methodik der bayerischen Biotopkartierung vor. „Für die Landwirte ist es wichtig, zu verstehen, wie und nach welchen Kriterien die Einstufungen erfolgen“, so Stefan Köhler, Umweltpräsident des bayerischen Bauernverbandes. Schließlich würde damit auch definiert, welche Wiesenflächen gesetzlich geschützt sind.


Die Vorstellung wertgebender Wiesenpflanzen-Arten war ein weiterer Programmpunkt, bevor es an die Bewirtschaftungspraxis ging. Christian Lang, Rechtenbachs Bürgermeister und zugleich Wiesenbewirtschafter, präsentierte den Einsatz seines Messerbalken-Mähwerks. Er ist davon überzeugt, dass diese Mähtechnik der Tierwelt zugutekommt. Der saubere Schnitt liefert außerdem ein ausgezeichnetes Tierfutter. Im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms wird diese besonders schonende Mähtechnik zudem finanziell gefördert.


Es folgten Erläuterungen von Andre Fichtner von der Regierung von Unterfranken und Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart. Sie erklärten, welche konkrete Bewirtschaftung der Naturschutz für die erfassten Wiesenbiotope vorschlägt, um deren Artenvielfalt zu erhalten. Für das Beachten weiterer Punkte bekommen Landwirte zusätzliche Förderungen im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms. Dazu zählen die Einhaltung von Mähzeitpunkten, der Verzicht auf Düngung oder der Erhalt von Altgrasstreifen.


Den Abschluss bildete die Führung über eine Schafweide, die 2015 sogar die Bayerische Wiesenmeisterschaft gewonnen hat; hier blühen aktuell Knabenkräuter, Heidewicke und Arnika. „Ein gutes Beweidungskonzept ist das allerwichtigste beim Einsatz von Weidetieren“, waren sich Gebietsbetreuer Salomon und Schäferin Kerstin Müller einig. Damit stand diese Fläche beispielhaft für den gemeinsamen Erfolg, den der konstruktive Austausch zwischen Naturschutz-Experten und Landwirtschafts-Praktikern bringt.

 

 

 

 

Wassererlebnishaus Rieneck feiert 10-jähriges Jubiläum

24.05.2022


„Das ist eine riesengroße Erfolgsgeschichte hier in Rieneck“, so Bürgermeister Sven Nickel beim 10-jährigen Jubiläum des Wassererlebnishauses. Er habe nie gedacht, dass der Ort mitten im Wald und ein gutes Stück weg vom Stadtkern einmal so beliebt sein werde. „Wir zeigen, was alles ohne Strom und Technik möglich ist“, so Nickel. Und auch, was aus dem Bestand heraus geschaffen werden könne.

 

Was das Wassererlebnishaus ausmacht, ist die Kombination aus Naturoase und spielerischer Pädagogik. Am Rand des Fließebaches gibt es Angebote für Kinder und Erwachsene. Beim Hochwassermodell kann man eigene Flusslandschaften formen und mit der Kraft des Wassers experimentieren. Eine Wasserkaskade und Bodenfiltermodelle laden dazu ein, das Element Wasser auf spielerische Weise zu entdecken. Der Fließenbach lädt zum Planschen, die Wiese auf ein Picknick ein.

 

Oliver Kaiser, Naturparkführerin Gabi Bechold, Ranger Felix Kühne und Bürgermeister Sven Nickel bei der Einweihung des neuen Füllrohrspieles am Wassererlebnishaus, Rieneck (Foto: Jennifer Weidle)

 

Neu hinzugekommen sind mit dem Jubiläum eine Tafel mit Lageplan der unterschiedlichen Stationen und ein Wasserrohrfüllspiel. Dieses weihten Kaiser und Nickel zusammen mit Naturpark-Ranger Felix Kühne und Naturparkführerin Gabi Bechold ein.

 

Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturparks Spessart, sieht das Wassererlebnishaus als eines der attraktivsten, schönsten und innovativsten Umwelterlebnisangebote im Naturpark Spessart. Entstanden war die Anlage im Jahr 2012, als eine Nachnutzung für die ehemalige Trinkwasseraufbereitungsanlage gesucht wurde; früher wurde dem sauren Trinkwasser hier Kalk zugesetzt, um die Leitungen zu schonen.

 

Das Hochwassermodell wurde dem an der Uni Karlsruhe nachempfunden. Dort wurde es für studentische Lehrzwecke genutzt. „Wir hatten hier damals die Herausforderung, ohne Strom Lösungen zu finden“, so Kaiser. Im Falle des Hochwassermodells kommt eine Handpumpe zum Einsatz.

 

Kaiser: „Das Schöne ist auch, dass hier ganz viele Leute zusammenarbeiten.“ Gemeinde und der sehr engagierte Bauhof, Naturpark, SOS Gemeinschaft Hohenroth und Naturparkführerinnen und -führer tragen laut Kaiser zum Erfolg bei. Die Anlage sei daher, auch wenn man ihr die zehn Jahre ansehe, gut in Schuss.

 

Kaiser sieht das Jubiläum als Chance, das Angebot noch attraktiver zu machen. In Bau befindet sich aktuell eine Komposttoilette. Sie wird praktisch nutzbar sein, aber auch die Problematik unseres Kanalisationssystems erläutern. 

 

Kaiser und Nickel wünschen sich, dass das Wassererlebnishaus weiter so gut genutzt wird. Gerade zu Coronazeiten hätten viele Familien den ruhigen Ort ohne Empfang für Handy und Smartphone für sich entdeckt. Einen Ersatz für das Tipi solle es geben, so Nickel. „Mit einem größeren überdachten Raum könnten wir den Ort für Schulklassen attraktiver machen.“ Ihm schwebt eine Art grünes Klassenzimmer vor. Beide sind sich einig, dass es jedoch kein Rummelplatz werden soll. Nickel: „Das hier ist nicht Disneyland.“ Der Star selbst, sei ohnehin der Fließenbach selbst.

 

 

 

 

Biodiversitätszentrum Rhön: Hirschkäfer gesucht!

19.05.2022


Bürgerwissenschaftliches Projekt zur Arterfassung

Mit bis zu neun Zentimetern Länge gehört der Hirschkäfer zu den größten heimischen Käferarten und ist auch von Laien gut zu erkennen - darauf bauen das Biodiversitätszentrum Rhön (BioZ) im Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) sowie der Verein Hirschkäferfreunde Nature Two e.V. Sie wollen sich ein genaues Bild von der Verbreitung dieses gefährdeten und naturschutzfachlich bedeutsamen Käfers in Franken machen und setzen dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung. Wer einen Hirschkäfer entdeckt, kann seinen Fund bis 31. August 2022 online melden.

 

Hirschkäferpärchen (Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt LfU)

 

Wo sich die Suche nach dem imposanten Käfer lohnt, verrät ein Blick auf seine Lebensweise. Als Brutstätte und Nahrungsquelle für seine Larven benötigt der Hirschkäfer besonntes Totholz mit Bodenkontakt, das bereits stark zersetzt ist. Besonders beliebt sind morsche Baumstümpfe von Eichen und anderen Laubbäumen. Die erwachsenen Käfer ernähren sich dagegen von Baumsaft, der aus Baumwunden austritt, oder reifen Früchten.

 

Diese Voraussetzungen findet der Hirschkäfer vor allem in lichten Wäldern und an Waldrändern, aber auch im Siedlungsbereich: Nicht selten kommt er in Gärten, Streuobstwiesen, Parks, Alleen und anderen sonnigen Orten mit alten Baumbeständen vor, aber auch ein vergessener Brennholzstapel kann als Brutplatz dienen.

 

Die höchsten Chancen, die nachtaktiven Tiere fliegen oder krabbeln zu sehen, bestehen an schwülwarmen Abenden während ihrer Flugzeit von Mitte Mai bis Ende Juli. Die Männchen lassen sich leicht anhand ihres namensgebenden, geweihartigen Oberkiefers identifizieren. Ihre Körpergröße schwankt zwischen 3,5 und beeindruckenden 9 Zentimetern. Hirschkäferweibchen sind dagegen mit einer Länge von 3 bis 5 Zentimetern deutlich kleiner und verfügen über einen wesentlich weniger ausgeprägten Oberkiefer. Kennzeichnend sind auch die schwarzbraune Grundfarbe sowie das rotbraune Schimmern der Flügeldecken.

 

Wer das Glück hat, einen Hirschkäfer zu entdecken, darf diesen keinesfalls der Natur entnehmen. Sie gelten in Bayern als stark gefährdet und sind gesetzlich geschützt.
Unter www.hirschkaefer-suche.de können Interessierte bis zum 31. August 2022 ihre Beobachtungen mit Angabe von Fundort und Funddatum melden - am besten mit einem Foto des Käfers.

 

Weitere Infos: Hirschkäfer gesucht

 

Pressemitteilung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU).

 

 

Bergwaldprojekt unterstützt Naturpark bei Naturschutzmaßnahme im Sinngrund

01.05.2022


Ende April begann, wie schon in den letzten Jahren, der Kampf des Naturpark Spessart e.V. gegen das giftige Wasserkreuzkraut (WKK) im Sinngrund. Unterstützung bekamen die Naturschützer von 16 Freiwilligen. Diese kamen aus ganz Deutschland.

 

Ausgestattet mit professionellen Ausstechern und Gummistiefeln, organisiert in einer Reihe, marschierte das Team vom Bergwaldprojekt über die Wiesen des Sinngrunds; gut sichtbar durch ihre Warnwesten. Sie arbeiten ehrenamtlich, viele nehmen sich extra frei und reisen für die Aktionen quer durch Deutschland.

 

Ulrike (60) ist Frührentnerin und aus Rosenheim in der Oberpfalz angereist. Sie möchte in ihrer freien Zeit Gutes für die Natur tun (Foto: Jennifer Weidle)

 

„Das ist Urlaub im Kopf“, so Martin (60). Der Polizist aus Niedersachsen ist seit 2010 im Bergwaldprojekt aktiv und hat bisher bei 15 Projekten mitgemacht. Maria-Inti (40) aus Köln ist im echten Leben Gesundheitswissenschaftlerin und das erste Mal dabei:  „Ich hätte nicht gedacht, dass man sich trotz der Arbeit so gut erholt.“

 

Die Menschen helfen, um sich für die Umwelt zu engagieren. Gleichzeitig erholen sie sich zusammen mit Gleichgesinnten vom Alltag. Dazu gehört auch gutes Essen. „Wir haben unsere eigenen Köche dabei. Frühstück um 7.30 Uhr, zweites Frühstück und Mittagessen draußen, Kaffee und Kuchen, Abendessen. Es ist traumhaft“, so Pia und Johanna, zwei Studentinnen der Umweltingenieurwissenschaften aus Aachen.

 

Auf der Suche nach den winzigen Blattrosetten. Angeleitet wurde das Team von Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland beim Naturpark Spessart (Foto: Jennifer Weidle)

 

Im Sinngrund sind die Helfenden unter Anleitung von Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland vom Naturpark Spessart e.V., aktiv. Das WKK, so erklärt er, sei eine Bedrohung für die geschützte Natur und die Landwirtschaft. „Das giftige Kraut entwertet die Wiesen, da das Heu nicht mehr verkäuflich ist.“ Ohne die extensive Bewirtschaftung der Wiesen verschwinde jedoch auch die berühmte Schachblume. „Naturschutz ohne Landwirtschaft funktioniert hier nicht“, so Salomon.

 

Ein Landwirt hatte vor drei Jahren auf die sich im Sinngrund stark zunehmende Pflanzenart aufmerksam gemacht. „Die Dimensionen der Ausbreitung haben uns überwältigt“, so Grünlandbetreuer Salomon. Seitdem findet ein regelmäßiges Monitoring der Flächen statt. Diese werden kartiert und je nach Befall mit unterschiedlichen Maßnahmen belegt: Ausstechen der Blattrosetten im Spätfrühling, Entfernen der Pflanzen vor dem Aussamen im Sommer oder Abmähen.

 

Das Team vom Bergwaldprojekt zusammen mit den Naturparklern im Sinngrund (Foto: Jennifer Weidle)

 


Julian Bruhn, stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Spessart und Projektleiter freut sich über die Hilfe des Bergwaldprojektes. Die Organisation mit Hauptsitz in Würzburg sei die einzige ihrer Art in Deutschland. Der Schwerpunkt liege auf Pflanzaktionen und Biotoppflege, zu der auch Einsätze wie im Sinngrund gehören.

 

Die gesamte Aktion zur Rückdrängung der giftigen Pflanze wird als Fördermaßnahme von der Regierung von Unterfranken mit voraussichtlich 118.000 Euro unterstützt. Beim Naturpark verbleiben Kosten in Höhe von etwa 13.000 Euro.

 

Dieses Jahr wird der Naturpark noch weitere Aktionen mit Ehrenamtlichen durchführen. Jeder, der Lust habe, könne sich beim Naturpark melden, so Bruhn. „Die Bereitschaft der Bevölkerung, bei einzelnen Aktionen zu helfen, steigt zum Glück.“ Wichtig sei nur, dass irgendjemand die Organisation in die Hand nehme.

 

 

 

Arnika und Teufelskralle ausgepflanzt – Vermehrung bedrohter Pflanzenarten im Naturpark Spessart

01.04.2022


„Es handelt sich um keinen April-Scherz“, so Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart angesichts der ungewöhnlichen Bilder. Trotz 15 Zentimeter hohem Neuschnees hat er am 1. April gemeinsam mit dem Rechtenbacher Landwirt Dominic Herteux und Naturpark-Ranger Felix Kühne rund 100 Stauden der Arnika sowie der Kugeligen Teufelskralle ausgepflanzt. Der Schneefall war dabei kein Problem, sondern im Gegenteil ein willkommener Niederschlag.

 

Arnikastauden vor der Auspflanzung (Foto: Christian Salomon)

 

Aus Spessart-Samen gezogen
Die Arnika-Pflanzen hatte Herteux - Landwirt, Landschaftsgärtner und zugleich Eigentümer der Flächen - zwei Jahre lang gemäß Anleitung des Botanischen Gartens Würzburg und mit artenschutzrechtlicher Genehmigung der Regierung von Unterfranken herangezogen. Die Samen dafür stammten von Spessart-eigenen Wildvorkommen. Das Gleiche gilt für die Stauden der Kugeligen Teufelskralle, welche der Botanische Garten angezogen hatte.


Nun kamen Arnika und Teufelskrallen zurück auf die Spessartwiesen - konkret auf die Weikertswiese und ins Hafenlohrtal. Dort werden sie zum Erhalt der beiden Arten in der Region benötigt. Denn laut Salomon gibt es von diesen Pflanzenarten im Spessart nur jeweils ein größeres, überlebensfähiges Vorkommen. „Der Rest sind“, so der Grünlandbetreuer, „nur noch zerstreute Kleinstvorkommen“, deren Wiederaufbau dringend durch Auspflanzungen und Aussaaten unterstützt werden müsse.

 

Dominic Herteux und Christian Salomon bei der Arnika-Auspflanzung auf der Weikertswiese (Foto: Felix Kühne)

 

Hilfe für mehrere Arten
Artenhilfsmaßnahmen werden durch den Naturpark Spessart e.V. und seine Partner seit 2014 durchgeführt. Bisher wurden etwa 700 Arnika-Pflanzen ausgepflanzt. Laut begleitendem Monitoring konnte somit der Gesamtbestand trotz ungünstiger Trockenjahre deutlich erhöht werden.
Quasi jedes Jahr kommen weitere Auspflanzungen und Ansaaten dazu. Vermehrungsversuche laufen zudem für den Haarstrang-Wasserfenchel und die Orchidee Herbstdrehwurz.

 


Örtliche Unterstützung vorhanden
Schon seit Jahren engagiert sich Dominic Herteux für den Naturschutz auf der Weikertswiese. Er arbeitet sowohl bei der Wiederherstellung und Pflege artenreicher Wiesenbereiche als auch im Rahmen des Arnika-Projektes mit. „Ich leiste damit meinen Beitrag für Natur und Umwelt“, so der 33-Jährige, der stolz ist, wenn auf seinen Grundstücken die Arnika blüht.


Es gäbe aber auch Personen, so Salomon, die nicht möchten, dass geschützte Pflanzen auf ihren Wiesen angesiedelt werden. Sie haben Bedenken, dass sie spezielle Auflagen bekommen und sich einschränken müssen. „Wir vermehren die Arnika daher nur auf Flächen, wo es Sinn macht und die Eigentümer es wollen“, betont Gebietsbetreuer Salomon.


Letztere zu finden, sei allerdings nicht mehr das Problem, denn immer mehr Menschen möchten etwas für die Biodiversität in Region tun.

 

 

 

Grundschule Mömbris-Gunzenbach als erste Naturpark-Schule im Landkreis Aschaffenburg zertifiziert

01.04.2022


Am 01.04.2022 wurde die Grundschule Mömbris-Gunzenbach mit dem Prädikat Naturpark-Schule des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) ausgezeichnet. Oliver Kaiser, Geschäftsführer des Naturpark-Spessart-Vereins überreichte dem Schulleiter Holger Schramm die Urkunde.


„Eine intakte Natur ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, so der Rektor. Seine Schülerschaft war an diesem Tag bereits unterwegs gewesen, um in der Umgebung Müll aufzusammeln. Solche Aktionen zeigten den Kindern, so schramm, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Er freue sich, dass seine Schule nun auf die Expertinnen und Experten des Naturparks bauen könne.

 

Stolz auf die neue Naturpark-Schule: Holger Schramm, Felix Wissel, Adi Gutjahr (hinten), Oliver Kaiser und Andreas Gries (Foto: Jennifer Weidle)

 

Man könne nicht früh genug anfangen, meinte Adi Gutjahr vom Landratsamt Aschaffenburg. Der Leiter des Sachgebiets für Bildung, Sport und Kultur warb dafür, noch mehr klassischen Unterrichtsstoff zu kürzen und stattdessen das Wesentliche und für die Zukunft Wichtige in die Lehrpläne mit hinein zu nehmen. Denn die Umweltbildung gerade in frühen Jahren habe eine herausragende Wirkung für alle Generationen.


Er lobte in diesem Sinne die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Schule dem Naturpark-Team und weiteren Partnerinnen und Partnern wie zum Beispiel den Forstexperten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.


Man müsse mit der Zeit gehen, meinte auch der Bürgermeister von Mömbris Felix Wissel; nicht nur im Klassenzimmer sitzen, sondern den Kindern draußen das echte Leben zeigen. „Unsere wunderschöne Naturlandschaft bleibt nur so, wenn wir schon die Kleinsten sensibilisieren“, sagte er. Er zeigte sich stolz, dass Gunzenbach nun Vorreiter im Landkreis Aschaffenburg und ein Modell für andere Grundschulen ist.


Oliver Kaiser wünscht sich, dass das Netzwerk an Naturpark-Schulen in der Region wächst. Das Naturpark-Ranger-Team spielt laut Geschäftsführer bei diesem Ausbau eine zentrale Rolle: Es fungiert als Ansprechpartner für die Schulen und bindet weitere Kooperationspartner ein, wie ehrenamtliche Naturparkführer:innen, Forstleute, Imker:innen oder Landwirt:innen.


„Die persönliche Betreuung und die Kontakte zu verschiedenen Akteurinnen und Akteuren im Naturpark ist wichtig“, so der Geschäftsführer. Zwar gebe es im Internet Material und Anregungen für Lehrkräfte und den Unterricht, aber das sei zu anonym. „Man muss präsent sein, gemeinsam mit den Kindern rausgehen, sie sensibilisieren und Ihnen Zusammenhänge zeigen“.


Dass das funktioniert, sieht auch Naturpark-Ranger Andreas Gries, der im vergangenen Jahr Aktionen an der Schule durchführte. „Ich bin für die Kinder der Ranger mit dem Bart, der ihnen die Natur zeigt“, lacht er.


Angesichts des Buffets am Ende der Veranstaltung konnten die Gäste erfahren, wie wertvoll praktische Erfahrungen im Schulleben sind. Das Bistro-Team der Schülerschaft der Mittelschule am Glasberg aus Mömbris hatte verschiedene Fingerfood-Leckereien vorbereitet. Diese standen einem professionellen Catering in nichts nach.


Die Grundschule Mömbris-Gunzenbach ist die erste Naturpark-Schule im Landkreis Aschaffenburg und wird zukünftig von dem bundesweiten Netzwerk der über 150 Naturpark-Schulen des VDN profitieren.

 

 

 

Ansaat mit spessart-typischem Saatgut in Rodenbach

29.03.2022


Am 29.03.2022 haben Mitarbeitende des Naturparks Spessart in Rodenbach bei Lohr eine neue Wiese angesät.


„Wir verwenden nur das beste Saatgut zur Erhaltung der Biodiversität“, so Christian Salomon. Vor dem Gebietsbetreuer für Grünland steht ein großer grauer Sack mit etwas, das ausschaut wie kleingeschnittenes Heu.

 

Gebietsbetreuer Christian Salomon (Foto: Marie Frenzel)

 

Die „Schweinepferch“ genannte Fläche in Rodenbach, auf der er mit Ranger Felix Kühne und Praktikantin Marie Frenzel das Saatgut ausbringen wird, schaut noch ziemlich kahl aus.


Hier soll eine vielfältige Wiesengesellschaft entstehen: mit spessart-typischer Artenkombination, 100% züchterisch unveränderten Wildpflanzen sowie regionaler Genetik. „Auch für die heimischen Insekten gibt es nicht besseres“, so Salomon.


Gewonnen hat das artenreiche Saatgut der Naturpark Spessart selbst, es getrocknet und über den Winter gelagert. Geerntet wurde es mit dem Samenerntegerät eBeetle bei Ruppertshütten.

 

Helfende Hände bei der Ansaat des Schweinepferchs: Jürgen Völker (Eigentümer der Fläche und Ortssprecher Rodenbach), Eva Reiser (Praktikatin Stadt Lohr), Karin Müller (Stadt Lohr), Christian Höhlein (Schafhalter), Christian Salomon (Naturpark-Gebietsbetreuer), Felix Kühne (Naturpark-Ranger) (Foto: Marie Frenzel)

 

Künftig wird das Areal extensiv bewirtschaftet; hier werden die Schafe des örtlichen Landwirts Christian Höhlein weiden.


Die von großen Sandsteinen eingefasste Fläche heißt nicht umsonst „Schweinepferch“. Hier war früher eine Sammelstelle zur Waldweide für Schweine. Als die Bevölkerung diese Tierhaltung aufgab, wurde auf der Wiese noch Heu gemacht bis sie zuletzt verwaldete.


Nun wurde die Fläche im Rahmen des Projekts „Wiederherstellung von blüten- und artenreichem Grünland im Naturpark Spessart mit autochthonem Saatgut“ wieder freigestellt, eingeebnet und angesät. Das Projekt wird vom Naturpark Spessart e.V. koordiniert und vom Bayerischen Naturschutzfonds sowie vom WWF Deutschland gefördert.

 

 

 

Wer war`s? Mit dem Naturpark Ranger auf Spurensuche im Winterwald

06.02.2022


Am 6.2.2022 trafen sich 20 Interessierte am Forsthaus „Echterspfahl“ bei Weibersbrunn. Dort gingen sie mit dem Naturpark Ranger Andreas Gries auf die Suche nach Tierspuren.


„Es ist schade, dass es ein solches Angebot an Führungen bei uns nicht gibt“, so eine Familie, die extra aus dem hessischen Taunus angereist war. Sie und die anderen kamen um zu lernen, wie man Spuren unserer heimischen Wildtiere findet und woran man erkennt, von welchem Tier sie stammen.

 

Naturpark Ranger Andreas Gries zeigt bei der Führung "Wer war`s" Spuren von heimischen Wildtieren (Foto: Victoria Schuler)

 

Ideal seien die Bedingungen, so Gries, zwar nicht gewesen – es regnete ununterbrochen – dennoch wurde die Gruppe schnell fündig. Von Wühlspuren der Wildschweine, über Fuchslosungen (Kot) und Fraßspuren von Rot- und Rehwild bis hin zur Suhle gab es einiges zu entdecken.


„Ideal wäre es gewesen“, so Gries, „wenn es am Vortag leicht geschneit hätte und der Schnee nicht hart, sondern eher etwas nass wäre.“ Denn dann, erklärt er, bilden sich die Trittsiegel am schönsten ab. Trittsiegel nennt man den einzelnen Fußabdruck eines Tieres; bei einer Abfolge mehrerer Trittsiegel hingegen spricht man von einer Fährte.

 

Naturpark Ranger Andreas Gries zeigt bei der Führung "Wer war`s" Spuren von heimischen Wildtieren (Foto: Victoria Schuler)

 

Für spannende Momente auf der fünf Kilometer langen Strecke sorgten auch die Exponate aus dem Rucksack des Rangers: Abwurfstangen von Reh- und Rotwild, Haarbüschel verschiedener Arten, Holzspäne von Biberfraß und Gewölle einer Eule.


Der Zuspruch zu dieser Naturpark-Führung, so der Ranger, sei sehr groß; vor zwei Jahren hätten um die 40 Menschen teilgenommen. „Das war aber zu viel“, so Gries, „deshalb habe ich dieses Mal bei 20 Personen den Vorhang zugemacht.“

 

Die Führung, die diesmal in Kooperation mit der VHS Kahlgrund-Spessart angeboten wurde, möchte der Ranger heuer noch 2-3 mal machen. Über diese und andere Führungen kann man sich auf der Webseite des Naturpark-Spessart informieren. „Es lohnt sich“, so der Ranger, „dort gelegentlich reinzuschauen.“ Denn manchmal kämen Führungen auch spontan zustande.

 

 

Neue Naturpark-Schule in Dorf-/Stadtprozelten

26.01.2022


Am 26.1.2022 wurde die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten mit dem Prädikat Naturpark-Schule des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) ausgezeichnet. Oliver Kaiser, Geschäftsführer und Thomas Zöllner, zweiter Vorsitzender des Naturpark Spessart Vereins überreichten Schulleiter Thomas Weigel die Urkunde. Zuvor wurden die Gäste von den Schülerinnen und Schülern der vierten Klasse mit einem Lied auf dem Pausenhof begrüßt.

 

Verleihung im kleinen Kreis: Schulleiter Thomas Weigel und weitere Akteure mit der Urkunde für seine Naturpark-Schule (Foto: Marina Gräulich )

 

Rainer Kroth, Bürgermeister von Stadtprozelten und seine Kollegin aus Dorfprozelten, Elisabeth Steger enthüllten im Anschluss eine Plakette im Schulgebäude. „Wir sind heilfroh“, so Rainer Kroth, „dass wir die Zertifizierung als Naturpark-Schule bekommen haben.“ Er glaubt, dass die Schülerinnen und Schüler begeistern sein werde von den neuen Möglichkeiten. Auch Dorfprozeltens Bürgermeisterin Elisabeth Steger freute sich über die Kooperation mit dem Naturparkverein und sagte der Schule Unterstützung durch die Gemeinde zu.


Auf die Auszeichnung beworben hatte sich die Schule im vergangenen Jahr. In 2021 konnte das Ranger-Team des Naturpark Spessart an vier Tagen Aktionen zum Thema Umweltbildung mit der Schülerschaft durchführen und das Kollegium der Schule auf die Zertifizierung vorbereiten.


Naturpark-Rangerin Victoria Schuler erklärte bei der Übergabe der Urkunde, dass das Thema Natur und Heimat nun verstärkt im Unterricht eingebaut werde: „Unsere Aktionstage draußen ergänzen den Lehrplan und werden im Unterricht vor- und nachbearbeitet.“


Naturpark-Geschäftsführer Oliver Kaiser schätzt den damit verbundenen Lerneffekt sehr hoch ein: „Ein Tag draußen bleibt noch lange im Gedächtnis der Kinder.“


Doch auch die Lehrerinnen und Lehrer dürfen nochmal die Schulbank drücken. Als zertifizierte Naturpark-Schule gebe es, so Schuler, Fortbildungen für die Lehrkräfte. Die Spezialistinnen und Spezialisten vom Naturpark Spessart werden diese jährlich zu Naturthemen durchführen. „Die Lehrkräfte bekommen so neue Impulse für die Unterrichtsgestaltung“, so Harald Frankenberger vom Oberschulamt Miltenberg.


Die Grundschule Dorf-/Stadtprozelten ist die dritte Naturpark-Schule im Naturpark Spessart und wird zukünftig von dem bundesweiten Netzwerk der über 150 Naturpark-Schulen des VDN profitieren.

 

 

Informationen

Weitere Informationen

Daniela Kaiser/Assistenz
Naturpark Spessart e.V.
Frankfurter Straße 4
97737 Gemünden
am Main
Telefon: 09351 603 947
Naturpark Spessart

 

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