
Ludwig I., Graf von Loon und Rieneck, der zugleich Burggraf und Erzkämmerer von Mainz, Schirmvogt des Stiftes zu Aschaffenburg und Erbtruchseß von Würzburg war, ließ das sogenannte "castrum Rinecke" um das Jahr 1150 an der nordöstlichen Grenze seiner Grafschaft erbauen.
Mit dem kleinen Hügel im Sinntal hatte der Graf eine gute Wahl getroffen, denn die Langseiten des Burggeländes waren gegen Angreifer bereits durch natürliche Hindernisse ausreichend geschützt. Die Angriffsseite von
den Hügeln her sicherte er durch Bau des Bergfrieden, des "Dicken Turmes".
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestand die Burganlage nur aus dem von Burgmauern umgebenen Burghof und dem Dicken Turm mit seinen
vier bis acht Metern dicken Mauern. Innerhalb des Hofes wurden einige Fachwerkbauten errichtet, Lagerhäuser, Ställe und Wohngebäude.
Um das Jahr 1200 wurde die Burganlage dann stärker befestigt und die große
romanische Hofkapelle, die den heiligen Märtyrern Fabian und Sebastian geweiht wurde, errichtet. Ebenfalls um 1200 wurde der Dünne Turm zur Sicherung einer größeren Burganlage erbaut. Er hat einen regelmäßigen
achteckigen Grundriß (im Gegensatz zum Dicken Turm, bei dem der Grundriß unregelmäßig siebeneckig ist) und zeigte ursprünglich in alle Richtungen ein trotziges fensterloses, nur von Luken durchbrochenes Mauerwerk.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts siedelten sich dann auch erste Bauer um die Burg herum an und gründeten so die Stadt Rieneck. Die Burg war eine der wichtigsten Befestigungsanlagen der Region Würzburg bis zum
Aussterben des Rienecker Grafengeschlechtes im Jahr 1559. Nach dieser Zeit wurde die Burg nicht mehr ständig bewohnt, was zum sehr schnellen Verfall der Gebäude führte. 1673 wurde die Grafschaft Rieneck, und mit ihr
auch alle Ehrenämter der Rienecker Grafen von Johann Hartwig Graf von Nostiz gekauft. Dieser sicherte sich so seinen Stammsitz im Reichstag. 1814 fiel die Burg an das Herzogtum Franken und wurde in der Folgezeit von
Privatpersonen gekauft und umgebaut. Seit 1962 steht sie im Eigentum des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP).
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